Marsimoto_Ring_der_Nibelungen_Review

Kiffen ist mittlerweile als Song- oder Album-Thema so durch wie Burger-Pattys bei McDonalds. Verbrannte Kräuter, vor allem im Rap. Eigentlich. Kiffen ist schon lang nicht mehr der pubertäre Hebel zu Provokation und Abgrenzung. Vor allem im Rap. Eigentlich. Über Maskenmänner im Sprechgesang muss man erst recht kein Wort verlieren, inflationär wird sich hier nicht nur hinter Images versteckt. Eigentlich auch völlig belanglos und langweilend. Und dann kommt dieser Marsi wieder daher und wirft alles über den Haufen. Aus den Boxen grollt und wummert es düster heran, süßlicher Duft in der Nase, grüne Nebelschwaden steigen empor, lassen es aussehen, als ob du auf Weedwolken wandelst.

Marsimoto hat es wieder geschafft. „Meisterwerk“ lautet einer der 14 Anspielpunkte. Das darf für die gesamte Platte verallgemeinert werden. Auch wenn Verallgemeinerungen immer scheiße sind. Und steigern ist bei ihm wohl nicht nur bei Adjektiven und dem Konsum formschöner Spliffs Daily Business, sondern auch in Bezug auf die Qualität seiner Alben. Da ist einer, der weiß, wovon er rappt. Generell rappen Rapper gerne übers kiffen. Ausgiebig wird das Thema seit Jahrzehnten breit [höhö] getreten. Marsimoto dreht den Spieß beziehungsweise die Sportzigarette um, man hat den Eindruck, er kifft übers Rappen.

 

Weed
Bitte gib uns mehr von dem heißen Scheiß!

 

Zecken raus? Wirklich?

Er beherrscht ihn bis zur absoluten Vollendung, den Vibe, den das Kiffen mit sich bringt, in Songs zu packen und eben nicht nur platt und eintönig zu erzählen, wie er sich zur Besinnungslosigkeit raucht. Wer kann hierzulande sonst bitte Dinger wie „Zecken raus“ schreiben? Genau: keiner. Das ist Kunst, das sind Storys, die zwischen Albernheit und Ernsthaftigkeit schwanken und genau dadurch die Gegensätzlichkeit des Lebens auf den Punkt bringen. Ideologisch minderbemittelte sind in Axel-Springer-Stiefeln unterwegs. So ist das nämlich.

Einige der Tracks schwubbern so wundervoll assoziativ daher, dass man direkt gefangen und vollkommen fasziniert ist, wenn man nur ein klitzekleines Quäntchen Sprachverständnis besitzt. Dazu zählt ganz klar „Meisterwerk“:

 

Ich mal dir dieses Meisterwerk /
wenn alles nur so einfach wär.

 

Tja, wenn es bei allen Rappern so rüberkäme, als schüttelten sie ihre Lyrics locker aus dem Hoodie… aber da gibt es nur einige wenige, die dazu in der Lage sind. Marsi ist ganz vorne dabei. Flow ist bei ihm nicht nur leere Worthülse, mit der man sich brüstet, sondern Programm.

Absolutes High-light auf jeden Fall: “Back to Green”. Allein schon diese Beat-Hommage mit dem massiven Chor-Sample an die zu Unrecht in Vergessenheit geratenen Deltron 3030. Da wird’s einem ganz warm ums Hip Hop Herz. Apokalyptisch kryptisch die Szenerie, die einem nicht Angst, sondern fast schon Hoffnung macht:

 

Wir gehen zurück /
Weil diese Welt uns nicht verdient. /
Zerstören alle Maschinen. /
Sie können uns nicht kontrollieren. /
Back To Green.

Delfin Kiffen
Eine Platte für Jederman…Ähm…

Der Häuptling der Marsianer nimmt den großen Schritt zurück und landet in der Zukunft. So was nennt man Entertainment mit Substanz.

Wer es bis jetzt noch nicht bemerkt haben sollte: Cannabis-Konsum ist Mainstream. Das ist spürbar an allen Ecken, in jedem Park, Club und Altersheim. Da muss man Umdenken, um noch herauszustechen aus der Masse der latent Betäubten. Manche machen es wie A$AP Rocky, betrügen ihre langjährige Soulmate Mary Jane dreist mit kunterbunt glitzernden und aufgebretzelten Szene-Girlz wie LSD. Marsi hingegen gibt nicht so schnell auf, sein Herz schlägt grün, diese Liebe ist forever, es wird loyal gekämpft, also bitte ihr Entscheidungsträger da draußen: Illegalize it! Make it exclusive again!

Ich roll mir jetzt erst mal wieder einen und halte ein Pläuschchen mit dem aufrechten Herrn Wachtmeister hier am Corner im dicken B. Zustände sind das…