Manche Dinge gehören einfach zusammen. Nazis und Idiotie. Konzerte und Bier. Romeo und Julia. Unheilig und hässliche Fans. Fernsehen und Dummheit auch. Das ist natürlich keine neue Erkenntnis und dürfte zu jedem vorgedrungen sein, der schon mal fassungslos vor einer besonders menschenunwürdigen Freakshow-Episode von „Schwiegertochter gesucht“ saß und das letzte Häufchen Glauben an Menschheit und Medien verloren hat. Immer dann schleicht sich ein fieser leiser Gedanke ein, ob wir wirklich völlig zu Unrecht im Visier des IS-Terrors stehen. Immerhin muss so viel Dummheit ja auf irgendeine Weise bestraft werden. Wenn ich meinem Nachbarn die Kuh stehle oder seine Frau im Bett beglücke (auf dem Land gerne auch andersrum), bekomme ich schließlich auch einen mit der Schrotflinte zwischen die Augen. Was sich der NDR jetzt geleistet hat, schießt aber diesen vielzitierten und im Prinzip richtig armen Bock ab: Die öffentlich-rechtlichen Inhaltsdiktatoren wollten doch tatsächlich Xavier Naidoo zum Eurovision Song Contest schicken.

Ausgerechnet einen Mann also, der nicht an die Bundesrepublik Deutschland glaubt, geistig verwirrte Rechtspopulismus-Reden schwingt – und ein Problem mit Schwulen hat? Richtig große Idee in Zeiten, in denen die AfD Umfragen zufolge die drittstärkste Partei im Land ist.

Natürlich wäre dieser Einfall auch ohne diesen ideologisch umnachteten Überbau seines verwirrten und verabscheuungswürdigen Weltbilds ein grandioser Griff ins Klo. Was Naidoo nämlich zu allem Überfluss auch noch macht, ist aus musikalischer Sicht so wertvoll wie die Outtakes der taubstummen Gospelchor-Gemeinde: Unerträgliche Phrasendrescherei.

Über Naidoo haben wir an dieser Stelle schon oft gesprochen, über seine Kackmusik auch. Diesmal sollte es also vor allem um diese Dummbeutel gehen, die es tatsächlich für eine gute Idee hielten, die „Schwarze Stimme aus Kurpfalz“ nach Stockholm zu schicken. Genauer gesagt stellen wir hiermit also NDR-„Unterhaltungschef“ Thomas Schreiber an den Pranger, bescheinigen ihm mediale Inkompetenz und fragen uns insgeheim, wo diese Knalltüte die letzten Jahre gelebt hat.

Ich meine, wer nach all dem, was Naidoo in der Presse abgelassen hat, immer noch überzeugt ist, es wäre eine gute Idee, unser Land von ihm vertreten zu lassen, denkt bis heute, dass Pegida wirklich nur aus besorgten Bürgern besteht. Und dass Milchschnitte gesund ist. Als der erwartete Shitstorm über ARD und NDR niederging, ließ Schreiber dann doch tatsächlich ein Statement los, das es in Sachen Verdrängung seit der Leugnung des Holocaust nicht mehr gegeben hat: „Xavier Naidoo steht für Toleranz allen Lebensentwürfen gegenüber, die es in dieser Republik gibt“, verteidigte er seine Entscheidung. Naidoo diesmal ganz ohne Vorausscheid-Peinlichkeiten zu nominieren, ihm den Reichsadler an die dunkle Brust zu heften und ihn in den Zeppelin nach Stockholm zu setzen. Seit 5:45 wird zurückgesungen?

Eben nicht. Der Aufschrei war groß, anscheinend gibt es in diesem Land erfreulicherweise noch mehr Menschen wie uns aufgeweckte Babys, die Naidoo nicht nur für untalentiert und unschön, sondern auch für nicht ungefährlich halten. Binnen kürzester Zeit demontierte Schreiber seinen mickrigen Ruf also ein zweites Mal – indem er zurückruderte, sich dem Druck der Öffentlichkeit beugte und den armen „Kurpfälzer Reichsbürger“ einfach wieder auslud. Natürlich betont er weiterhin fleißig, dass er Naidoo weder für fremdenfeindlich, noch für homophob halte. Allein, die Eier, das wirklich durchzusetzen, hatte der Fatzke eben auch nicht.

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Die ARD distanzierte sich natürlich emsig von ihrem schwarzen Schaf. Da soll er mal schön alleine durch, scheinen sich all diese Typen zu denken, die wahrscheinlich ebenfalls kein Problem damit gehabt hätten, einen derart geistig Umnachteten für Deutschland ins Rennen zu schicken. Das Netz jubelt, der NDR leckt seine Imagewunden. Der aufmerksame Beobachter muss sich jedoch ernstlich fragen: Darf so etwas passieren? Darf ein Sender von ein paar Tweets und Hashtags umgepustet werden? Und wenn ja: Wie werden dann dort überhaupt Entscheidungen getroffen?

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Wer sich derart lapidar umentscheidet, entscheidet doch schließlich ähnlich unüberlegt. Dem Image des Lokalsenders dürfte das nicht gerade gutgetan haben, dem Image dieser einzigen Mogelpackung namens ESC auch nicht. Da interessiert es aber keinen, weil eh jeder weiß, was für ein abgekatertes Spiel die Punktevergabe ist.

Um Deutschlands Medienmacher muss man sich aber ernste Gedanken machen. Kein Diskurs, keine Diskussion, nicht mal den Mut, öffentlich zur Debatte aufzurufen? Was ARD und NDR da abgezogen haben, ist an Peinlichkeit und Schlappschwänzigkeit nicht zu überbieten.

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Und dann auch noch das: Unser aller liebster Flüchtlingsheimerbauer und angeblicher Schauspieler Til Schweiger hat natürlich auch etwas dazu beizutragen. Das tut so weh, dass man nicht weiß, ob man kotzen oder doch lieber zur Knarre greifen möchte. „Haben wir im Moment, ein paar Tage nach Paris, Hannover und Mali keine anderen Probleme!? Gute Nacht Deutschland!!!!“, schreibt der Komma-Versteher und Ausrufezeichen-Fan zu Naidoos Ausladung bei Facebook. Doch, Til, haben wir. Es sind aber nun mal Leute wie Naidoo, die Deutschlands Problem sind.

Sie bereiten durch ihre Rolle in der Öffentlichkeit den Nährboden für fremdenfeindliche Theorien und brennende Flüchtlingsheime. Aber das hat natürlich niemand von euch erkannt. Auch der NDR nicht. Der verhält sich lieber wie ein vorlautes, aber feiges Kind, das kurz den Mund aufmacht und sich dann gleich wieder hinter Mama versteckt. Natürlich war es eine an Dummheit nicht zu übertreffende Idee, diesen Vollpfosten zum ESC zu schicken. Es ist aber ebenso dumm und kurzsichtig, im Sturm der Entrüstung sofort einzuknicken. Das kann noch nicht mal Spuren von Glaubwürdigkeit enthalten!

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Das Schlusswort gebührt Xavier Naidoo: „Meine Leidenschaft für die Musik und mein Einsatz für Liebe, Freiheit, Toleranz und Miteinander wird hierdurch nicht gebremst.“

Macht mit diesem Satz, was ihr wollt, wir kotzen uns jetzt die Gedärme aus dem Leib.