Dinge, vor denen man sich in Acht nehmen sollte: Reisen in IS-kontrollierte Gebiete. Menschen, die allein vor sich hinpfeifen. Veganer. Politiker. Clowns. Revolverheld. Betrunkene russische Spione. Filme mit Til Schweiger. Oder Jennifer Aniston. Vor allem aber sollte man sich vor Weihnachten in Acht nehmen. Weihnachten ist das Fest des Nächstenhasses, vergraben unter einer hauchdünnen Patina der Besinnlichkeit. Nach 364 Jahren, in denen man seine Kinder vernachlässigt, seine Frau betrogen oder geschlagen, seinem Boss in den Kaffee gespuckt und seinem Nachbar die schicke Karre geneidet hat, soll man also urplötzlich alles von sich abfallen lassen und im Handumdrehen vom Psycho kurz vor dem Blutband zum treusorgenden Familienvater, liebevollen Ehemann, mustergültigen Schwiegersohn und Traumenkel werden.

 

Die Realität sieht wie immer anders aus als die Fernsehwerbung. Echt blöd. Da helfen keine Coca-Cola-Weihnachtstrucks, um die sabbernde, lärmende und stinkende Brut der Schwester zu ertragen, da ändert auf ein Sack Marzipankartoffeln nichts an der Tatsache, dass die Schwiegermutter der leibhaftige Teufel ist. Wer eine Scheißfamilie hat, hat auch Scheißweihnachten, wer ein Scheißleben hat, hat auch Scheißweihnachten. Und mal ganz ehrlich: Wer hat das denn nicht?

Wäre Weihnachten so schön wie die Vorweihnachtszeit, wäre ja alles in Ordnung. Die geht ja meist ohne Familie und Verwandtschaftsbesuche zwischen modrigem Altenheim und Kafftristesse vorüber. Wäre da nicht eine unerträgliche Begleiterscheinung dieser Zeit, die so penetrant ist wie der amateurhaft humpelnde Fake-Bettler in der Fußgängerzone: Weihnachtsalben.

Und jetzt noch mal freigestellt, um das Wort in seiner ganzen grausigen Tragweite gebührend zu erschmecken, zu erfühlen, zu erriechen:

 

 

[highlight color=red ] !!! Weihnachtsalben !!! [/highlight]

 

 

Weinhachtsalben sind nicht nur der Beweis, dass es keinen Gott, Allah, Beelzebub oder Odin unter dieser Sonne gibt. Sie sind auch der Beweis, dass die Menschheit spätestens mit der Erfindung dieser teuflischen Abart ihr Recht auf Überleben verspielt hat. Eingetauscht gegen den Horror breit grinsender Schlagerfressen unter Weihnachtsmützen. Da hilft nicht mal, dass auf den Plattencovern Koks statt Schnee rieselt von der Decke rieselt. Weihnachtsalben sind und bleiben das Waterboarding der Musikindustrie. Hätte Hitler 1933 eine Schellackplatte mit Weihnachtsliedern aufgenommen anstatt seine kurzweiligen Reden zu schwingen, wir wären ihn heute noch nicht los.

In gewisser Weise sind Weihnachtsalben sogar schlimmer als Hitler. Der muntere Österreicher wurde immerhin irgendwann aufgehalten. Und „Last Christmas“ ertönt immer noch Jahr für Jahr, sobald die Sommerferien vorüber sind. Jedes Mal, wenn ein Radiostation „Last Christmas“ spielt, enthauptet der IS eine Geisel. Scheint niemanden zu stören, ist ja so schön festlich.

 

Ein Gutmensch der Generation Tagesgeld

So ist sie eben, die Musikindustrie. Immer an vorderster Front, wenn man mit wenig Herzblut viel Geld machen kann. Wenig Herzblut und viel Geld, das ist ein Satz, der auch für Helene Fischer geschrieben sein könnte. Diese von der Schlagerindustrie gezüchtete Replikantin träumt gewiss nicht von elektrischen Schafen, sondern von elektronischen Kontoauszügen. Sie wurde erschaffen für dem einzigen Zweck, Musikdeutschland mit Zuckerguss und seelenloser Einfalt ins Verderben zu stürzen.

Hat ja bisher schon ganz gut geklappt, zum Fest der Hiebe gibt sie uns jetzt den Dolchstoß, das musikalische Gegenstück zu Napalm über vietnamesischen Reisfeldern: Ein Weihnachtsalbum natürlich.

 

Hele-Fischer-Weihnachten-2015
Danke, Helene, dass Du uns nun auch Weihnachten versaust…

Toller Mensch, tolles Produkt?

Das von einem Menschen, der seine Familie in den letzten zwei Jahren weniger zu Gesicht bekommen hat als ein Guantanamo-Insasse! Das Leben ist doch wirklich eine Farce und nur mit einem Flachmann in der Schreibtischschublade zu ertragen.

Das irrwitzig Absurde daran ist: Es kommt noch schlimmer. Nicht nur, dass uns die seelenlose Schlagerandroidin ganze 35 deutsche und englische (durfte man die in Russland überhaupt singen, ohne ins Arbeitslager deportiert zu werden?) Weihnachtslieder um die armen Öhrchen knallt.

 

Auf den Spuren der ganz Großen?

Sie hat tatsächlich die Dreistigkeit besessen, diese Ansammlung klanglichen Unrats in den Londoner Abbey Road Studios aufzunehmen. Abbey! Road! Studios! Ich werde meine Beatles- und Pink-Floyd-Platten verbrennen müssen. Habe aber eh keinen Plattenspieler. Dass so viel substanzloser Durchfall überhaupt Einlass in diese Hallen erhält, ist ja wohl unerhört.

Da reden sie über Grenzzäune gegen Flüchtlinge, sollten aber lieber Grenzzäume gegen russische Schlagerzombies hochziehen. Gern mit Stacheldraht oben, falls sie es doch versucht, drüberzukommen. Danke, Helene, du hast Weihnachten entführt, vergewaltigt, zerstückelt und aufgefressen.

 

Man darf dieser Tage ruhig mal über sich selbst erschrecken. Wenn man im Angesicht von Helene Fischers Blasphemie sogar plötzlich ganz versöhnlich auf das neue Weihnachtsalbum von Kylie Minogue blickt, dann weiß man, wie weit es mit dem Abendland tatsächlich gekommen ist.