Die Engländer schmeißen ja mit „next big things“ um sich wie ein ostdeutscher Bürger mit Parolen gegen Flüchtlinge. Im Gegensatz zu Freitals braunem Bodensatz treffen die Insulaner aber wenigstens hin und wieder mal ins Schwarze. Mit den Muncie Girls zum Beispiel, einer jungen Band aus dem semischönen Exeter. Sängerin Lande Hekt könnte so was wie eine neue Shirley Manson werden, eine junge Galionsfigur, die den Zeigefinger nicht erhebt, den Mittelfinger nur ausstreckt, wenn es wirklich nötig ist, und stattdessen wirklich kluge Sachen singt. Ihre beiden Kumpels flankieren sie mit einem Sound, der auch mal die Ellbogen ausführt und in seinen lichten Momenten an den Furor einer Patti Smith erinnert. Zum Debüt „From Caplan To Belsize“ haben uns mal kurz mit Gitarrist Dean zusammengesetzt.

 

Dean, das mag jetzt keine neue Frage sein, aber wir tun jetzt mal so, als seien wir laut.de und stellen sie dennoch, weil wir nicht allzu viel blicken: Was bedeutet es heutzutage eigentlich noch, Punk zu sein, wo Punk zur Primark-Mode verkommen ist?

Es ist ja nichts Neues, dass Punk als lächerliche Modeerscheinung gebrandmarkt wird. Die Menschen sehen seit Jahr und Tag darauf herab und stempelten es als merkwürdige Phase ab, die diese komischen Kids eben irgendwann mal durchlaufen müssen. Und was soll ich sagen: Bei den meisten Menschen ist es sicherlich nicht mehr als das. Einigen Menschen bedeutet Punk aber eben deutlich mehr – und für diese Menschen, zu denen wir uns auch zählen, geht es eben genau darum, diese Menschen in ihrer Meinung zu belächeln und weiterzumachen. Also: Es juckt mich nicht.

 

Ist das, wie die Dinge in Exeter laufen, wenn man jung ist?

Uns zumindest hat unsere Jugend in Exekter stark geprägt, oh ja. Exeter Cavern, eigentlich der einzig tragbare Laden der Stadt, spielte dabei eine besonders wichtige Rolle. Hier spielten wir lange vor Muncie Girls in Bands, für die wir uns heute arg schämen.

 
 

„…mit langen weißen Bärten“

 
 

Wie die typischen Punk-Rebellen wirkt ihr dennoch nicht. Sorry…

Das sind wir ja eigentlich auch nicht. Zumindest nicht direkt. Landes Texte zielen auf soziale oder politische Dinge ab, die dir in der Schule niemand beibringt.

 

Zudem ist sie sehr von der amerikanischen Literatur des 20. Jahrhunderts beeinflusst. Und das als Engländerin.

Oh ja, Lande war besessen von Sylvia Plaths „The Bell Jar“, als wir das Album schrieben. Es ist zwar kein Konzeptalbum über dieses Buch, doch ich denke, es spiegelte ganz gut wieder, wie sie sich damals fühlte. Wer weiß, vielleicht liest sie beim nächsten Album Walt Whitman und wir sind alle mit langen weißen Bärten auf dem Cover zu sehen.

 

In „The Bell Jar“ geht es ja, recht plakativ ausgedrückt, um die Suche nach der eigenen Identität. Wie hast du eigentlich deine gefunden?

Ich weiß gar nicht, ob ich sie überhaupt schon gefunden habe. Doch wenn, dann in diesem dunklen, schmutzigen, winzigen Club unter den Straßen von Exeter.