Ach, du warst am Wochenende in London? Lass mal hören. Oh, die Tower Bridge hast du gesehen, dir beim Changing of the Guards die Beine in den Bauch gestanden und bei Madame Tussauds ein Foto mit Harry Potter gemacht? Fucking brilliant, you moron! Ach, und schrecklich teuer war diese Stadt auch? Ja, Mensch, so ein beschränkter Marco-Polo-Tourist zu sein, ist bestimmt nicht einfach. Unser Mitleid hält sich aber in Grenzen schließlich hängen wir in London nur mit den coolen Typen rum. Wie Barbarossa zum Beispiel. Der heißt eigentlich James Mathé und hat an der Seite von Hipster-Halbgott José González Jutebeutelgeschichte mit Junips düsterem Indie Pop geschrieben. Auf seinem Solo-Album „Imager“ lässt er es elektronisch-soulig und sehr melancholisch angehen, eingefasst in den Herzschlag seines Londons. Wir Babys haben uns da mal umgesehen.

Was liebst du an London?

Diesen wilden Mix aller Kulturen und Lebensgeschichten. Hier zu leben, hat meine Augen für die Welt geöffnet.

 

Und was hasst du?

Ich hasse, wie teuer diese Stadt geworden ist. Die Machthaber haben die kulturellen Gebiete dieser Stadt nicht geschützt und ließen sie zugrunde gehen. Jetzt verlassen all die Künstler diese Gegenden und mit ihnen geht die Seele.

 

Wo genau wohnst du in London?

Bis vor kurzem wohnte ich in Shoreditch, lebe jetzt gerade jedoch mit meiner Schwiegermutter zusammen.

 

 

„…oft beim Busfahren…“

 

 

Welches London-Klischee ist wahr?

Londoner haben keinen Bock aufeinander, solange sie nicht ein paar Drinks hatten.

 

Dein ganz persönlicher Rückzugsort?

Ich liebe es, am Kanal in Hackney entlang zu spazieren.

 

Der beste Ort, um Musik zu komponieren?

Inspiration ereilt mich oft beim Busfahren.

 

„.Oder Weizenbier.“

 

East End oder West End?

East End natürlich!

 

Ale oder Lager?

Ale. Oder Weizenbier.

 

In welchem Pub trinkst du es am liebsten?

Im Royal Oak an der Columbia Road. Zieht euch deren Sunday Roast rein!

 

„…nicht Chelsea…“

 

Wo gibt’s die beste Live-Musik?

Im Lexington. Dort habe ich schon einige verdammt gute Shows gesehen und erst kürzlich selbst gespielt.

 

Deine Lieblingsfußballmannschaft?

Jede, solange es nicht Chelsea ist!

 

Wohin geht’s bei einem ersten Date?

Ich würde man sagen an die South Bank. Da ist einiges geboten.

 

„Januar bis März.“

 

Bester Plattenladen?

Rough Trade East! Großartige Auswahl und ebenso großartige In-Store-Gigs von zahlreichen Künstlern.

 

Schlimmste Jahreszeit in London?

Januar bis März. Da ist es gern recht trist und grau.

 

Underground oder Auto?

Auto! Ich liebe die Unabhängigkeit!

 

Können wir verstehen. Wer bei seiner Schwiegermutter wohnt, braucht wahrscheinlich jedes bisschen Freiheit, das er kriegen kann!