Es erfordert schon mächtig Mumm, in einer Stadt leben zu wollen, gerade weil sie scheiße ist. Das, liebe Leser, haben FJØRT euch voraus. Ihr hilflosen Babys. Was wärt ihr nur ohne Iced Frappé, Nachtbusse und die Porno-Kinos? Nichts. In eurer kulturkotzenden Metropole bekommt ihr doch all den Unrat, den ihr wollt, hinterhergeschmissen. Sauffreunde für eine Nacht, damit ihr euch fühlt, als wärt ihr was wert. Reihenweise Konzerte hipper Unmusiker, um Intellektualität vorzugaukeln. Stress gibt’s auch umsonst, damit ihr bloß nicht über das Sein nachdenkt. Ihr liebt den Luxus, lebt die Vielfalt. Sonst müsste euch ja einfallen, was ihr stattdessen machen könntet. Kreativ sein? Oh, Graus. Aber wenn ihr nur einmal Oberfläche gegen Einöde tauschen würdet, ginge euch vielleicht ein Licht auf. Lasst euch von FJØRT helfen.

 

Mal ehrlich: Was ist schon schön an Aachen?

David: Zum Wohnen macht’s extrem viel Spaß, weil man sich auf seine kreative Arbeit konzentrieren kann. Sonst ist ja nicht viel mehr los in der Stadt. Wenn du das mit Berlin vergleichst, wo du heute Abend noch in jedem Klub abtanzen könntest, kannst du in Aachen nur pennen oder in den Proberaum gehen.

 

Und was ist so richtig scheiße an Aachen?

David: Wo wir groß geworden sind, gab es 20 lokale Bands in der Rock City Aachen, die während der Emophase damals alle JuZes betourt und vor 200 Leuten gespielt haben. Keiner fand Electro geil, alle gingen auf Punk-Rock-Shows. Das hat leider komplett nachgelassen. Heute tanzen sich die Leute auf Electro-Feten die Seele aus dem Leib. Können sie machen, aber das Rockding ist in Aachen nicht mehr so aktiv. In Köln spielst du vor 200 Leuten, in Aachen vor 20. Das ist schade. Und so richtig scheiße.

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Quell jeglichen Leids: Die RWTH Aachen.

Welches Klischee über Aachen entspricht am ehesten der Realität?

David: Hoher Männerstatus. Wir haben eine Technische Universität, das merkt man.

Frank: Viele „MaschBauer“ mit Karohemd und ordentlich Samen-Stau.

David: Was natürlich dazu führt, dass Electro und Charts in den Clubs regieren. Weil sehr wenig kreative Sachen studiert werden und dadurch die alternative Szene ziemlich dünn ist. Man sagt immer: Wenn ein Mädel das Abitur beendet hat, gucken sich es die Eltern an und entscheiden, ob hübsch oder nicht hübsch. Wenn es in die nicht-hübsche Richtung geht, geht es nach Aachen, sonst nach Berlin.

 

Nur nicht-hübsche Mädchen? Warum lebt ihr dann noch da?

David: Weil es sehr ruhig ist. Würde ich in Berlin wohnen, wäre ich nach einem halben Jahr tot. Ich habe einen Akku von hier bis zum geht nicht mehr und würde jede Party mitnehmen, die es gibt. Ich könnte nicht so kreativ arbeiten wie in Aachen. Wenn du hier um 22 Uhr aus dem Proberaum gehst, schläft alles. Dann denk ich mir: Na gut, bleibste noch zwei Stunden hier.

Frank: Wir haben uns in Aachen. Ich lebe im Grenzland Belgien, neben Holland und Deutschland. Ich bin ins Ausland geflüchtet, da gibt es Kühe und Pferde und Katzen, kein Bus mehr vor der Haustür und ich bin trotzdem in zehn Minuten in der Stadt beim Proberaum.

David: Wir wohnen im Dreiländereck, das liegt direkt in der Eiffel.

Frank: Wald ist geil.

David: Und du hast das Halli-Galli-Leben ja auch in Köln. Du setzt dich eine Dreiviertelstunde ins Auto und kannst jede Band sehen, hast die Clubs…

Frank: …die pulsierende Szene.

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Ratespiel: Wer findet Frank im Apollo, das besoffene Schwein!?

Genau darüber wollen wir reden: Was war euer übelster Absturz in Aachen?

David: Als du aus dem Club geflogen bist, Frank, weil du alle Plakate abgerissen hast.

Frank: Das war im Apollo – tagsüber Kino, abends Disco. Montags Alternative Monday, da sind wir übelst abgestürzt, haben uns ordentlich Gin rein gefahren. Ich stand auf der Toilette, irgendein Plakat hat mich genervt, ich hab das abgezupft. Und zack hatte ich eine hängen vom Türsteher und bin rausgeflogen. Der wollte direkt Respekt erwarten, indem er mit auf den Hinterkopf gehauen hat. Das tat nicht weh, war aber Taktik.

David: Zweiter interessanter Abschuss: Junggesellenabscheid von Frank. Er hatte schon ab 10 Uhr gesoffen und wir sind erst 18 Uhr dazu gestoßen, da hätte man den schon einweisen können. Wir haben konsequent bis vier Uhr weiter gesoffen. Und als er schon gar nicht mehr stehen konnte, hielt er bei seiner ehemaligen Pommesbude an und da hat der Typ ihm noch eine Flasche Ouzo spendiert, die er dann zur Hälfte ausgetrunken hat. Drei volle Tage hat er zur Regeneration gebraucht.

