Nimm einem Mann seine Würde, und ihm bleibt seine Stammkneipe. Nimm einem Mann seine Stammkneipe, und ihm bleibt nichts. Glück für Stuttgarts Punk-Trio Schmutzki, dass sich ihre Stammkneipe bester Gesundheit erfreut, ihnen noch nie Hausverbot erteilt und sogar den ersten Auftritt in Stuttgart überhaupt ermöglicht hat. Das Kap Tormentoso und Schmutzki, eine Liebe fürs Leben. Wenn der Dreier mit seinem Album „Bäm!“ also den erwarteten Sprung macht und in ein paar Jahren für Stuttgart das ist, was Kraftklub für Chemnitz sind, wird an der Theke des Kap Tormentoso vielleicht eine kleine Plakette für die durstigen Punkrocker prangen. Bis es soweit ist, haben wir uns mit zwei von ihnen im Kap getroffen, ein Bier nach dem anderen geleert, eine Zigarette nach der anderen geraucht und über Stuttgart gesprochen. Knallharte Vor-Ort-Action, Baby!

 

Was ist so richtig scheiße an Stuttgart?

Beat: „Die ganze Gegend rund um das Milaneo-Einkaufszentrum. Das und zu viele Autos.“

Flo: „Stuttgart bildet sich ein, zur Weltstadt zu werden, indem es ganz viele eckige Gebäude baut, in denen sich dann gut verdienende Leute aufhalten können. Die Stadt erkennt nicht, dass neben Bauen und Kommerz auch noch andere wichtige Dinge gibt.“

 

Warum lebt Ihr dennoch gern hier?

Beat: „Stuttgart ist schön unaufgeregt, einen Coolness-Zwang wie in Hamburg oder Berlin gibt es hier nicht.“

Flo: „Für mich ist das Kap Tormentoso, wo wir ja auch gerade trinken, das Sinnbild dieser Stadt. Das war vor fünf oder sechs Jahren die erste Bar, in die ich hier reingelaufen bin, und das ist bis heute die Bar, in die ich am liebsten gehe. Im Prinzip kommen hier alle zusammen, die Bock auf ein Bier haben, egal aus welcher Szene. Hier kann man so sein, wie man will.“

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Hier fühlen sich Schmutzki ganz arg wohl. Wir glauben es liegt am Bier!

 

Welches Stuttgart-Klischee ist vollkommen wahr?

Flo: „Es geht hier schon sehr akkurat zu. Die Leute hier sind zielstrebig, gut organisiert und pünktlich. Das kann zwar manchmal nerven, ist aber auch eine Stärke dieser Stadt.“

 

Kann man hier gut Rockstar sein?

Flo: „Die Szenen hier sind überschaubar, es gibt weder besonders viele Bands, noch besonders viele Clubs. Wenn man also mal einen Sprung macht, hat man den Vorteil, dass man nicht so viel Konkurrenz hat und dass die ganze Stadt stolz auf einen ist.“

 

Stuttgart ist nicht gerade die angesagteste Großstadt. Fluch oder Segen?

Beat: „Eher ein Segen, denn genau deswegen ist die Stadt ja so unaufgeregt. Niemand muss irgendeinem Trend hinterherhecheln.“

Flo: „Zumal jeder Trend sowieso längst durch ist, bis er in Stuttgart ankommt. Man könnte also meinen, die Stadt sei nicht inspirierend, doch für mich ist es das Gegenteil: Als Band sind wir hier eher für uns, können in aller Ruhe schreiben und arbeiten. Das ist in Berlin schwieriger, da muss jeder der Krasseste oder der Verrückteste sein.“

 

Wo kann man am besten trinken, um zu vergessen?

Flo: „Im Kap Tormentoso!“

Beat: „Auf jeden Fall!“

Flo: „Eine meiner Standardbeschäftigungen ist es, ein- bis zweimal pro Woche allein ins Kap gehen, zwei bis drei Cuba Libre trinken, bis ich schön angesoffen bin, dann als Lonesome Cowboy an der Bar sitzen, nach Hause gehen, am nächsten Morgen mit Kater aufstehen und einen Song schreiben.“

 

Wo seid Ihr am öftesten abgestürzt?

Beat: „Früher war das das Dreieck aus Proberaum am Marienplatz im Stuttgarter Süden, dann Zwölfzehn, dann Keller Klub.“

Flo: „Darüber wurden auch einige Songs geschrieben.“

 

Wo dürft Ihr Euch nicht mehr blicken lassen?

Beat: „Nirgends… äh, also überall eigentlich. So wild war es dann doch nie.“

Flo: „Ich bin so der Typ, der bei den Türstehern bekannt ist, weil er nach acht Bier so richtig scheiße aussieht. Da wird es dann manchmal schon schwierig.“

 

Wie meidet man am besten den Cannstatter Wasen?

Flo: „Ach, das kümmert mich alles nicht. Für mich ist das nix, aber sollen sie doch machen. Es gibt auf jeden Fall Schlimmeres, über das man sich aufregen kann.“

Beat: „Ich hab schon mal auf dem Tisch getanzt. Nach einer Maß zu viel war das dann irgendwie auch ganz witzig.“

Flo: „Den Beat kannst du aber auch überall hinstecken.“

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Hinten links. Neben dem Besoffenen und der Tussi im Dirndl tanzt er, der Beat von Schmutzki.

 

Stuttgart liegt ja in einem Kessel. Von wo guckt Ihr am liebsten auf die Stadt runter?

Beat: „Von der Karlshöhe. Ich hab lange dort im Biergarten gearbeitet und finde es richtig schick dort.“

 

Wo war euer erstes Konzert in Stuttgart?

Beat: „Mit Schmutzki war es hier, im Kap. So schließt sich der Kreis.“

 

Und finally: Wo warten die heißesten Ladys?

Beat: „Wahrscheinlich in den Läden, in denen wir uns nicht so häufig aufhalten.“

 

Kann sich alles ändern, wenn der Erfolg erst mal da ist, Boys. Mal schauen, was der 5.6. bringt. Dann erscheint mit „Bäm!“ das erste Album von Schmutzki. Dass die Stuttgarter die besseren Kraftklub sind, wird dann nicht länger ein Geheimnis bleiben. Dass sie live auch nicht gerade lahm sind, auch.

Bild „Wasen“: Thomas_Niedermueller /// Bild „Bar“: Facebook / Kap Tormentoso

 
 
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