mumford-sons-wilder-mind-review

[dropcap size=big]A[/dropcap]ch so? Mumford And Sons haben sich eigentlich nie für eine Folk-Band gehalten? Das verkünden die Londoner derzeit zumindest in gefühlt jedem Interview, das sie zu ihrem dritten Album „Wilder Mind“ geben. Würde ich nicht anders machen: Wenn ich meinen Trademark-Sound schon zugunsten einer so willkürlich und vorhersehbar zusammengeschraubten Indie-Rock-Pathos-Nabelschau aufgebe, muss ich wenigstens in den Interviews versichern, dass das jetzt alles endlich so klingt, wie man das immer schon wollte. Aha, so wollten sie also klingen, die Herren mit dem melancholischen Banjo? Wie eine dreiste Kopie von The National, die zumindest noch nie geleugnet haben, sich mehr als nur ein wenig von Bruce Springsteen abgeschaut zu haben? Wie der gescheiterte Versuch, U2 in Sachen Stadiontauglichkeit zu übertrumpfen? Und noch was, Mumford And Sons: Finger weg von den Editors!

 

Kapitel 2: „Und Dieter Bohlen weinte…“

An einer Vorab-Single lässt sich ja immer viel ablesen. Weshalb man sich dann ausgerechnet auf das saft- und kraftlose „I Believe“ geeinigt hat, will mir nicht klarwerden. Wenn sie zeigen wollten, dass sie eine generische Stadionrock-Band geworden sind, ist ihnen das besser gelungen, als sie sich das je erträumt haben. Aber wollten sie das wirklich? Schwer vorstellbar. Das Problem ist ja nicht mal, dass es das Banjo nicht mehr gibt. Da haben seither eh 465 Nachahmer nachgezogen.

Das Problem ist, dass ohne dieses Alleinstellungsmerkmal weniger Integrität und Eigenständigkeit zurückbleibt als bei einer Finalfolge „Deutschland sucht den Superstar“. Glatt, zahm, unspektakulär und immer darauf bedacht, weder zu melancholisch, noch zu aufrüttelnd zu sein, dümpelt ein Stück nach dem anderen vor sich hin. Da kann auch Produzent James Ford (Florence + the Machine) nichts retten. Oder, besser gesagt: Auch Ford trägt seinen Teil zu diesem sterbenslangweiligen Pop-Sound bei, der da aus den Boxen krakeelt.

Zombie Gif
Guden Tach. Mein Name ist Ford und ich bin Ihr Produzent.

Ciao Babys. Hallo Hausmütternchen!

Das Schlimmste an Wilder Mind ist die unerträgliche, predigende Weinerlichkeit, mit der Sänger Marcus Mumford von einem Tal der Tränen zum anderen schreitet. Was auf den vergangenen Werken irgendwie zu den leidenschaftlichen Banjos, zu der Intensität und der Zügellosigkeit passte, trägt jetzt nur dazu bei, dass man ihm am liebsten eine klatschen würde. Wach auf, Marcus! Es ist doch alles nur so schlimm, weil Ihr eine falsche Abzweigung genommen habt. Natürlich könnt Ihr jetzt nicht mehr zurückrudern, dafür habt Ihr Euch viel zu fleißig von euren letzten Werken distanziert.

MIlf Gif
Ein typischer Milf-ford & Sons-Fan beim intimen ersten Hördurchgang von Wilder Mind.

 

Also müsst Ihr jetzt selbst damit klarkommen, wenn Coldplay-Hausfrauen für eure Konzerte Schlange stehen und die süßen Hipster-Mädels lieber einen eurer Klone vor dem Backstage-Eingang abpassen. Oder hat Marcus Mumford insgeheim darauf abgezielt, mit diesem Album Gwyneth Paltrow aufzureißen? Tja, Pech gehabt, selbst die hat keinen Bock mehr auf Heulsusen. Immerhin schläft man nach der Hälfte der Songs sowieso ein und muss die andere Hälfte nicht auch noch ertragen. Tja, Mumford und Söhne, es war schön mit euch. Macht’s gut.