Mit der Musikindustrie verhält es sich wie mit dem Männer-Knast. Immer, wenn man denkt, es geht nicht schlimmer, wird man wieder von hinten ganz doll gefi**t. Klar muss das nicht per se schlimm sein, ich für meinen Teil bin es allerdings leid, in der Dusche immer wieder meine Seife zu verlieren. Wie viel Abschaum, Pack, Idiotie und Trisomie die Charts verstopft, wissen wir alle. Wieso eigentlich rege ich mich dann immer wieder so dermaßen ungesund darüber auf, wenn irgend ein neuer Dummbeutel daherkommt und mehr Aufmerksamkeit bekommt als ein Schwarzer bei der Ku-Klux-Klan-Grillparty? Wahrscheinlich, weil ich im Herzen doch ein Optimist bin, der das alles für einen schlechten Scherz hält.

 

Ist. Es. Aber. Nicht. Einmal mehr wurde mir das beim letztjährigen Eurovision Song Contest schmerzlich bewusst. Gewinnt da doch glatt eine „Frau“ mit Bart. Natürlich wegen ihrer integren künstlerischen Leistung und ihrem kompositorischen Talent. Und nicht etwa weil, lasst mich überlegen, sie einem verfickten Bart trägt! Conchita Wurst gewinnen zu lassen, ist das Gegenstück zu einem Menschen, der heimlich die AfD wählt und seine Frau schlägt, aber auf Facebook gepostet hat, fünf Euro an Nepal gespendet zu haben. Denen fehlt es dort ja an alles, gell. Es ist der heuchlerische Versuch einer rassistischen, sexistischen, nationalistischen und anachronistischen Veranstaltung, offen und respektvoll zu wirken.

Ku-Klux-Klan Gif
Die Jury des Eurovision Song Contest: immer für eine Überraschung gut?

Mütterchen Russland mag nur Pimmel

Dabei ist der Eurovision Song Contest das so ziemlich schlimmste Fernsehformat seit der Webcam aus den Duschkabinen Buchenwalds. Solange es diese verachtenswerte Scheiße gibt, werden Homosexuelle für ihre Rechte auf die Straße gehen müssen, wird es Pegida geben, den Papst und den IS sowieso. Das sah man letztes Jahr schon daran, wie Russland auf Wursts Teilnahme reagierte. Von Unzucht sprach man, von Abartigkeiten und vielen anderen schlimmen Dingen. Ihr Versuch, an den Zuständen etwas zu ändern, in allen Ehren: Dafür hat sich das naive Pflänzchen das völlig falsche Format ausgesucht.

 

Ego grob, Herz homophob

Conchita Wurst ist also eine Frau mit einem Bart, die singen kann. Das soll schon zur Kunstfigur reichen? Für mehr hat es bei Thomas Neuwirth eben nicht gereicht. Gefloppte Boyband-Karriere, Ausbildung an der Modeschule, gefoppt und gedisst wegen seiner Homosexualität, schon klar. Wird er eben zur Dragqueen, gibt sich einen bescheuerten Namen, lässt sich diesen Drecksbart stehen – und auf einmal läuft es für den Österreicher. Mal ehrlich, Conchita, hast Du Dir jemals die Mühe gemacht, zu recherchieren, was es bedeutet, eine Kunstfigur zu sein? Fang doch mal bei David Bowie an, Du Amateur(in)!

Ohne Deinen Bart wärst Du nichts, und mal ehrlich, in vielen ost- und südeuropäischen Ländern sind Frauen mit Bärten nun mal alles andere als eine Seltenheit. Singen können die da bestimmt auch. Natürlich reicht das für all die Gutmenschen, für all die Ice-Bucket-Challenge-Befürworter, für die Stuttgart-21-Demonstranten und für die Tofu-Fraktion, Conchita Wurst zur neuen Heldin auszurufen. Dass sie letztlich auch nur das Produkt einer Industrie ist, die im Herzen homophob, sexistisch und gegen Minderheiten ist, interessiert wundersamerweise keinen mehr.

Homophobie Gif
Gleichberechtigung a la Wurst…Ist für den Arsch!

„Schwulida“: Abendspaziergang in die Gleichberechtigung

Ich bin mir ziemlich sicher, dass sich bei weitem nicht jeder Homosexuelle von diesem Kuriosum würdig vertreten fühlt. Dem gerade erschienen Album „Conchita“ ist das egal. Es wird sich mehr als solide verkaufen und ein paar sehr einfachen Menschen das Gefühl geben, etwas Gutes getan zu haben. Das tut Pegida letztlich aber auch. Und wir wissen ja, was das für Menschen sind. Wenn Ihr also etwas Gutes tun wollt, dann kauft weder dieses völlig überproduzierte, an falschem Pathos beinahe erstickende Album, noch schüttet Ihr Euch einen Kübel Eiswasser über den Kopf. Da gerät das Geld eh immer in die falschen Hände. Überweist uns stattdessen doch einfach ein stattliches Sümmchen. Wir versprechen auch, es grundlos zu verprassen – Bart hin oder her.