Nur wenige Serien haben im letzten Jahr so viel Liebe und Zuneigung erfahren, wie der Überraschungshit „Mr. Robot“. Klar, dass da die Erwartungen an die zwölf neuen Folgen des Hacktivist-Epos entsprechend hoch sind. Es kann jedoch Entwarnung gegeben werden: diese zweite Staffel ist noch besser als ihr Vorgänger – und „mental nonkonformer“ obendrein!

Kurz nach dem spektakulären Hack der Firma E-Corp durch die digitalen Rächer von fsociety ist die Welt in Aufruhr: Barack Obama ist richtig sauer, an der Wall Street wird randaliert, das FBI ist hochnervös und die US-Wirtschaft stolpert über sich selbst. Inmitten dieses Chaos befindet sich Hacker Eliot (Rami Malek wird mal einer der Größten… Trust me!), der jedoch andere Probleme hat, als eine Gesellschaft, die kurz davor ist, sich selbst zu zerfleischen: seine Geisteskrankheit!

 

USA, USA, USA!

Mr Robot ist eine Serie wie der personifizierte Zeitgeist: das wahnwitzige Rennen um den Chefsessel im Weißen Haus, die Vollidioten der Brexit-Bewegung, Email-Hacks bei den US-Demokraten und wahrlich angesäuerte Aktivisten mit allerlei Themen und Agenden. Mr Robot ist nicht nur in einer zähnschwitzenden Realität verankert, sie ist Teil unserer Realität.

Und dennoch, Autor und Macher Sam Esmail präsentiert uns hier nicht nur einmal mehr einen Plot (alles, was man über die Story schreiben würde, könnte den Spaß beim Schauen schmälern!), der aufgrund seiner aktuellen Brisanz und politischen Akkuranz schon fast obskur wirkt, mit seinem Hauptcharakter Eliot geht er sogar noch einen Schritt weiter… In die tiefen Abgründe einer verwirrten und zerbrechlichen Seele.

 

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„Was? Hä! Wie? Du kannst mich sehen?“

Das war ich nicht! Ach das… Ja, das war ich!

Mr Robot und sein „Held“ Eliot erzählen von Künstlichkeit und Zynismus in einer immer technisierteren Welt. Das tun sie jedoch nicht kalkuliert und unterkühlt, Staffel zwei ist vielmehr eine mitreißende Charakterstudie eines Typen, der so genial wie gestört ist. Natürlich behandeln auch diese zwölf Folgen wieder den Kampf einer Untergrund-Gruppe gegen das korrumpierte Bankensystem, der Anker des Plots ist jedoch das Abtauchen in die Geisteskrankheit von Eliot.

Dadurch lernen wir mehr über Mr Robot kennen, die zweite Persönlichkeit in Form seines Vaters, der in Staffel 1 noch als Kopf und Antreiber der Hacktivisten von fsociety fungierte. Und das hat es wahrlich in sich.

In einer fast schon Fight Club’schen Manier dürfen wir Eliot dabei zusehen, wie er seine Schizophrenie mit Pillen, Meditationsübungen und sogar roher Gewalt zu bekämpfen versucht – und dabei kläglich scheitert. Ja fast schon erörtert Mr Robot wie es wohl für Edward Norton gewesen wäre für immer mit Tyler Durden zu leben.

Da werden dann Computer gemieden, der Kontakt zu anderen Personen weise gewählt und der Tagesablauf akkurat geplant, da ständig die Gefahr im Hintergrund des Geistes lauert, dass der Andere das Ruder übernehmen könnte. Mr Robot, der ja bekanntermaßen einfach nur die Welt brennen sehen möchte, gefällt das natürlich ganz und gar nicht und das lässt er nicht nur Eliot wissen, sondern auch den Zuschauer. Vierte Wand, ick hör die tapsen…

 

 

Tut weh… Tut gut!

Ja, manchmal ist auch die zweite Staffel Mr Robots so unangenehm anzuschauen, wie die Handlungen seines Hauptcharakters. Doch wer gelegentliche Szenen und Dialoge wie Wurzelbehandlungen beim Zahnarzt ausblendet, erkennt schnell, dass Showrunner Sam Esmail etwas zu sagen hat: Über Donald Trump, US-Politik, die Wall Street und ein System, dass die Bevorteilten bevorteilt, während alle anderen vor die Hunde gehen.

Das tut er durch einen Plot, der wohl langsam aber sicher zum ersten wahren Hacker-Epos unserer Zeit reift, sowie durch einen Charakter dessen Schizophrenie für einen Zeitgeist steht, der so unberechenbar wie idiotisch ist.

Denn wenn schon Eliot erkennt, dass alles gar nicht so scheiße ist, wie immer alle sagen, dann sollten wir auch mal kurz in uns gehen…