Gibt es im Hause Chimperator eigentlich Kehrwoche? Musikalisch sind die schwäbischen Hinterhof-Hitmacher nämlich illustre Vorzeige-Spießer durch und durch: jeder machts so wie jeder und anders gibts nicht. So wie jeder meint natürlich Cro und anders wären dann wohl alle anderen… Bis auf einen, den aber keiner kennt. Unwissenheit ist kein Segen.

Maeckes, wer? Spielt der nicht bei den Orsons? Wie meinst Du, der hat schon mehrere Alben veröffentlicht? Und der klingt ganz bestimmt nicht wie Cro, SAM oder eben all die anderen „Kessel-Äffchen“? Fragen beantwortet Maeckes auf seinem neuen Album „Tilt“ nicht. Dafür wirft er neue auf. Zum Beispiel: warum zum Teufel erst jetzt?

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Gibs mir, Maecki!

Haste Wasser, ich muss Deutschrap

Warum mussten wir uns durch dieses Jammertal namens Deutschrap schleppen? Und wieso ist Maeckes auf einmal einer der talentiertesten Lyriker im Game? Die Szene des Landes wirft der Schwabe mit Tilt nämlich ohne jede Frage einfach über den Haufen. Und treibt songwriterische Experimente bis ins Extreme.

Ob nun im Opener Der Misserfolg Gibt Mir Unrecht, der mit feuchten Augen an die frühe Kunst eines Caspers im gitarrenlastigen Raprock erinnert, mit Genre und Rhythmen spielenden Selbstreflektionen wie Inneres/Aeusseres oder in traurig-melancholischen Schmachtfetzen wie Kreuz, Maeckes packt seine Hörer stets am Schlafittchen und stellt sie in die Ecke der Erkenntnis… Um sie dort mit lyrischem Wahnwitz in den Wahnsinn zu treiben.

 

Verdammt nochmal anders

Tilt ist kein typisch deutscher Hip-Hop. Es ist eine neue Evolutionsstufe. Eine Weiterentwicklung. In die vielleicht richtige Richtung: wer Kult-Komiker Josef Hader in Kino featured, anstatt pumpender Beats sein Glück lieber in die Händer ambienter fast schon flächiger Soundteppiche legt, der hat verstanden, dass nationaler Rap diese Metamorphose dringend benötigt.

Inbesondere sprachlich geht Maeckes tiefer als all seine Genre-Kollegen. Von oberflächlichem Phrasengekloppe a la Alles oder Nix oder Selfmade fehlt jede Spur, von lyrischen Blödeleien seiner Band Orsons lässt Maeckes bewusst ab. Viel mehr zerbrechlich, authentisch und auch selbstkritisch gibt sich der Schabe auf diesem fantastischen Album. Und beweist: die persönliche Selbstzerlegung der eigenen Lebenswelt ist immer noch das beste Mittel ist, um wahre Kunst zu zelebrieren. Seien es nun nebulöse Aufarbeitungen der Kindheit oder schmerzend-ehrliche Analysen der zerbrochenen Beziehung.

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Einfach mal machen…

Steig ein, Ficki!

Maeckes ist eine neue Generation Rapper. Einer, der einfach einsteigt und loslegt. Ohne nachzudenken. Ein bisschen wie auf dem Straßenstrich eben. Einer, der jung ist, aber auch sehr erfahren. Auch wie auf dem Straßenstrich.

Da stellt sich eigentlich nur noch die Frage: was suchen talentierte frische Dinger wie Maeckes in solch einem Edelpuff wie Chimperator? Auf der Straße machen sich Künstler wie er nämlich immer noch am besten. Da werden echte Stars geboren. Und das ist Maeckes. Für nen‘ Fuffi, bitte!