Zwischen fettigem „Schäufele“, fettigem Back-Karpfen oder fettigen Rostbratwürsten, die Nürnberg wohl erst den fetten Namen gegeben haben (oder war es andersrum?), wird man entweder richtig dolle fett… Oder eben ein fetter Songwriter wie „Me and Reas„-Frontmann Andreas , der in Babys „Mein Block“ von seiner echt fetten Stadt erzählt. Voll fett, Andi!

 

Eier auf den Tisch: Was ist so richtig kacke an Nürnberg?

„Die Außenwahrnehmung (Andreas schmunzelt). Nürnberg ist gar nicht mal soo klein, aber wird vom Rest Deutschlands – zumindest gefühlt – einfach gar nicht wahrgenommen. Vielleicht ist’s also die Nähe zu München und Frankfurt, die so richtig kacke ist an Nürnberg.“

 

Und was ist richtig geil?

„Nürnberg ist in diversen total seriösen Lebensqualität-Rankings regelmäßig ziemlich weit oben gelandet. Das ist schon echt richtig geil. Nee, im Ernst. Auch wenn solche Rankings zumeist Unsinn sprechen, ein bisschen was Wahres ist schon dran. Man hat hier eben die ausladenden Vorteile einer Metropole, gepaart mit den einladenden Vorteilen einer Kleinstadt. Vielleicht ist es ja genau das fehlende Image, das die Mietpreise unten hält?“

Der mag diese Stadt, dieser Andi.

 

Welches Klischee über die „Franken“ stimmt einfach?

„‚Bassd scho‘ ist tatsächlich ein sehr hoch anzusiedelndes Kompliment.“

 

 

„… Der hässliche, kleine Bruder von Rock am Ring.“

 

 

So rein musikalisch, wie hat Dich das Aufwachsen in Nürnberg und Franken beeinflusst?

„Ich bin tatsächlich nicht in Nürnberg, sondern eher neben Nürnberg aufgewachsen. Um genau zu sein sogar im Fürther Land. Und dort ist musikalisch eigentlich echt verdammt wenig passiert, mal abgesehen von den typischen Provinz-Jugendhaus-Konzerten. In die habe ich mich aber damals schwer verliebt, auch wenn sie natürlich nur in meiner romantischen Erinnerung zu großen Shows verklärt werden. Waren bestimmt total daneben und furchtbar. Trotzdem hat mich diese Zeit als Zuhörer und dann auch irgendwann mit den ersten eigenen Bands sicherlich stark geprägt. Mit Rock im Park haben wir auch ein Riesen-Festival vor der Tür, das zwar auch typisch Nürnberg nur der hässliche kleine Bruder von Rock am Ring ist, aber eben dem kleinen 15-jährigen Andreas 2003 die Deftones, Linkin Park, Manson etc. direkt vor die Haustür gestellt hat. Das war schon eine verrückte Erfahrung.“

 

Was denkst Du: Warum ist es für einen Musiker aus Nürnberg härter im Biz zu bestehen, als für jemanden… Sagen wir aus Berlin oder Hamburg?

„‚Im Biz zu bestehen‘ impliziert ja, dass man es überhaupt ins Biz geschafft hat. Und daran scheitert es hier schon oft im Vorhinein. Ist aber vermutlich in jeder Nicht-Medienstatt ähnlich. Ich glaube aber tatsächlich, dass in Nürnberg ein besonderer Mangel an musikalischer Infrastruktur herrscht. Die wenigen Einzelkämpfer im Bereich Labels, Booking, Promo etc. machen zwar in ihrer Nische super Arbeit, aber haben eben auch begrenzte Kapazitäten. TV- und Radiosender sind eh fast ausschließlich in München und die ambitionierten Leute, gehen halt dahin, wo die sogenannte Szene sitzt. Nachdem Quelle vor einigen Jahren Insolvenz angemeldet hatte, wurde ein riesiges Areal hier in der Stadt frei und auch jahrelang sehr aktiv genutzt. Letztlich hat die Stadt aber diese Chance – vereinfacht gesprochen – nicht genutzt und das Areal an einen Investor verkauft. Labels, die dort ihr Studio hatten, mussten danach schließen, Produzenten sind nach Berlin abgehauen und Bands standen auf der Straße. Schwierig also…

 

Was vermisst Du von Nürnberg am meisten, wenn Du unterwegs bist?

