Die Deftones waren immer diese eine Band, die man Anfang der Neunziger zwar mitunter ins Nu-Metal-Lager schob, obwohl die dafür eigentlich immer viel zu gut war. Fred Durst mit seiner hässlichen Mütze oder Korn mit ihren Dreadlocks konnten der brutalen Emotionsschieflage der Deftones zumindest nie etwas Substanzielles entgegensetzen. Klar, auch die Deftones sind älter geworden, allerdings klingt „Gore“ nach zuletzt eher sphärischen Erzeugnissen mal wieder so richtig schön anstrengend und beunruhigend – auf typisch harmonische Weise. Das Baby sprach mit Schlagzeuger Abe Cunningham.

 

2013 verstarb euer langjähriger Basser Chi Cheng. Wie ernst stand es damals um den Fortbestand der Band?

Es war die schwerste Phase der Bandgeschichte. Wenige Bands, die ich kenne, sind eine so verschworene und unzertrennliche Gemeinschaft wie die Deftones. Ist jemand nicht mehr da, hinterlässt er eine riesige Lücke. Natürlich lang Chi schon eine Weile im Koma; wirklich leichter gemacht hat es das aber nicht.

 

Inwiefern ist er auf „Gore“ präsent?

Wenn du so lange zusammen spielst, kannst du nur schwer ersetzt werden. Deshalb ist Chi auch sehr präsent auf „Gore“. Nicht an seinem Instrument, aber in uns allen.

 

Vier Jahre Pause liegen zwischen „Gore“ und dem letzten Werk. Eigentlich sollte ja aber dieses eine Album namens „Eros“ veröffentlicht werden.

Ja, aber die Dinge haben sich nun mal geändert. Die eine oder andere Idee von „Eros“ findet sich auf „Gore“ wieder, wir waren uns jedoch einig, dieses Werk erst mal ad acta zu legen.

 

Von der Liebe („Eros“) zum Blutbad („Gore“) ist aber schon ein heftiger Schritt.

Dunkle Tage liegen hinter uns, das wollen wir nicht verhehlen. Zudem paart sich der Albumtitel ja mit diesem wunderbar kitschigen Flamingo-Artwork. Hässlichkeit und Schönheit vereint, das war schon immer unser Ding.

 

Das trifft auch musikalisch zu. Im Gegensatz zu den letzten Werken geht es diesmal mitunter recht bissig und scharfkantig zur Sache. Wie eine Bande alter Männer klingt das ehrlich gesagt nicht…

Wir gingen diesmal anders ans Songwriting ran. Wir trafen uns und arbeiteten für einige Wochen, dann gingen wir wieder getrennte Wege, ließen das Material eine Weile wirken und trafen uns dann wieder. Das hat richtig gut getan.

 

Stephen Carpenter schien das anders zu sehen. Im Vorfeld der Veröffentlichung wurde laut, dass er mit dem neuen Material so gar nichts anfangen kann…

Ach, das wurde wieder mal viel zu ernst genommen. Wir sind fünf Menschen mit fünf starken Meinungen. Es ist doch völlig normal, dass nicht immer alle einverstanden sind mit dem, was wir tun. Das Wichtige ist doch, das zu erkennen und daran zu arbeiten. So haben wir die Dinge in dieser Band immer geregelt. Wir sprechen miteinander.

 

Auch über Chinos Texte? Die sind so kryptisch wie immer, finde ich.

Stimmt, Mann! Auch ich habe oft keine Ahnung, was er da eigentlich meint. Er malt Bilder mit seinen Worten, und genau das versuchen wir auch mit der Musik. Mir gefallen diese Widersprüche bei uns. Du weißt nie genau, was dich bei einem Deftones-Album erwartet. Ich bin sehr froh, dass wir uns diesen Status erarbeitet haben.