Kendrick-Lamar-To-Pimp-A-Butterfly-Review-Igitt-Baby

[dropcap size=big]H[/dropcap]eute fand also diese ach so tolle Sonnenfinsternis statt und alle Welt stand sich, die Augen zusammenkneifend, die Beine in den Bauch und arbeite an ihrem schwindenden Augenlicht? Ein Glück ist mir ein besonders schöner Schmetterling auf den Schreibtisch geflattert und hat mich davon abgehalten, mir Augenfältchen und Verbrennungen auf der Netzhaut zu holen. Kopfnickend im heimischen Ohrensessel zu lümmeln und Musikgeschichte in Reinform durch die eigenen Gehörgänge zu pusten ist eindeutig mehr nach meinem Geschmack.

Wirft man ganz unbedarft einen Blick auf die Tracklist von To Pimp A Butterfly fällt sofort auf, dass Features nicht allzu häufig vorkommen. Dieser Eindruck bestätigt sich beim Hören. Die wenigen Features – wie zum Beispiel auf „Institutionalized“ – sind eher kurzgehalten und liefern maximal zusätzliche Vocals und Beigaben. Und das obwohl sie, wie in diesem Fall, von Snoop Dogg höchstselbst stammen. Dürfen wir uns demnach bei „Butterfly“ auf endlose Monologe und triefende Hymnen, komponiert mit einer Prise Gangsta-Gehabe und ganz viel Eigenlob des Hauptdarstellers freuen, wie das beim Namensvetter „Pimp My Ride“ immer der Fall war (nur dass es sich dort eben um den dauergrinsenden Cornrow-Kobold „X to da Z“ handelte und nicht um den „little nigga that was 5-foot-something“)? Mitnichten!
Die Scheiße verändert sich nicht, wenn du nicht aufstehst und dir den Arsch wäschst!

Scheisse Gif
Ey Junge, das gehört mir!

 

Netter Hintern. Bekommt man den auch hoch?

Was uns K-Dots Großmutter damit wohl sagen möchte, ist, dass man seinen Arsch hochkriegen und etwas bewegen muss, wenn man möchte, dass sich irgendwas ändert. Ein Glück hat der kleine Kendrick damals im Bälleparadies ganz genau zugehört, was seine Nana von sich gegeben hat, denn sei neuestes Werk klingt – trotz der schon angesprochenen geringen Anzahl von Features – sehr vielschichtig. Als wäre es mit schier endlos vielen verschiedenen Stimmen gesungen, gerappt, gelallt, gesprochen und vor Wut geschrien. Passend zu dieser stimmlichen Artenvielfalt variiert auch der Sound der Langspielplatte quasi von Track zu Track. Stereotypische Hip-Hop-Tracks – wie sie auf die Vorgänger des Tonträgers gepasst hätten – findet man auf „TPAB“ so gut wie gar nicht. Mal abgesehen von „Hood Politics“ möglicherweise. Das Album bietet vielmehr eine große Menge Funk verschiedenster Varianten, phasenweise klingt es tatsächlich, als hätte ein komplettes Jazz-Orchester dafür im Tonstudio Schichten gestempelt.

Cleaning Gif
Kendrick ermuntern uns alle, bessere Menschen zu werden!

 

Den hat nicht Ashton Kutcher erfunden, Du Idiot!

„Als Schmetterlingseffekt bezeichnet man den Effekt, dass in komplexen, nichtlinearen…“ – den Scheiß versteht doch eh kein Mensch. Wir verstehen darunter vor allem das Phänomen, dass ein einziger Flügelschlag dieses wunderschönen, kleinen und schillernden Schmetterlings dazu führen kann, dass das gesamte Musik-Biz der Welt eine Riesenwelle macht. Will meinen, dass dieser Sound Wellenschläge rund um den Globus senden und somit einen Meilenstein setzen könnte, der trotz seiner recht düsteren Grundstimmung garantiert zu Kopfnicken und anerkennendem Grinsen führt.

Ich frage euch also: „When shit hits the fan, is you still a fan?“ Meine Antwort ist ganz klar: Kendrick Lamar dürfte sogar wie wildgeworden mit seinem eigenen Kot um sich werfen und ich würde ihn immer noch derbe abfeiern!