MIA-Biste-Mode-Review

„Biste doof“ – so müsste das neue Album von MIA. heißen. Mit Mode hat „Biste Mode“ nämlich nicht viel zu tun. Außer vielleicht noch mit der, die von übergewichtigen Rheumawäschemodels zwischen lauwarmem Kaffe und viel zu harten Butterkeksen präsentiert wird, wenn der Bus auf dem Weg zur Landesgartenschau einen „kurzen Halt“ macht. Diese Erkenntnis tut zwar weh, aber MIA. sind mittlerweile nicht mehr als die muffige Heizdecke in der Abstellkammer deutscher Popmusik, von der man nur hoffen kann, dass irgendjemand den Schlüssel verlegt hat. Denn für mehr als für den ersten Slot im Fernsehgarten taugt das hier nicht.

 

Biste Makulatur

Musikalisch bewegen sich MIA. mittlerweile irgendwo zwischen DJ Antoine, Deichkind auf Ritalin und dem musikalischen Anspruch der Instrumentals zum Alltime-Smasher „Crazy Frog“. Mit Progressivität oder Progression hat dieses Album so viel zu tun wie Claus Weselsky mit einem „Schönes Wochenende“-Ticket. Mit anderen Worten: MIA. gehen den Weg des geringsten Widerstandes. Ein bisschen Elektro mit „ein paar kritischen Aussagen“, die aber trotzdem wie ganz viel Zuckerguss schmecken, funktionieren heutzutage ja immer, gell?

Harry Potter Cupcake
MIA sind auf der Jagd nach noch klebrigeren Verhexungen in Form schmieriger Texte…

Biste Muckefuck

Teilweise muten Songs wie der Titeltrack „Biste Mode“ sogar wie Schlager aus der großen NDR-Sendung „Heimat!“ an – mit viel gutem Willen auch als oberflächlicher Chanson. Moderne Popmusik klingt jedoch anders und es lässt sich auch schwer vorstellen, wie – im Gegensatz zu den austauschbaren Elektro-Vierviertel-Schunklern – Bossa-Nova-Rhythmen, Bläser-Ensembles und Berliner Gutmensch-Worthülsen vor einem total zugedröhnten Festival-Publikum funktionieren sollen. Die Antwort lautet: gar nicht.

Wenn Mutti in den Dreißigern total beschickert noch einen Schuss Grappa zur lauwarmen Soja-Latte aus fairem Anbau bestellt, macht das Bild vor dem inneren Auge schon mehr Sinn: Biste Mode ist der perfekte Soundtrack für die hippen Hauptstadt-Cafés, die nicht mehr hip sind, aber immer noch von ein paar pseudointellektuellen Freigeistern in dem Glauben aufgesucht werden, Trotz wäre so etwas wie eine eigene Meinung. Beweise? Bitte sehr:

„UhUh / AhAh / JaJa / Blitze am Himmel / Gleißendes Feuerwerk / Gott schickt mir Rosen / Feiert sein Meisterwerk“.

Egal wie gefährlich diese Drogen für Körper und vor allen Dingen Geist sein müssen, Sängerin Mieze muss mir unbedingt verraten, an welcher verruchten Berliner Ecke das Zeug vertickt wird.

Hund will Cupcakes
Nicht schön muss sich dieses Album für MIA-Fans der ersten Stunde anfühlen…

Biste Mumpitz

MIA san mia“, das wollen uns die Berliner Gassenhauerdudler verkaufen. Aber das Geschäft geht nicht auf. Viel zu schnell wird das Muster klar, viel zu schnell nutzen sich die halbherzigen Beats und ins Leere wabernden Flächen ab. Und selbst die obligatorische Pophymne, die bislang noch jedes MIA.-Album auch für Nicht-Ethnologie-Studentinnen zugänglich machte, fehlt hier schmerzlich. Ein Fakt, der zumindest das Mainstream-Schicksal dieser Band besiegeln wird. Und mal ganz ehrlich, vielleicht ist das auch gut so. Ich zumindest ertrage diese vor Eitelkeit triefende Selbstreferentialität der Berliner nicht mehr. Was früher noch niedlich und frech zugleich wirkte, erscheint heute nur noch überheblich und weltfremd.

Liebe Mieze, Samtpfote, Stubentiger, Fellnase oder einfach nur Muschi…Die Erde ist rund und kein verdammter Cupcake!