Über 30 Jahre ist es her, dass Herbert Grönemeyer seine Nummer „Männer“ veröffentlichte. Im Radio quält man uns bis heute damit, ein Großteil der Hörer hat die Botschaft der Nummer trotzdem noch nicht verstanden. Obwohl er selbst keine Schönheit war oder ist, hat Grönemeyer wenigstens mal auf den Punkt gebracht, wie lächerlich Klischees, Macho-Gebahren, Testosteron-Gespritze oder Alphamännchen-Drang sind. Klar, in jeder Muckibude da draußen ist das noch nicht angekommen, da zählen nur Kollegahs entsetzlich dumme Reime zum Thema Bizeps. Aber was tun, wenn jedes Wort, das sich auf Bizeps reimt, gereimt ist?

 

Jeder, der IgittBaby kennt, weiß, dass wir es mit politischer Korrektheit ebenso wenig genau nehmen wie mit Sexismus, Hitlerwitzen oder Respekt allen anderen gegenüber. Manchmal müssen jedoch auch wir einschreiten. Nicht weil wir uns selbst aus allem ausnehmen. Aber eben genau weil wir selbst mittendrin stecken. Also, Vorhang auf für die These der Woche: Hässliche Männer haben es in der Musik leichter als hässliche Frauen.

Wochenlange Recherchen mit einem eingeschworenen Team haben ergeben, dass kaum eine hässliche Frau gleichzeitig eine erfolgreiche Musikerin ist. Doro haben wir schon ausgeschlossen, die ist einfach nur alt, und Courtney Love sieht eben so aus, wie man als drogenabhängige Mutter und Ex von ’nem depressiven Selbstmörder eben so aussieht. Aber sonst… nichts! Und fangt jetzt nicht mit Beth Gibbons an, die Tante ist immer noch heißer als alles, was jemals Teil einer Casting-Show war!

Alt, älter, Doro...
Alt, älter, Doro…

Boah, sind die hässlich!

Auf der anderen Seite hingegen ist das ganz anders. Kraftklub-Sänger Felix Brummer sieht so aus, als hätte er sich früher einer Frau nie näher als 10 Meter nähern dürfen, wenn er einen akuten Schreikrampf verhindern wollte, Ozzy Osbourne würde man schon seit Jahrzehnten nicht mehr auf die Bühne lassen, wenn er eine Frau wäre und den Grafen von Unheilig hätte man eh nie aus der Grufti-Disse lassen dürfen. Der Blink-182-Drummer Travis Barker sieht aus wie aus einer Suchtklink für Arme entflohen, Cro weiß wohl selbst am besten, weshalb er eine Maske trägt und Lil Wayne will man eigentlich gar nicht ansehen. Rapper Pitbull sieht aus wie der schwule Bösewicht aus einem Bollywood-Streifen der Achtziger.

 

Liebling mit dem Holzgebiss

Noch schlimmer ist Shane Macgowan von den Pouges, der noch nie in seinem Leben beim Zahnarzt war. Skrillex sieht aus wie ein Mädchen mit Hautproblemen und auch Radioheads Thom Yorke sieht aus wie ein schlecht gelaunter Obdachloser. Stars mit Model-Freundinnen sind sie alle. Müssen richtig dolle innere Werte haben, diese Typen. Und wenn es nur das Scheckheft im Revers ist.

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Tanz ab, Thom Yorke!

Madonna hingegen muss sich (auch von uns, wie wir gern zugeben) seit Jahren anhören, dass sie es langsam mal lassen sollte mit dem ganzen Jugendwahn. Das ist immer noch richtig, zweifellos, aber eben nur ein Teil der Wahrheit. Vielen Männern hätte man diesen Rat schon viel früher geben müssen. Und dennoch kommen sie einfacher damit durch als Frauen. In gewisser Weise ist die konstruierte, oberflächliche und seelenlose Pop-Musik damit sogar noch fairer und ausgeglichener als das weite Feld von Indie, Alternative und Rock. Hier geht es nur ums Aussehen und um die Figur, Männlein oder Weiblein macht da keine Ausnahme. Natürlich gibt es auch viele angehimmelte Männer in Rock-Bands, schon klar, darum geht’s ja hier auch gar nicht.

 

Schhluß mit den Supermodels

 

Die Prämisse lautet einfach, dass auch dir kaum eine Rock-Band einfallen wird, in der echt hässliche Weiber spielen. Weil sie damit nicht durchkommen würden und höchstens bei einer Charity-Veranstaltung für Blinde auftreten dürften. Natürlich schaue auch ich mir lieber hübsche Damen aus der Bühne an als eine weibliche Variante von Gene Simmons.

Fair ist das deswegen noch lange nicht, hässliche Männer müssen nämlich echt auch nicht sein. Es ist also nicht zu viel verlangt, dass sich Männer ein wenig mehr anstrengen und weniger gehenlassen. Sonst ists nach dem Karriere-Aus ganz schnell vorbei mit den Supermodels.