Meinung: Ein Nachruf auf eure scheiß Nachrufe! #heilvorurteil

Der Nachruf 2.0 ist der beschämende Versuch, etwas Cooleres, Tiefsinnigeres oder Besseres zu schreiben als all die anderen Trottel....
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Das Tolle am Internet ist nach landläufiger Meinung vieler Deppen ja, dass es allen Menschen eine Stimme gibt. Aber Deppen sind nun mal deswegen Deppen, weil sie keine Ahnung von gar nix haben und deswegen per se immer falsch liegen. In Wirklichkeit ist nämlich nichts schlimmer unter dieser Sonne als die Tatsache, dass jeder Vollidiot durch das Internet eine Stimme erhält. Einfach so, ohne etwas geleistet zu haben. Gleiches Recht für alle funktioniert aber nun mal nicht, also müssen wir heute Tag für Tag in einer Welt leben, in der niemand etwas zu sagen hat, aber alle das Maul aufreißen. Heute denkt jeder, er habe das Recht, einen Nachruf zu schreiben. Das hat natürlich nichts mit Trauerarbeit zu tun. Der Nachruf 2.0 ist der beschämende Versuch, etwas Cooleres, Tiefsinnigeres oder Besseres zu schreiben als all die anderen Blindflieger in den Sozialen Netzwerken.

 

Am Schlimmsten ist das natürlich beim Ableben von Berühmtheiten. Plötzlich fühlt sich jeder berufen, ungefragt seinen Senf zum Ableben einer Person abzugeben, die man weder kannte noch wirklich verstand. Aber macht ja nix, Hauptsache man tut bei Facebook mal so, als trauere man besser als jeder andere. Seinen vorläufigen Klimax erreichte diese Unsitte beim Tod von Lemmy Kilmister.

Ohne Scheiß, ich habe Facebook tagelang gemieden, weil ich es nicht ertragen hätte, die Postings dieser ganzen Dummbeutel mit ihrem schlechten Englisch auf mich niederprasseln zu sehen. Man hat dann halt doch nicht nur coole Dudes in seiner Facebook-Freundesliste, gell?

 

Traurig sein ist okay, aber…

Auch mich hat der Tod von Lemmy bestürzt, der von David Bowie auch. Aber zum Teufel, wieso sollte ich meinen Freunden, Kollegen oder sonstwas gegenüber mittels eines inhaltsleeren Postings zum Ausdruck bringen, was ich fühle? Die in Paris Getöteten werden auch nicht wieder lebendig, wenn ich die Frankreich-Flagge in mein Profil lade und Nazis hätte es auch dann weiterhin gegeben, wenn man „Mein Kampf“ verboten hätte.

Habe übrigens noch kein Exemplar. Und wenn doch, werde ich es nicht bei Facebook mitteilen.

 

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Achso, ja? Ist mir bums!

Was ich an dieser blinden Mitteilungswut am Erstaunlichsten finde, ist ja, dass die meisten Leute da draußen tatsächlich davon ausgehen, dass sich irgendjemand für das interessiert, was sie zu sagen haben? Natürlich kannten sie weder Lemmy, noch können sie die Diskographie seiner Band fehlerfrei aufsagen. Aber Hauptsache mal so getan, als wäre es ein Weltuntergang für dich, wenn ein dir völlig fremder 70-jähriger abdankt. Jedes Like eine heimliche Bestätigung deiner Rock’n’Roll-Kredibilität?

Verpiss dich!

 

Aber, aber, er war doch der Größte!?

Schön fand ich das ja auch bei Robin Williams. Zeit seines Lebens war er ein Schauspieler, den jeder kannte, aber über den nie auch nur eine Menschenseele bei einer Party gesagt hat.

„Also, ich mag ja Robin Williams am allermeisten. Der ist ein Jahrhundertschauspieler.“

Kaum ist er tot, war er ein Idol für jeden, eine Legende, ein tragischer Held, den man schmerzlich vermissen wird. Also tut gefälligst nicht alle so, als würdet ihr irgendetwas von irgendjemandem verstehen.

Für euch ist Robin Williams bis zu seinem Tod doch nur der Typ gewesen, der mal bei Take That war – und Motörhead die Band, deren bekanntester Song „The Ace Of Base“ war.

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Heil Vorurteil

Nein, er wird deine lausige Band nicht in einem der zahlreichen Metal- und Rockmagazine unterbringen, für die er schreibt. Nein, du musst gar nicht erst auf die Idee kommen, ihm auf einem "Festival-Konzert-Besäufnis" ein mies produziertes Demo deiner ekelhaften Kellerkombo in die Hand zu drücken. Fliegt eh' gleich auf den Müll oder wird von einer befreundeten (natürlich erfolgreichen) Band dazu benutzt, ein paar Lines vor dem Gig zu legen. Nein, er wird niemals aufhören, Röhrenjeans zu tragen. Und wenn es nur deswegen ist, weil er in ihnen viel besser aussieht als Du. Liebe.
    Ein Kommentar
  • Grind Hard
    12 Januar 2016 at 18:54
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    danke für diesen hervorragenden Artkel. Bravo 🙂

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    Auch feini fein