City Light Thief sind eine komische Band. Die Rheinländer klingen wie eine der ganz großen Post-Hardcore-Kombos und dennoch geben sich die Endjugendlichen mit schäbig-stickigen Auftritten in Jugendzentren zufrieden. Vielleicht, weil sie bescheiden sind. Vielleicht, weil es einfach um die Liebe zur Musik geht. Ja, ganz bestimmt sogar. Und deshalb bringen wir zu unserem Date mit Frontkrächzer Benjamin Mirtschin auch ein schönes, warmes Häufchen Zuneigung zur schönsten Hauptsache der Welt mit und lassen diese selbst sprechen. Ähm, fragen. Na gut: beides.

 

Who are you? (The Who)

The Who ja echt in allen Ehren – aber bei der Zeile „Who are you?“ muss ich als 26-jähriger Typ echt eher an „The Pretender“ von den Foo Fighters denken. Waren wir am 06.11., wo auch unsere Platte rausgekommen ist, fast alle zusammen beim Konzert. War geil gewesen. Geiler Song.

Achja, ich bin Benjamin, und ich singe bei City Light Thief.

 

Wadde hadde dudde da? (Stefan Raab)

Als ich in der 5. oder 6. Klasse auf Klassenfahrt war, ich glaube es war in Wuppertal, da haben unsere Betreuer damals eine Talent-Show organisiert. Ich bin mit meinem Schulkumpel Simon dort, Mini-Playback-Show-Style, wirklich mit „Wadde hadde dudde da?“ aufgetreten. Ich hatte irgendeine goldene Bluse an. Mega weirde Erinnerung… Egal – ich glaub, das kam damals ganz gut an, war geil.

Jetzt aktuell haben wir mit City Light Thief eine neue Platte – die heißt „Shame“ und ist eine vier Song lange EP. Ist vor kurzem auf Midsummer Records rausgekommen. Ich bin sehr glücklich damit.

 

Do you remember the first time? (Pulp)

Ich habe Pulp lustigerweise erst durch diese komische William-Shatner-Cover-Platte kennengelernt. Ja genau, der alte Star-Trek-Typ. Der hat damals „Common People“ gecovert, ich fand den Song wahnsinnig gut und hab recherchiert. Dadurch hab ich Pulp entdeckt und seitdem ist mein Leben ein bisschen besser.

Ich habe Tobi, unseren Gitarristen, schon 1997 getroffen. Wir waren beide gerade acht Jahre alt und haben uns bei den Pfadfindern kennengelernt. Super war das damals. Da haben wir damals natürlich immer Akustikgitarre am Lagerfeuer gespielt, Klischee, Klischee. Ein paar Jahre später, als wir dann eher Green Day anstatt Hannes Wader gesungen haben, keimte in uns die Idee auf, eine Band zu gründen. Tobi hat gesagt: „Ohne Roman mache ich keine Band, den kenne ich seitdem ich ein Baby bin, und der spielt geil Gitarre“. Gesagt, getan, erste Bandprobe damals war irgendwann im Sommer 2003. Die beiden spielen immer noch Gitarre und ich singe dazu. Genial, weil heute ist ja schon 2015!

 

Where is the Love? (Black Eyed Peas)

Black Eyed Peas habe ich mal live gesehen – 2004 auf der Berlinova. Das war ein super Festival, ich war 15 Jahre alt und war mit meinem großen Bruder da. Die Distillers haben gespielt (bis Brody Dalle neben die Bühne pissen musste, leider so, dass alle es sehen konnten) und die Donots und ich glaube auch Sick of it All, Virginia Jetzt!, die Sportfreunde und Kool Savas. Was für ein tolles Wochenende das war. An dem Wochenende bin ich Vegetarier geworden. Auf dem Rückweg Sonntag Nacht ist mein Bruder immer wieder am Steuer eingeschlafen. Berlin – Grevenbroich in der Nacht ist eine laaaaange Strecke nach drei Tagen Festival und Bier, aber wir haben überlebt und es war wundervoll.

Ich bin verheiratet und habe eine unendlich gute kleine Tochter, die gerade zweieinhalb Jahre alt ist und schläft – meine Liebe ist Zuhause!

 

Turn down for what? (DJ Snake & Lil Jon)

Ach du grüne Neune. Was für ein absurder „Song“. Im normalen Leben, wo ich nicht von IgittBaby interviewt werde, mache ich ja Musikpromo und Marketingkram. Dazu gehört auch ein Job für MTV Deutschland. Für die musste/durfte ich auf das MTV Mobile Beats Festival gehen in Köln, um von dort Social-Media-Berichterstattung zu machen. Da hat DJ Snake gespielt. Ich erinnere mich daran, dass der richtig gefickt hat. Also, da haben sonst so DJs gespielt wie Felix Jaehn, der im Prinzip nur 1LIVE angemacht hat und den Bass etwas lauter gedreht hat, dafür aber mit dem Privatjet gekommen ist. Naja. Aber DJ Snake hat bei seinem Auftritt richtig asoziale Bassmusik gemacht. Ich kann nicht einschätzen ob das gut oder schlecht ist, und erst recht nicht ob das kredibil ist, aber an einem sonnigen Samstagnachmittag vor 15.000 besoffenen Jugendlichen fand ich es sehr beeindruckend, dass der da so Randale gemacht hat.

