Mono-Inc-Terlingua-Review

Kennt Ihr das? Man ist froh, die Erkältung überstanden zu haben und fliegt bei Glatteis auf die Fresse. Man hat den Krebs besiegt und bringt aus dem Urlaub dann doch auch noch Aids mit nach Hause. Vom Regen in die Traufe könnte man dazu sagen – oder halt verdammt schlechtes Karma. In der „Musik“ ist das ganz ähnlich. Da haben wir gerade erst Unheilig mit einem süffisanten Grinsen zu Grabe getragen und erdulden noch die letzten Schmalznachwehen, da steht schon ein legitimer Nachfolger auf dem Plan. MONO INC. gibt es natürlich auch nicht erst seit gestern, selbst ein Tauber ohne Hörgerät merkt aber, worauf sie es mit ihrem neuen Album „Terlingua“ abgesehen haben. Auf die Helene-Fischer-Goths da draußen, auf die Met trinkenden Versicherungsangestellten mit Übergewicht und schlechter Haut. Auf die kurzhaarigen Klöpse, die einen „kleine Hexe“-Aufkleber auf dem Auto haben, Rotkäppchen halbtrocken trinken und ja eigentlich auch Andreas Bourani ganz gut finden. Kurzum: Auf den Bodensatz der Musikkonsumenten, der alles frisst, was man ihnen in leicht verdaulichen Häppchen vorsetzt. Qualität? Egal. Originalität? Überschätzt. Schunkelpotential? ELEMENTAR!

 

Riecht Ihr das auch?

In den letzten Jahren sind MONO INC. zu einer ziemlich großen Goth-Rock-Band geworden, die nie einen Hehl daraus gemacht hat, dass die zugunsten eingängiger Schlagermelodien einen weiten Bogen um Eigenständigkeit und Integrität gemacht hat. Die Hälfte der kitschigen Kajal-Rock-Bands aus den Achtzigern, dazu ein wenig Unheilig-Kitsch, fertig war eine äußerst probate Mischung, um erschreckend weit zu kommen. Genau das Richtige also für ein Zielpublikum, dem billige Korsetts und farbige Kontaktlinsen immer schon wichtiger waren als musikalische Qualität.

Goth als Jonah Hill
Tut mir ja überhaupt nichts ausmachen, was Du schreiben tust.

Nach dem seligen Abdanken von Unheilig versucht man jetzt natürlich, die schwarzlackierten Fingerchen nach ein paar hunderttausend ziellosen, nach Patchouli stinkenden Häufchen Elend auszustrecken, die ohne ihren Grafen völlig hilflos zappeln wie ein fetter Käfer auf dem Rücken. „Heiland rette mich“ singt die Band dann auch ganz passend zu Rammstein-, besser Frei.Wild-Gitarren. Ja, könnte klappen. Verdient hätten es beide. Jeder Fan bekommt die Band, die er verdient. Und jede Band die Fans, die sie verdient. Das das alles nicht schön anzusehen ist, wissen wir alle.

Goth und Katzen
Watt? Ick bin ne Internet-Sensation?

Ach, Peter Maffay, auch hier?

Mit wohldosiertem, weil wichtigem (siehe oben) Schunkelfaktor und Songs, die ohne die Gitarren allesamt einwandfreier Schlager wären, geht es durch Terlingua, eine Reise, die auch textlich einiges zu bieten hat: „Ich schrieb dir neue Abschiedslieder / da kenn ich mich aus“, heißt es da zum Beispiel. Ignoriert man mal die Tatsache, dass ich in der dritten Klasse schönere Zeilen verfasst habe, ergibt das so erschreckend wenig Sinn, dass es nur funktionieren kann und sich wahrscheinlich von mindestens 27 Frauen auf den haarigen Arm tätowiert wird. Immer prima ist natürlich auch eine Zeile wie „Unterm Mondschein küss ich dich“. Ja, so stellt man ihn sich vor, den richtigen Goth Rock.
Scheiß doch auf Finsternis, Depression, abgründige Stimmung und grabestiefe Vocals – Schlager ist das neue Goth! Dazu noch ein hanebüchene Konzept rund um die amerikanische Geisterstadt Terlingua, das im Titeltrack wohl irgendwie lässig-westernmäßig klingen soll, aber dann doch nur zu einer schlechten Peter-Maffay-Variante wird. Manchmal… ja, manchmal kann man sich eben nur hilflos am Kopf kratzen, all seine Sachen verbrennen und sich in einer dunklen Höhle unter einem Stein verstecken. Anders erträgt man das alles nicht mehr.