[dropcap size=big]J[/dropcap]aja, verwöhnt zu sein ist schon ein Privileg. Das haben wir uns verdient, als schwer schuftende Menschenkraft. Wer leistet, ist Teil der Gesellschaft. Je mehr, desto lieber. Auf der Straße nickt man sich verstehend zu. Eigentlich kann es gar nicht genug Achtung geben für die eigene Aufopferung. Warum also nicht jeder in die Großstadt? Alle Mann Schulterklopfen. So lebt es sich schön. Endlich nicht mehr nichts haben. Vorm Mitternachtskino noch zwei Currywurst und Pommes rot-weiß, den Schminkprofis bei Germany’s Next Topmodel schon längst beim DM-Kauf voraus sein, den Eierkocher auch mal auf den Geschirrspüler stellen. Pure Wonne. Selbst der Gehweg zum Geldholen glänzt im güldenen Laternenlicht. Nie mehr Dunkelheit fürchten, die Nacht endlich abgeschafft. Und gegen den Smog gibt’s ja auch was von Ratiopharm. Hauptsache, es ist warm um die Weichteile. Wer dieses Weltbild so kuschelig findet wie den Busen seiner Mami, der sollte genau jetzt aufhören zu lesen. Nein, lasst Euch bloß nicht von Brock Lindow und seiner Metalcore-Rasselbande 36 Crazyfists reinreden. Wirklich. Schluss jetzt!

 

Ich bin ziemlich neidisch. Du lebst in der Abgeschiedenheit Alaskas, in unverfälschter Natur und Seelenruhe. Mach mich heiß, wie schön ist es wirklich da?

Es ist ein wunderschöner Ort, wo ich Geborgenheit finde. Anchorage, wo ich lebe, ist zwar eine große Stadt. Du musst aber nur fünf bis zehn Minuten rausfahren und findest dich in einer der majestätischten Bergwelten, die du dir nur vorstellen kannst. Die Natur hier ist überwältigend, sehr friedvoll.“

 

Also kannst Du vor den 300.000 anderen Einwohnern in Anchorage fliehen und Dich selbst finden?

Mich stoßen große Städte immer ab. Ich liebe es, durch Wälder zu streifen. Inspiration finde ich nicht durch digitale Dinge, sondern in mir selbst und meiner Umwelt. Dinge, die mich persönlich verändern, sind nicht auf Facebook.

 

 

„Ich töte nichts, das ich nicht auch esse.“

 

 

Ist für Dich das kalte Alaska ein Rückzugsort vor dem Technikwahn?

Ich habe noch nie ein Album gedownloadet, einfach, weil ich nicht weiß, wie. Das interessiert mich nicht. Ich komme aber schon besser mit dem Social-Media-Kram der Band klar. Ich kann einen Post auf der Bandseite machen, das bekomme ich hin. Ich sehe den Wert darin – du kannst eine deiner Lieblingsbands erreichen und wir unsere Fans. Wir können unsere Dankbarkeit übermitteln.

 

Was ist Dein Lieblingsort in der Nähe von Anchorage?

Ich mag den kleinen Skiort Girdwood. Der liegt ungefähr 36 Meilen von Anchorage entfernt, wir haben da eine Hütte. Es ist nicht wirklich weit weg, aber wenn ich da bin, fühle ich mich, als wäre ich tausende von Meilen weit weg von der Stadt. Es ist eine sehr entspannte, kleine Stadt voller Berge. Wir fahren da Ski oder gehen im Sommer wandern.

 

Fährst Du raus fischen?

Unbedingt. Ich fische schon mein ganzes Leben lang. Wir fahren dafür den Fluss Knik runter, der sich in alle Arten von Seen und Flüssen teilt. Im Sommer geht es fast nur ums Fischen.

 

Wie ist es mit Jagen? Erlegst Du auch Wild?

Yeah. Wir jagen Elche, Rentiere und Enten. Ich töte aber nichts, das ich nicht auch esse. Was ich jage, kommt in meinen Kühlschrank und ernährt meine Familie.

 

 

„Es gibt ein paar gute deutsche Biere. Kennst du Aigner?“

 

 

Was ist Dein liebstes alaskanisches Essen?

Ich wähle klar die altvertraute Rentierwurst. Elchburger, Königslachs und -krabbe, all die alaskanischen Meerestiere sind sehr lecker.

 

Welches ist Dein Lieblingsbier in Alaska?

Es gibt ein regionales der Denali Brewing Company, die haben ein Ale namens Mother Ale, wovon ich definitiv meinen gerechten Anteil die letzten Jahre über abgekauft habe. Denali Brewing

 

Welches Bier magst Du im Vergleich dazu in Europa?

Viele der Brewdog-Biere. Ich mag Craft-Biere besonders, also wohl das Punk IPA von Brewdog. Es gibt aber auch ein paar gute deutsche Biere haha. Kennst du Aigner? Das ist gutes Bier! Bayerische Biere, die mag ich.  Brewdog

 

Wie war es, als der Film „Into The Wild“ rauskam? Wurdet Ihr seitdem von Touristen überschwemmt?

Im Sommer haben wir massig Touristen hier, ein wichtiges Gewerbe. Sie fischen hier, wandern viel, beobachten auf Bootsfahrten Wale in den Knik-Fjords. Yep, ich empfehle aber unbedingt: Versucht nicht den ‚Into The Wild‘-Move. Das werdet ihr gefälligst nicht tun!“

 

Verdammt, wirklich nicht? Wie sollen wir uns jetzt aus den widerwärtigen Zwängen der Zivilisation befreien und den Vergiftungen des Kapitalsimus entgehen? Die Babys bleiben ratlos zurück. Danke Brock, echt…

[alert type=red ]♥  MEIN BLOCK ♥ 

Wir wollen wissen, wer hinter unseren Künstlern und deren Kunst steckt: wo und wie sie leben, was sie geprägt hat und wie sich das in ihren Werken widerspiegelt. Daher dreht sich in „Mein Block“ alles um den Block – der Künstler. Ende.

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