Äh, ja…

 

Why can’t I be you? (The Cure)

The Cure ist ne Band, die mich schon seit der Pubertät begleitet, aber mir nie so richtig wichtig geworden ist. Bin ich vielleicht auch eine Spur zu jung – aber insgesamt schätze ich die schon. Ein Konzert hab ich gesehen, mal beim Hurricane, das war aber, wenn ich mal so sagen darf, eher semigut. Gutes Lied aber. Danke!

Wenn du Bock hast, kannst du ich sein. Ich habe nix studiert, hab keine großartigen Abschlüsse, nur eine Ausbildung abgeschlossen und seitdem ich 18 bin immer auf eigene Faust gearbeitet und nebenbei Musik gemacht – das kann wirklich jeder nachmachen! City Light Thief nachmachen allerdings wird eher schwer. Man muss sich schon sehr jung treffen, um so naiv gemeinsam Musik zu machen. Bin ich stolz drauf.

 

What are you doing the rest of your life? (Frank Sinatra)

Man bekommt immer geile Weihnachtsstimmung wenn man Sinatra hört, oder? Also, diese gute Art von Stimmung, die nix mit dem Stress oder den Geldsorgen am Ende des Jahres zu tun hat, sondern einfach so dieses Feeling: Geil, so was kann man perfekt laufen lassen, wenn man weiß, dass man am nächsten Tag nichts machen muss. Weil alle frei haben. Frank Sinatra = musikalisch ganz toll. Ich hoffe auch menschlich, aber das weiß ich gar nicht.

Für den Rest des Lebens… Ich hab wie gesagt eine Tochter, die wird so gut wie möglich hochgebracht. Und City Light Thief werden weiter 30 Konzerte im Jahr spielen und eine immer tolle Erfahrung bleiben, die auch nach X Jahren immer noch ehrlichen, aufrichtigen Spaß bringt. Ich schätze es so unglaublich sehr, dass wir zufällig sechs Typen sind, die keine Karrierespackos sind, sondern halt einfach nur „machen“ wollen.

 

Man of the Year? (Schoolboy Q)

Tja, schönen Dank – zu einem Act wie Schoolboy Q hab ich jetzt auch keine Anekdote am Start. Wenn ich mir das so anhöre, dann: verständlicherweise.

Es gab 2015 sehr viele tolle Persönlichkeiten, die den Titel „Human of the Year“ verdient hätten. Da denk ich konkret zuerst an die ganzen Frauen und Männer, die in ihrer Freizeit all die Flüchtlingscamps überall organisieren. Genial und würdigungswürdig.  Aber, um hier kurze die Kurve zu unserer Band zu bekommen: für uns sind es Nico Vetter, der unsere Platte toll aufgenommen hat, und das live und für wenig Geld, und Tim Masson von Midsummer Records, der sehr viel Geld für unsere spinnerigen Ideen mit dem Vinyl ausgeben musste und der seit Jahren so toll für uns arbeitet. Das sind unsere Men of the Year.

 

War? (System of a Down)

Heute Abend auf dem Rückweg von der Probe noch mit Mario und Tobi drüber geredet. Aktuell hat man wirklich das erste Mal dieses konkrete, mulmige Gefühl in den Knochen, dass die Scheiße bald überkocht. Erneute Terroranschläge in Paris, schrecklich falsch informierte Leute in Deutschland überall, die sich auch noch zu Organisationen formieren, Rechtsruck in Europa. Schlimm und beängstigend. Fuck, weiß man gar nicht was man sagen soll. Ich hoffe so fest, dass genug Leute nachdenken und darüber reden und damit verhindern, dass diese Unzufriedenheit weiter wächst. Dass es Probleme und Anschläge und Tote gibt, liegt nicht daran, dass ein Flüchtling in unser Land kommt. Wir sind doch alle gleich.

 

The Message (Grandmaster Flash)

Auf „Shame“ haben wir echt zum ersten Mal eine Message, die über den üblichen Gefühlskram hinausgeht. Der Song „Plus & Plus“ behandelt die Ungleichberechtigung homosexueller Paare. In meiner eigenen Familie habe ich miterlebt, welche Hürden diesen Menschen durch die Gesetze hier in den Weg gestellt werden. Im normalen Leben allein schon, aber vor allem auch, wenn es um das Thema Familiengründung geht. Adoption, künstliche Befruchtung, Leihmutter-/Leihvaterschaft, all das wird hier für homosexuelle Paare im Gesetz anders ausgelegt als für heterosexuelle Paare. Was für ein kolossaler Fuck-Up. Das kann und darf nicht sein, dass wir da heutzutage noch Unterschiede machen. Dieses Thema ist groß und wichtig genug, um dafür auch mal seine eigenen kleinen Unzulänglichkeiten zu vergessen, und mal über was wirklich Essentielles zu singen. Ich freue mich über jeden, der sich mit der Thematik und dem Song beschäftigt.