Milliarden – Betrüger: „Medien, Menschen und Milfs“

Die Veröffentlichung von Milliarden wird mit einer Kneipentour eingeleitet. Und genau dahin wünscht man sich schon nach den ersten Sekunden von Betrüger... An die Theke....
MIlliarden-Betrüger-Review

Passenderweise wird die Veröffentlichung von Betrüger mit einer Kneipentour eingeleitet. Genau dahin wünscht man sich nämlich schon nach den ersten Sekunden des Openers „Oh Chèrie“.

Das Milliarden-Debut wird dominiert von Texten, mit denen sich wohl jeder „Ich-Mach-Was-Mit-Medien-Kunst-Kultur-Großstadt-Hipster“ identifizieren kann. Wer kämpft nicht gegen den Druck des eingetrichterten Gedankens, man könne nur mit Geld glücklich sein und das hat man schließlich nur, wenn man was „Vernünftiges“ macht? Deine Arbeit sei nur soviel Wert, wie dein Lohn. Dem widersetzt sich Texter Ben vehement.

 

Gabi, mach‘ mir noch nen Lütten

Und auch so manch andere gesellschaftliche Norm wird niedergesungen und das mit einer so schön rauchig-versoffenen Stimmfarbe, dass man trotz allen besungenen Mutes am liebsten doch für einen Moment aufgeben mag und die nächste Solo-Kneipenrunde einleiten möchte. Wenn Du dann nach dem ersten Gedankengang – ja, die behandelten Themen und vor allem deren Umsetzung regen zum Nachdenken an – wieder hinhörst, gibt es aber schon wieder die nächste Zeile, die Dich zum Milliardär macht. Warum ist das so?

Wahrscheinlich, weil es meistens um Widersprüchliches geht, etwas was eigentlich nicht zusammenpasst, aber am Ende trotzdem – die richtige Lebenseinstellung vorausgesetzt – Sinn ergibt. Reicht nicht ganz zur Epiphanie, ein kleines Leuchten ist aber definitiv auszumachen.

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Auf uns! Und ne‘ heiße Zeit!

Mimimi und doch irgendwie schön

Auch musikalisch verhalten sich die insgesamt 14 Songs zueinander bisweilen widersprüchlich. Da sind die drängenden Rock-Songs, wie „Ende Neu“ (Man macht gar den Tod kaputt) oder „Milliardär“ (Die Spaßgesellschaft macht die Leistungsgesellschaft kaputt), die schön-schnulzigen Balladen wie „Freiheit Is Ne Hure“ (Tralalala) oder obligatorischen Liebeslieder wie „Bleib Hier“ und „Marie“ (mimimi und doch irgendwie schön). Alles was das Popper- und das Rocker-Herz begehrt also – aber dabei immer, ohne anbiedernd zu sein.

So, und damit ihr jetzt auch glaubt, dass das kein Pressetext ist, hier ein paar Fragen an Milliarden: Warum wird das Ding hier eigentlich als Projekt von zwei Menschen verkauft? Sind die anderen beteiligten (Live-)Musiker nicht hübsch genug für die Pressefotos? Oder halt einfach austauschbar?

Klar, nichts besonderes im Musik-Business. Aber distanziert man sich in den Texten nicht von dieser Business-Welt? Es kratzt also einfach etwas an der Authentizität, die Songs und Texte ohne jede Frage vermitteln. Hoffen wir, dass sich Milliarden in dieser Hinsicht noch finden.

Der Weg scheint bei diesem Release jedoch schon mal gefunden!

Themen
Pop

Du erfrischst meine Gedanken / und beruhigst doch meine Glieder / ich möchte dir heut danken / darum knie ich vor dir nieder / den Gipfel der Hopfenvergärung / gibt’s auf der Welt nur hier / ich heb mein Glas zur Verehrung / mein geliebtes deutsches Bier.
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    Auch feini fein