Ist ja auch döof: Össi und dann noch aus demselben Kaff kommen wie Model-Iköne Eva Padberg. Da kann’s ja eigentlich nichts werden mit der Pöpkarriere. Captain Capa aber leben nach dem Mötto „Einfach mal machen!“ und zeigen den hoffnungslösen Dörf-Böntempidudlern unseres Landes: geht schön Brudi, wenn Du es nur ganz dölle willst. Söwieso sind die Captains keine Band von Trübsal und Schwermut, sind sie döch das beste Beispiel, dass man in einem Kaff, dass durch seine Knöpf-Manufaktur berühmt gewörden ist, eine tölle Kindheit verbringen kann. Trötz döofer Touristen, Crystal Meth-Schlund und vollgesöffener Stammtisch-Faschös. Thüringer Klöße schmecken also nicht nur gut, sie sind echte Nervennahrung. Herrschaften, Captain Capa über ihr Zuhause im Östen der Republik: Bad Frankenhausen.

 

Die Frage aller Fragen vornweg: wie gern habt Ihr „Thüringer Klöße“?

Als Kind musste meine Oma mir immer Kartoffeln extra machen, wenn alle anderen Klöße auf dem Teller hatten. Inzwischen weiß ich, dass Thüringer Klöße schon sind ganz geil sind. Ich war ein dummes Kind!

 

Wo wir dabei sind: welches Klischee über die Thüringer nervt Euch denn am meisten?

Am schlimmsten ist wohl das Klischee der vielen Rassisten und Idioten – weil es stimmt, wenn wir ehrlich sind. Neben den vielen, vielen guten Leuten sitzen hier eben auch viele, viele Faschos an den Stammtischen und Tresen.

 

Wie geil ist es in Bad Frankenhausen aufzuwachsen?

Ich hatte tatsächlich eine irre gute Kindheit, was ich zu einer Hälfte wohl meiner hippiesken Familie und zur anderen der Kleinstadt zu verdanken hab. Dafür, dass man es hier in der Jugend ein bisschen schwerer hat, sich zu beschäftigen, ohne in den provinziellen Crystal Meth-Schlund zu rutschen, hat man es hier als Kind ganz gut.

 

Was dürfen wir in Bad Frankenhausen auf gar keinen Fall verpassen?

Eine Nacht in der Dorfdisco. Das ist ein Erlebnis irgendwo zwischen Totalabschuss und Zoobesuch. Sehr skurril, ein bisschen gruselig und auf jeden Fall ultra hirnlos.

 

Wo könnt Ihr Euch in Bad Frankenhausen nicht mehr blicken lassen?

Eben in der Dorfdisco, befürchte ich.

 

Wenn Euch jemand aus einem ostdeutschen 8000-Einwohner-Kaff sagen würde, dass er jetzt eine Popkarriere startet, was würdet Ihr ihm ehrlich antworten?

Einfach machen! Ich würde alleine schon dazu raten, damit sich in jenem 8000 Einwohner Kaff überhaupt mal irgendwas interessantes bewegt. Der Mangel an coolen kulturellen Angeboten ist in der ostdeutschen Provinz ja fast genauso schlimm wie der Mangel an Arbeitsplätzen oder so. Es gibt kaum coole Kinos, kaum coole Clubs, kaum coole Bands. Da ist jedes Fünkchen aufkeimende Kreativität schon ein Schritt, den man auf jeden Fall fördern sollte. Im Grunde genommen ist ja auch scheißegal, wo du her kommst, wenn du kreativ werden willst. Leg dir ’nen Soundcloud-Account an, lad deine Musik hoch und schick sie durch Welt. Fahr auf ein paar Konzerte in die nächste große Stadt und lern Leute kennen, die ähnlich ticken. Schaff dir ein eigenes Netzwerk aus coolen Leuten und sieh zu, dass du ein paar Konzerte spielst. Das geht alles, irgendwie. Man sollte nur die Erwartungen auf das ganz große Ding herunter schrauben, sonst ist das Gejammer nachher groß, wenns nicht direkt in die Charts geht.

Funny DJ
Für die Bad Frankenhausener Jugend heißt es: Wer nichts wird, wird DJ.

Wie muss man sich junge Musiker in Bad Frankenhausen vorstellen? Gibt es so etwas wie eine Szene?

Es gab hier tatsächlich mal so etwas wie eine Sturm- und Drangzeit in der überall langhaarige Rockbands und Proberäume aus dem Boden geschossen sind. Das war witzig! Während in den Kleinstädten drumherum nur Techno-DJs und Nazis ihr Unwesen trieben, war Bad Frankenhausen eine Bastion von kiffenden Langhaarigen, die Stonerrock gehört und gemacht haben. Das muss so 2000-2005 gewesen sein und war sehr, sehr lustig mit anzusehen. Inzwischen ist das aber abgeebbt. Jetzt gibt es hier hauptsächlich Coverrock-Kapellen und Nachwuchs-DJs.

 

Auf was freut Ihr Euch zu Hause am meisten, wenn Ihr von einer Tour zurückkommt?

Nach mehreren Tagen Zusammenkleben im Tourmobil das Übliche: allein sein, Katze füttern, Netflix und Ballerspiele.

Captain Capa Zuhause
Captain Capa, Zuhause in Bad Frankenhausen, nach einer langen und harten Tour.

Wer ist bei der Bad Frankenhauser Jugend beliebter: Eva Padberg oder Captain Capa?

Ich glaube, wir müssten uns noch ein paar Mal in das Programm des MDR oder in die Thüringer Allgemeine schummeln, wenn wir an Evas Provinz-Fame rankommen wollten.

 

Drei Gründe, warum Ihr stolz seid aus Bad Frankenhausen zu kommen?

Uff, stolz wäre jetzt schon übertrieben. Aber wenn man Bad Frankenhausen mit anderen Kleinstädten dieser Größenordnung vergleicht, haben wir echt Glück gehabt, hier gelandet zu sein. Verglichen mit anderen Käffern hat Frankenhausen einen angenehmen hohen Anteil von Spinnern, Hippies und Linken, die den Provinzalltag aufpeppen. Der ganze Tourie-Kram drumherum ist natürlich auch nicht ohne und wir werden ständig beneidet, weils hier so schön grün ist. Läuft.

 

Und zu guter Letzt: warum seid Ihr typische „Ossis“?

Weil zumindest 2/3 von uns immernoch wahnsinnig gerne Pfeffi trinken und damit hier und da entsetzte Blicke ernten.