Es gibt Dinge, die fanden wir vor 15 Jahren alle ziemlich cool, neu, witzig und unverzichtbar, heute allerdings überflüssig, lahm, hässlich und unbrauchbar. Ganz vorn dabei in dieser Liste: Stefan Raab, dieser gestürzte TV-Titan, der seit Jahren ohne einen Funken Esprit oder Engagement auf der Mattscheibe vor sich hinfault, Gäste vergrätzt und das Umschalten leichter macht als diese eine Helene-Fischer-Werbung. Raabs Rückzug kam Jahre zu spät, aber er kam immerhin. Andere Typen oder Formate haben noch immer nicht gemerkt, dass ihre Zeit längst vorbei ist.

Popstars“ zum Beispiel. Seit 2000 am Start, mit den ersten Gewinnern No Angels tatsächlich eine kleine Sensation erzielt, seither aber eine immer gleiche Abfolge an dämlichen Possen, noch dämlicheren Kandidaten und dem dämlichsten von allen, Nervbacke vom Dienst Detlef D! Soost. Jahr für Jahr dasselbe Elend, da schaltete man doch eher auf diesen einen Kanal, der Chemie erklärt oder die schönsten Bahnstrecken Südsachsens zeigt. Alles, bloß nicht diese von allzu viel Koks weit aufgerissenen Augen des Motivationshitlers Soost mitsamt seiner armseligen, talentfreien Jurybande aus hochgradig verschuldeten und vertraglich geknebelten Opfern der sogenannten Unterhaltungsindustrie.

Der Osten ist toll, die DDR will trotzdem niemand mehr!

Zunächst sah es danach aus, als würde die Gerechtigkeit siegen: Sinkende Quoten, schwindendes Interesse – man konnte beinahe hoffen, dass sich das menschenverachtende Format der Castingshow auf gleiche Weise abschafft wie es ähnliche Ideen vom Apple Sneaker über die DDR bis wieder zurück zu Stefan Raab davor getan haben. Denkste!

Seit 2013 steckt die Firma Brainpool hinter „Popstars“, und die brauchen seit Raabs medialem Freitod so dringend ein Hit wie Till Schweiger seine nächste Flüchtlingsdebatte oder Freital seine nächste Ladung Flüchtlinge.

 

Echt jetzt: Detlev, komm‘ zurück!

Großspurig verkünden sie, zurück zu den Wurzeln der Sendung zu gehen. Das stimmt insofern, als dass die Jury nicht ausdrucksloser hätte besetzt werden können. Berufslangweilerin Stefanie Heinzmann sorgt diesmal redend statt singend für Narkolepsie, Miss Platnum beleidigt nicht nur optisch, sondern auch mit ihren völlig nutzlosen und vorher einstudierten Kommentaren. Und dann gibt es da noch irgendeine Profitänzerin namens Bella Garcia, die sich vielleicht bewegen, aber auf gar keinen Fall beraten kann. Und Detlef, tja, der Detlef fehlt.

Doof bleibt doof, bleibt…Rate mal!

Was bleibt, ist die grenzenlose Dummheit der 16- bis 27-jährigen Teilnehmer, die allen Ernstes davon ausgehen, von RTLII zum Popstar gemacht zu werden. Und die wird nicht mal in rufschädigenden Clips allzu unfähiger Auditions ausgeschlachtet. Komm schon, RTLII, das kannst du besser. Dass dieser Sender auf einmal auf so etwas wie Menschenrechte Wert legt und seine Kandidaten nicht derart zur Schau stellt wie ein Stück Vieh, dass sie danach mindestens Bulimie oder Depressionen bekommen, ist ja fast so, als würde der IS urplötzlich damit aufhören, Hetzjagden auf Ungläubige zu veranstalten.

 

Och, büdde…

Wenn ihr also das nächste Mal wirklich etwas Neues macht, dann versucht euch doch mal an so was wie „Deutschland sucht den nächsten Diktator“ oder ein Big-Brother-Special, in dem Freitals Bürger mit Flüchtlingen in einen Container gesperrt werden.