Ludacris-Ludaversal-Review

[dropcap size=big]L[/dropcap]udacris hat Ludaversal in den Startlöchern? Junge, wasch labersch du? Für Aprilscherze ist es noch zu früh! Zweifelsohne ist Luda einer der größten Rapper unserer Zeit und blickt auf eine fast beispiellose Karriere zurück – dennoch muss die Frage gestattet sein: Interessiert mich Ludacris überhaupt noch? Ist Vorfreude wirklich die schönste Freude und der Spannungsbogen tatsächlich aus so biegsamem Holz, dass fünf Jahre Wartezeit verzeihlich sind?

Mit „I’m just gonna get right to it!“ beginnt der King of Dirty South sein neuestes Machwerk sehr vielversprechend – auch wenn uns als erstes die Worte „Na, wird auch Zeit!“ durch den Kopf schießen – und schickt sofort ein mächtiges Stakkato-Kreuzfeuer von gespitteten Reimen hinterher. Der geneigte Zuhörer mag hier schon wieder den ikonischen Afro vor Augen und die Game-Changer aus der „2 Fast 2 Furious“-Zeit in den Ohren haben, doch als überzeugter Schlechtwetternörgler sitzt weiterhin mein innerer deutscher Abziehbild-Rentner auf meiner Schulter, tickt mahnend mit dem Fingernagel des Zeigefingers auf seine Taschenuhr und weist darauf hin, dass Zeit bekanntlich Geld sei und man ja schließlich auch nicht jünger werde.

 

Always keep an eye open like Forrest Whitaker”

Every relationship failed to take a toll on you / especially when you had hoes and area codes on you”

Bei solchen Lines wird dann doch jedem noch so grummeligen und eingefleischten „Früher war alles besser“-Mahner mindestens ein Auge wässrig und die spitzbubenhafte Art zu rappen, gepaart mit Verweisen auf Bomben aus alten Zeiten, verwandeln wohl fast jedes Rückgrat zu glibberigem Waldmeister-Wackelpudding, ABER…
Ludacris

 

Du hast mich zutiefst verletzt, du Luder!

Ludacris‘ „Schatz, schau doch mal, der Welpe hat direkt ins Bett gekackt. Das „Wie süß!“-Potential ist beachtlich groß und vieles würde ich ihm mit einem „Komm her, du kleiner Schlingel!“-Zwinkern vergeben, aber eine Todsünde wie „Baby“ und das dazugehörige todbringende Bieber-Fieber mitverschuldet zu haben, ist eine klare Verbannung auf die stille Treppe wert. Na klar, Justin ist super bekannt und räumt so ziemlich alles ab, was es momentan zu gewinnen gibt, aber muss man ihm deswegen gleich hechelnd den Milchbart bürsten?
Scheiß auf weise Voraussicht und das Abreiten der Hype-Welle! Um darüber hinwegzutrösten, reichen nicht mal Bretter vom Kaliber „Money“, „Good Lovin“ oder dem „Viagra Skit“ – wobei dieser das wohl witzigste Element auf Ludaversal ist.

 

Früher war eben doch alles besser. Und nach fünf Jahren darf man zweifellos mehr als ziemlich durchschnittlichen Hip-Hop-Clubsound und eine Handvoll Songs von wahrem Luda-Kaliber erwarten!