Lieber Marcus Staiger,

so sieht es also aus, wenn sich „einer der wichtigsten Hip- Hop Journalisten in Deutschland“ (ruhrbarone.de) an der Person Kritik übt, die auch gerne mal als die Zukunftshoffnung des deutschen Fernsehens gehandelt wird.

Weißt du ich habe es schon immer gehasst, wenn mir ein Text eines Kolumnisten entgegenspringt, der in der Headline schon schreit:

„Meine Deutungshoheit schwebt über dem Konsens des Pöbels“.

An dieser Stelle würde ich gerne aus Ihrem offenen Brief an Jan Böhmermann zitieren. „Rap, das ist doch diese Musik, wo die Kanacken nicht richtig Deutsch können, die Präpositionen weglassen und die ganze Zeit „isch“ statt „ich“ sagen. Voll lustig, wenn man das nachäfft.“

Rap ist für mich vor allem die Musik, die für mich für gesellschaftliche Durchlässigkeit und Vielfalt steht. Das von Ihnen als Beispiel für fehlende Deutschkenntnisse gewählte „isch“ ist ein Phänomen deutscher Dialekte und kein Richtwert für die Deutschkenntnisse des Künstlers.

Das Böhmermann das in seinem Video miteinbaut ist schlichtweg Stilmittel einer Persiflage. Wobei ich dieses weniger als einer Persiflage als eine Hommage an deutschen Hip-Hop auffasse – zu dem auch Gangstarap gehört. Was Sie offensichtlich nicht tun. Oder vielleicht auch nicht wissen.

Ist es nicht eine gute Entwicklung, dass das öffentlich rechtliche Fernsehen Hip-Hop in sein Programm aufnimmt? Ist Jan Böhmermann tatsächlich darauf aus deutschen Rap ins lächerliche zu ziehen? Hat er deshalb Gäste wie Cro und Alligatoah geladen – ganz zu schweigen von seinem Sidekick Dendemann, der durch Böhmermann gefühlt medial „reanimiert“ worden ist. Klar repräsentieren die eben genannten Künstler keinen „Gangstarap“ aber auch hier gibt es Tangenten an das sagenumwobene Gangstarap-Klientel.

Warum jetzt, Herr Staiger?

Und warum kommt die Kritik genau jetzt? Wo war eigentlich die Aufregung bei Böhmermanns Tribute to German Rap? Da wurde Haftbefehl von Böhmermann auch neu interpretiert. Wo war die Aufregung bei Böhmermanns Inszenierung von „Style & das Geld“?

Die Unterstellung Böhmermann und seine Redaktion würden sich über Personen mit geringerem Intellekt und weniger monetären Mitteln lustig machen, entbehrt meiner Meinung nach jeglicher Grundlage.

Der von Böhmermann völlig offensichtlich imitierte „Haftbefehl“ muss sich wohl gehaltstechnisch vor einem Jan Böhmermann nicht verstecken. Jüngst wurde dieser sogar vom Feuilleton der „Zeit“ hofiert. Wo genau steckt genau jetzt die Überheblichkeit gegenüber des „Kanacken“ oder den „Kanacken“. Was von Ihnen ebenfalls unbeachtet bleibt, ist der Fakt, dass die Gesetzeshüter im thematisierten Video ebenfalls aufs Korn genommen werden. Ist der Grundtenor des Videos tatäschlich: „Wir sind die Polizei und wir stehen über Euch?“ Das halte ich doch für sehr überdramatisiert und -interpretiert. Vielmehr: Stellt ein derartig aufwendig produziertes Mimikry nicht auch in irgendeiner einer Weise den ultimativen Ritterschlag für einen Künstler dar?

Das ist die wahre Street-Power, mein lieber Marcus. Es aus der Tristesse der Vorstadtsiedlungen aus eigener Kraft in die Abendunterhaltung des öffentlich rechtlichen deutschen Fernsehens zu schaffen!

Offensichtlich gehört Haftbefehl zu den Gewinnern, Baby!

Herzlichst

Dein Pablo