„Die gefühlte Entschleunigung. In Nürnberg weiß ich grob, was wann und wo und wie passiert. Das nimmt mir das Gefühl, ich würde etwas verpassen. In Berlin oder Hamburg habe – und hätte – ich das ständig.“

 

Zeig mal Deinen Lieblingsort:

„Die Bühne im Club Stereo.“

Die da!

 

Für alle geilen Nicht-Franken: Gib mal den ultimativen Tipp für erfolgreiches Tindern in Nürnberg:

“ Ich habe tatsächlich noch nie getindert, daher bin ich wohl der Falsche. Vermutlich eine Mischung aus notorischem Understatement und charmanten Beleidigungen. Das wäre zumindest typisch fränkisch.“

 

Wohin soll Baby ein Date ausführen?

„Mhm, schwierig. Klischee-Picknick im Wiesengrund, Käffchen im Kaffe Hörna (Ja, Kaffe mit einem ‚E‘!), Feierabendbier am Wanderer, Essen bei Sushi Edo. Ginge schon was hier. Oder halt asoziales Besäufnis in der Klaragasse. Frag nach Jens Riedel!

Wenn sie diesen  meist unnüchternen und dennoch schüchternen Mann antreffen, wird ihnen geholfen: Club Stereo-Geschäftsführer J. Riedel.

 

Baby ist hungrig. Immer. Also: Welches ist Dein Lieblings-Restaurant?

„Haha, gute Frage. Mehrfacher Lebensretter an einem schlimmen Katersonntag ist die Maximiliansburg, daher bekommt der Laden den Vorzug. Ist aber nicht mehr als ein solider Grieche in absolutem Standard-Ambiente. Kalimera!“

Ja, hier beginnt das wahre Leben.

 

… Und wo lässt Du Dich am allerliebsten volllaufen, du kleines Leckermäulchen?

Club Stereo! Vordergründig wegen der Leute. Aber auch ein bisschen wegen der sich seit Jahren nicht so stark ändernden Playlist. Man weiß eben was man kriegt. Und ganz ehrlich – Mr. Brightside geht auch noch in 15 Jahren. Außerdem meinen es die Barkeeper und Barkeeperinnen immer sehr gut mit mir. Das mag ich gern. Ach ja, frag nach Jens!

Wenn sie diesen meist unnüchternen und dennoch schüchternen Mann antreffen, wird ihnen geholfen: Club Stereo-Geschäftsführer J. Riedel.

 

So… Und jetzt erzähl mal von den eher finsteren Ecken: wo sollte man Nachts besser nicht rumschleichen?

„Ich habe zwei Jahre lang in der innersten Innenstadt gewohnt und zwangsläufig öfter mal an der Stadtmauer geparkt. Die führt oder ist stellenweise „Teil“ des Puffviertels. Mir wurde dort in zwei Jahren dreimal der Außenspiegel weggetreten. Insider vermuten, es gäbe hier einen Zusammenhang. War ziemlich geil. 0/10 would not park again.“

 

Und zum Happy End will Baby wissen: Wäre Nürnberg ein Film, dann wäre es…

„… Ein erfolgloser D.I.Y-Streifen, dem zwar Potential attestiert wird, der sich aber trotzdem nicht gegen die teuer produzierte Konkurrenz durchsetzen kann. Er wird aber hier und da ein lokaler Erfolg und findet in gewissen Kreisen treue Fans. Die Fortsetzung ist bereits in Arbeit, der Durchbruch wird prophezeit. „

 

Also Tschiller: Off Duty. Bassd scho, Andi.