moderat_iii_review

Ein mystischer Sumpf, Nebelschwaden wabern über die geheimnisvollen Untiefen des blubbernden Morasts, immer wieder unterbrechen mystisch anmutende Klänge die dumpfe Stille dieser beinahe außerirdisch wirkenden Welt – auf einmal dumpfe Trommelschläge, wie von einer in den Kampf ziehenden Armee. Hier und dort ein außer Kontrolle geratenes Kaugummi-Dragee und ein Raubtier mit aufgestelltem Nackenfell, dass geifernd seiner Beute nach dem Leben trachtet. Was sich liest wie das Resümee eines LSD-Trips ist vielmehr das bunte Bildsprache-Trio von III.

Ich weiß, der Star-Wars-Hype ist abgeklungen, die Lichtschwerter haben eine Akkulaufzeit wie das iPhone 6 und Disney ist der Hitler der Filmindustrie und dennoch entführt uns das Hören des neuen Langspielers in das abgelegene Planeten-System, das der kleine grüne Yoda, mit dem markanten Sprachfehler, sein Zuhause nennt.

 

Yoda, haste noch ein bisschen Coke?

Wie Luke seinerzeit, streifen wir vorsichtig durch die mystische Welt aus blasenwerfenden Tümpeln und verworrenen Lianen. Düster mutet das neueste Werk der Kombo an und enthält dennoch ebenso viele treibende Elemente – quasi die marschierenden Armeen der Rebellen, die mit ihren Schlachttrommeln zum Aufbruch rufen.

Schemenhaft, beinahe unwirklich wabern die diffusen Klangformen durch die Lautsprecher – immer wieder unterbrochen von rollenden Bässen und verschiedensten Stil-Elementen. So hat man bei „Finder“ das Gefühl karibische Steel Drums zu vernehmen, wohingegen „Ghostmother“ eher anmutet wie ein Hip-Hop-Beat aus den goldenen 90ern. Beinahe bin ich verlockt, meine nicht vorhandenen Beatbox-Künste zum Besten zu geben und einen Headspin to Genickbruch auf das Parkett zu zaubern.

Abgehen
Ja, doch, kann man sich super reinhören…

Bass-Wellness im Kaugummi-Moor

Genau wie Moderat mit ihren Alben eine Trilogie geschaffen haben, so kommt mir ein Bilder-Dreierlei in den Kopf. Nachdem ich den mystischen Sumpf verlassen habe, falle ich direkt in eine, im deutschen Fernsehen überaus bekannte, Kaugummi-Werbung.

Wohlig grinsend, beinahe schon grenzdebil liege ich auf einem riesigen Subwoofer und nehme ein seelenheilendes Bad in der Bass-Wanne. Um mich herum hüpfen, springen und wirbeln tausende und abertausende kleine pinke Dragees und die Wellen tiefer, brummender Töne wuscheln mir durch die Haare und lassen meine Haut Falten werfen, wie bei einem Fallschirmsprung.

Eigentlich möchte ich bei diesem Bild kurz verharren und zur Ruhe kommen, doch das Kopfkino wirft schon das nächste Dia ein und zeichnet bedrohlichere Welten an die Wand.

Jesus
Okay, ab inne Disse!

Moderat, Woodkid will ein Kind von euch!

Immer wieder ertappe ich mich dabei, wie ich unbewusst mit dem Kopf nicke und mit imaginären Trommelstöcken auf eine überdimensionierte Kampftrommel einprügele – so zum Beispiel bei „Intruder“. Auch wenn ich eigentlich keinen Vergleich ziehen möchte, so blenden in meinem Kopf dennoch immer wieder Schnipsel aus Woodkid-Videos ein.

Gerade bei Stücken wie „Animal Trails“ muss ich sofort an den zähnefletschenden Wolf denken, der unnachgiebig die Fährte seiner ahnungslosen Beute verfolgt. Passend zur Dramatik einer solchen Jagd auf Leben und Tod schwillt der Song immer wieder an, ebbt ab und überschlägt sich bisweilen beinahe ekstatisch.

Auch wenn beide Gruppen für sich funktionieren, so wäre eine Kreuzung – ich würde sie nach einem frankensteinschen Erschaffungsritus ModeWood nennen – ein überaus vielversprechendes Experiment.