Frank: Das wusste ich gar nicht mehr.

 

Wo geht ihr so richtig thrashig feiern?

David: Im AZ oder Musikbunker. AZ schwankt zwischen Electro-Partys und DIY-Shows, 1,50 Euro das Bier, nur coole Leute. Im Musikbunker sind eher die größeren Acts wie Casper, Turbostaat.

 

Wo findet man die heißesten Weiber?

David: Nicht in Aachen. Die Männer-Frauen-Quote ist so 70/30. Aachen und Köln sind wie Tag und Nacht, das hat nicht mal was mit hübsch aussehen zu tun. Sondern mit der Mentalität, dem Stil und der Offenheit. Das ist ja effektiv das, was man am attraktivsten findet an einer Frau. Nicht, ob sie so geil geschminkt ist oder wie sie rumläuft, sondern ob die irgendwas aussagt oder du Bock hast, dich zwei Minuten mit ihr zu unterhalten.

Frank: Aber mein heißestes Weib sitzt zuhause. Ich musste das sagen, mein das aber auch so.

 

Wo gibt’s die perfekten Tattoos?

David und Frank (synchron): Beim Carlo Heins!

David: Rose of my Heart Tattoo in Wegberg, ist ungefähr 30 Kilometer entfernt. Mit Carlo habe ich nächtelang durchgesoffen. Ich fand’s immer lustig, dass er in den Klubs keinen Stempel mehr auf die Haut kriegen konnte, weil kein Platz mehr war.

Frank: Damals aufgeschaut zu ihm auf der Bühne bei The Bruce, geile Hardcore-Band aus Eupen.

David: Der Nachfolger ist jetzt Nasty.

Frank: Carlo sticht wie ein Bienchen, nur schöner. Tut gar nicht weh.

David: Ich geh kaputt.

 

In welcher Ecke von Aachen sollte man sich besser nicht blicken lassen?

David: Ganz freakig ist nachts der Kennedypark im Ostviertel.

Frank: Ich hab da ein Jahr gelebt, das war heikel. Und auch schön.

David: Das ist ein Integrationsviertel, du hast super viele nette Leute, ultra viele Gemischtwarenläden. Aber von allen Seiten Skins oder Leute, die Bock haben, was zu klatschen. Da würde ich mich abends eher nicht so aufhalten. Tagsüber feier ich das alles. Ich kaufe zum Beispiel nicht beim REWE ein, sondern beim türkischen Gemischtwarenhändler ums Eck.

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Stimmt Jungs, ziemlich übel, hier im Kennedy-Park… Manmanman

Habt ihr „Spätis“ in Aachen?

David: Nee, die Kiosks haben sogar Sonntag zu.

Frank: Spätis?

David: Spätverkäufe.

Frank: Ach Spääätis! Haha, Spezis?!

David: Tanke heißt das bei uns.

 

Wo habt ihr Hausverbot?

David: Frank im Apollo.

Frank: Nö, ich darf da schon noch hin, hab aber kein Bock mehr drauf, haha. Bin ja brav gegangen.

David: Wir sind ziemlich brave Lämmer, gehen nicht viel feiern. Wir besuchen effektiv Konzerte oder sitzen in Bars, aber das Komplettausrasten hat abgenommen.

 

Wohin führt ihr ein Date aus?

David: Westpark, Sommer.

Frank: Schön Decke, Picknick, Brot, Wein, paar Oliven.

David: Da habe ich mich sehr oft gedatet. Und es ging auch sehr oft schief.

Frank: Wenn’s regnet, ins Café Kittel oder Last Exit, sehr schöne Kneipe, nett, alternativ gehalten.

David: Da, wo die Stühle fast nicht mehr stehenbleiben, wenn du dich drauf setzt.

Frank: Oder direkt nach Hause, schön asiatisch bei Blue Lotus bestellen.

David: Oder Öz Urfa, ein türkisches Restaurant. Der Besitzer begrüßt mich mit Handschlag.

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Obacht! Landest Du im „Öz Urfa“ , will Dich David nur flachlegen!

Könnt ihr euch erinnern, wo ihr das erste Mal in Aachen Funeral For A Friend gehört habt?

Frank: Zusammen gespielt haben wir mit denen vor einem Jahr in Aachen. Das erste Mal habe ich sie auf MTV gehört, zu Hause im Wohnzimmer, durchgezappt und war baff.

David: Ich habe damals bei Longing For Tomorrow gespielt. Wir haben uns vor acht Jahren aufgelöst, aber echt „Juneau“ oder „Streetcar“ bei Proben gespielt. Unser Gitarrist war totaler Fan. Ganz, ganz großer Einfluss. Wie Alexisonfire.

 

Therapiestunde beendet. Bitte spenden Sie jetzt ihr gesamtes Vermögen den Kirchenmäusen von igittbaby.de. Danke.

 

 

Bild „Kennedy-Park“: Wikipedia / ACBahn

Bild „Öz Urfa“: www.facebook.com/Öz-Urfa-Restaurant

Bild „Apollo Aachen“: www.facebook.com/ApolloAachen

Bild „RHTW Aachen“: Wikipedia / א