Highasakite waren mal erfrischend, mutig und anziehend. Waren mal. Mit „Camp Echo“ liefern sie jetzt eine furchtbar anstrengende Platte ab, die mit übertriebener Synthetik in seichtestem Gewässer fischt. Inhaltlich wird es natürlich politisch anmutend und gefühlt nah am Tagesgeschehen: Globale Krisen als Thema in elektronisch verzerrtem Indie-Pop? Dazu gehört aber mehr, als repetitive Texte zu Krieg, Klimaerwärmung und Unglauben runterzubeten.

 

Popakademie statt Straße

Wo sind die kleinen einnehmenden Hymnen à la „Since Last Wednesday“ hin? Wo ist die Tiefe abgeblieben, die sie seit ihrer Gründung vor gerade mal vier Jahren für sich und ihren oft so verschwenderischen arrangierten Indie-Folk beanspruchten?

Das wird man ja noch fragen dürfen. Irgendwie nimmt die inzwischen dritte LP der Norweger eine so neuwertige, aber in kaum einer Weise hochwertige Form an, die bei den studierten Musikern fast schon auf Absicht schließen lassen könnte.

Der Beginn „My Name Is A Liar“ beispielsweise überspannt schon gesanglich die Hörmuskulatur eines durchschnittlichen Musikkonsumenten. Hinter Ingrid Helene Håvik wackeln dazu noch eintönig wummernde Drums und abgehackte Synthies in ein oberflächliches Gesamtkonzept, das besser in das Schaufenster einer überteuerten und generischen Hipster-Boutique passt, als an die weltpolitisch mahnende Front. Ähnlich verhält es sich mit „Samourai Swords“, das in dramatischer Hinsicht höchstens in Sachen Gesang punkten kann.

 

Wieso all die Euphorie?

Das bereits vorab veröffentlichte „Someone Who’ll Get It“ ist eine wuchtige Ballade im Vierviertel-Takt, beherrscht vom bedrohlichen Klang von Håviks verzerrter Stimme. Die pulsierenden Beats zur Achtziger-Attitüde in “My Mind Is A Bad Neighborhood” wirken durchdacht, aber Zeilen wie “Either you are with us or you’re with the terrorists” verwirren. Inhalt und Verpackung wollen einfach nicht harmonieren.

Die zweite Hälfte von „Camp Echo“ gestaltet sich keinesfalls erlebbarer. Immer wieder wird es zu hektisch, zu synthetisch, zu meta. „God Don’t Leave Me“ wartet mit einem mehrstimmigen Kanon auf, gefällt aber wenigstens mit punktuiertem Synthieeinsatz zu glasklarer Stimme. „God if you’re watching, there are no more happy days“, lautet es in „Golden Ticket“. Und es knallt schon wieder nur so vor lauter Upbeat und Übereuphorisierung im Eurodance-Style.

Steak
…Möchte damit nicht in Verbindung gebracht werden. Adios, Ihr Trottel!

Nicht roh, nicht durch

Am Ende von „Camp Echo“ steht man vor den Trümmern eines erhofften Hörvergnügens. Das dritte Album von Highasakite ist so halbgar, wie die ideale Definition des seelenlosen Genrehybriden Electro-Indie-Pop. Das ist nämlich genau das, was zum Schluss übrig bleibt. Keine Message, keine Kritik, kein Stil. Nur stotternde Versuche eines Verbindungsaufbaus zwischen oberflächlichem Stil und inneren Werten.

Überzeugt auf keiner Linie!