Berlin war ja immer schon ein Moloch aus Dreck, Armut, Gestank und üblen Gestalten. Da musste nicht erst Jennifer Rostock überfallen werden, um das festzustellen. Fragt nur mal Christiane F. Dennoch zieht dieses Ungetüm von Stadt noch immer Menschen an, verschlingt Träume und begräbt Hoffnungen unter Drogen, billigem Bier und suizidalen Wintern. Die drei Bärte von Kadavar sind auch alles andere als gebürtige Berliner, haben sich vor einigen Jahren aus verschiedenen Teilen des Landes dort eingefunden, kennengelernt und auf diesem unschönen Pflaster kurzerhand Deutschlands coolste und beste Classic-Rock-Truppe entstehen lassen. Scheint also doch noch für was gut zu sein, diese zum schlechten Witz verkommene Hipster-Hochburg. Ihr neues Album haben Kadavar dann auch tatsächlich „Berlin“ genannt, um die Stadt immerhin mal für das zu würdigen, was sie richtig gemacht hat: Uns diese Band zu bringen. Dass Berlin auch noch andere schöne Seiten hat, will uns jetzt Sänger Christoph „Lupus“ Lindemann näherbringen.

 

An welchem Ort in Berlin hast du dich das erste Mal so richtig wohl gefühlt?

Ich bin vor etwa zehn Jahren nach Berlin gezogen, damals nach Kreuzberg und habe zwei Jahre auf dem Mariannenplatz gelebt. Das war ganz in Ordnung, mittlerweile wohne ich aber in Neukölln und kann seit einigen Jahren sagen – das isses!

 

Wo ist Berlin am schönsten? (Oder sollten wir sagen: am wenigsten hässlich?)

Zumindest nicht da, wo ich wohne! Am schönsten finde ich Berlin auf dem Tempelhofer Flugfeld. Manchmal fahre ich dort entlang, wenn ich Brötchen holen gehe, und genieße es, dort allein meine Runden zu drehen.

 

Und wo ist Berlin am hässlichsten?

Bei mir vor der Haustür. Neukölln ist laut, dreckig, roh. Ein Topf verschiedenster Menschen und Geschichten, der natürlich interessant, aber eben auch teilweise schwierig.

 

Welche Bar sollte man besser meiden?

Das White Trash. Ich habe vier Jahre lang dort gearbeitet, würde aber selbst nicht mehr hingehen.

 

 

„Es ist dreckig…“

 

 

Wo bist du am öftesten abgestürzt?

In der 8MM Bar. Gut, da hab ich auch gearbeitet, also fiel mir das relativ leicht. Der Laden ist bis heute meine Lieblingsbar!

 

Wo kannst du anschreiben lassen?

Natürlich in der 8MM Bar – und in der Bierbaroness. Den Laden leitet eine Freundin von mir, absolut empfehlenswert!

 

Bester Platz für Konzerte?

Das West Germany finde ich immer noch am coolsten. Es ist dreckig, hat keine Laufkundschaft und schafft trotz schlechtem Sound eine tolle Atmosphäre.

 

Euer erster Auftritt in Berlin?

Im Cortina Bob an einem Sonntagnachmittag um fünf. Diesen Auftritt werde ich als einen der schlimmsten Momente meines Lebens in Erinnerung behalten, weil wirklich alles schiefgegangen ist. Kein Tag, an den ich mich gern erinnere.

 

 

„…schlechtes Wetter…“

 

 

Wo gibt’s das beste Essen?

In MJ’s Foodshop auf der Sonnenallee. Amerikanisches Essen auf hohem Niveau, da lasse ich mich sehr oft blicken.

 

Was ist typisch Berlin?

Zu spät kommen, schlechtes Wetter, billig.

 

Was ist an dir typisch Berlin?

Ich bin noch nicht voll und ganz Berliner und bin immer noch pünktlich! Was meine Schnauze angeht, bin ich aber schon voll eingebürgert, glaube ich.

 

Was tut ein Berliner besonders gern?

Sich über andere Leute aufregen und generell über alles meckern.

 

 

 

„…wirklich schöne Friedhöfe.“

 

 

Was zeigst du Freunden, die zu Besuch sind?

Kommt darauf an, wie eng die Freunde sind. Museumsinsel oder Brandenburger Tor für die Touris, allerdings hat Berlin auch wirklich schöne Friedhöfe. Wenn mir jemand wirklich wichtig ist, schlepp ich ihn aber auch schon mal zum Teufelsberg.

 

Warum liebst du Berlin?

Die Stadt langweilt mich nie, hält mich immer in Bewegung und lässt mich dauerhaft auf Achse sein. Diese Energie, diese Kreativität machen es für mich aus.