Nickelback-No-Fixed-Adress-Review

[dropcap size=big]N[/dropcap]eue Feinde braucht die Welt. Hitler taugt nicht mehr zum Schreckgespenst, über Kim Jong-uns debiles Grinsen lacht sich längst das halbe Internet tot. Oh, brandaktueller fun fact am Rande: Die UN verglich die Verbrechen des zu kurz geratenen Möchtegerndiktators erst kürzlich mit der Nazi-Zeit. Da habt ihr den Zusammenhang. Aber weiter im Text: Diese ISIS-Bande ist zu armselig, um als Feind angesehen zu werden, vor Putin hingegen hat man dann schon eher Angst. Ein Glücksfall von globalen Ausmaßen also, dass sich Nickelback dazu entschlossen haben, mal wieder ein neues Album auf die Menschheit loszulassen. Wie in einer der finalen Szenen im letzten „Der Herr der Ringe“-Film, lässt das Flutlichtauge von Sauron urplötzlich von dem ab, was auch immer es gerade hasserfüllt fixiert hat, und richtet sich ohne Umschweife auf Kanadas hässlichste Holzfällerbande.

Und plötzlich kommen sie wieder aus ihren Löchern gekrochen, die Maden, die sonst jeden Scheiß in den Himmel loben, um auch bloß weiter vom Label mit Promos bemustert zu werden. Jetzt ist ihre große Stunde, jetzt können sie der Welt endlich mal zeigen, wie fies sie eine Band in die Tonne treten können. Nickelback zu dissen ist so en vouge wie eine Demo gegen Primark. Und genau so idiotisch: Jeder Mensch, der mit mehr Gehirnschmalz gesegnet ist als ein militanter Gläubiger erkennt die Nutzlosigkeit, die Bedeutungslosigkeit eines Nickelback-Verrisses. Menschen, die Nickelback in der Luft zerreißen, sind dieselben, die gegen McDonalds wettern und sich nach einer Nacht auf dem Volksfest völlig besoffen drei RoyalTS reinziehen. Dabei sind wenige Dinge auf der Welt so offensichtlich wie Nickelbacks Unfähigkeit.

Hier bei IgittBaby sind Nickelback natürlich auch ein Thema. Nicht jedoch weil wir uns in die Karawane armseliger Kritiker einreihen wollen, die sich mithilfe von „No Fixed Adress“ den einen oder anderen Komplex von der Fanzine-Seele schreiben will; vielmehr verfolgen wir die Karriere von Nickelback in der Redaktion seit geraumer Zeit mit einigem historisch bedingten Interesse. Zwei Thesen haben sich im Laufe der letzten Jahre herauskristallisiert, beide mit genügend Sprengkraft ausgestattet, um die Geschichte der westlichen Welt neu schreiben zu lassen. Vielleicht, ja ganz vielleicht muss dem Alten und dem Neuen Testament nach dieser Kritik noch das „krass neue Testament“ hinzugefügt werden. Ausgangssituation beider Strömungen war ein ganz ähnlicher Gedanke: Es ist mit rationalen Gründen schlichtweg nicht zu erklären, wie eine derart erfolgreiche Band derart beschissene Musik machen kann. Und damit durchkommt.

 

These 1: „Ein Manager namens Adolf“

Wir kennen ja alle die weit verbreitete (und ehrlich gesagt auch irgendwie amüsante) Theorie, dass sich Hitler im brennenden Berlin gar nicht das Leben nahm und stattdessen nach Argentinien floh, wo ihm wohlhabende deutsche Einwanderer ein luxuriöses und ruhiges Leben finanzierten. Allein die Vorstellung, den Österreicher mit Sonnenhut und Schirmchengetränk auf einer Veranda anzutreffen! Ist natürlich Quatsch – und wir wissen wahrscheinlich auch, warum. Anstatt nach Südamerika abzuhauen, hat sich Hitler 1945 nämlich nach Kanada durchgeschlagen. Dort, hunderte Kilometer entfernt von der nächsten Großstadt, einem Telefon oder einer Tageszeitung, kannte ihn niemand. Dort wusste niemand, was der kleine Kerl mit den großen Träumen so alles in Deutschland angestellt hatte. Hitler, von Natur aus sowieso der eher zähe Bursche, überdauerte, wartete, beobachtete. Er rasierte sich seinen Schamhaarbart ab, wurde Holzfäller oder so etwas und wurde am 15. November 1974 für seine Mühen belohnt.

An diesem unglückseligen Tag nämlich, dem Tag, den ich gerne den „Tag der verhängnisvollen Geburt“ nenne, erblickte in Hanna, einem schrecklich unbedeutenden Kaff in Kanada, ein erstaunlich hässlicher Junge namens Chad Rorbert Turton das Licht der Welt. Das ging natürlich gar nicht in Ordnung für Hitler, weshalb er sich des Jungen annahm und so etwas wie sein Patron wurde. Er wollte ihn Krüger nennen, ein guter deutscher Name, wurde aber von den kanadischen Eltern des abstoßenden Vogels dazu gedrängt, ihn immerhin Kroeger zu nennen. Von wegen kanadisch und so. Hitler lenkte ein (ein Diktator lernt schließlich aus seinen Fehlern), legte sich auf die Lauer und wartete. 20 Jahre sind keine lange Zeit, wenn man einen Holocaust angezettelt und eine komplette Rasse vernichten wollte. Wer ein Tausendjähriges Reich errichten will, kann ruhig einmal ein paar Jahre damit verbringen, Lachse zu jagen und Bäume zu fällen. Hitler konnte warten, denn er hatte einen Plan. Der Weltkrieg mochte in die Hose gegangen sein. Doch er würde einen Teufel tun und zusehen, wie die Alliierten die Welt unter sich aufteilten, die er längst als seine eigene sah. Als ermutigte er den abstoßenden Chad, eine Band zu gründen. Er wusste von dem absoluten Unvermögen des Jungen und seinen Kollegen, auch nur ansatzweise gute Musik zu machen, ja, er hatte es sich in den vergangenen Jahren sogar zur Agenda gemacht, Chad zu einem musikalisch grenzdebilen, gehörbehinderten jungen Mann heranwachsen zu lassen.

Hitler hatte Erfolg. Chad gründete Nickelback, eine Band, deren Name auf Hitlers weithin beliebtem Sprichwort beruhte, dass die Amerikaner und Engländer ihm eines Tages schon seinen „Nickel back“ geben würden. Der Krieg war immerhin alles andere als billig gewesen. Nickelback nun, so lautete Hitlers Plan, sollten das musikalische Gegenstück zu dem Feuersturm werden, den er über die Welt bringen wurde, aber durch Stalingrad und einige andere unpässliche Ereignisse dazu gezwungen wurde, unauffällig abzuhauen. Und am Anfang sah auch alles danach aus, als würde es funktionieren. Nickelback produzierten grässliche, beleidigende, erniedrigend schlechte Rock-Musik, die die Welt auf einmal in ihrem Würgegriff hatte. Hitler war sich sicher, diese Musik wäre derart unerträglich und schmerzhaft, dass er die Welt damit im Handumdrehen wieder im Griff hätte.

Doch er hatte die Rechnung ohne die Dummheit der Menschen gemacht. Sie liebten Nickelback so sehr, dass selbst der Gröfaz machtlos war und irgendwann seinen letzten Atemzug in dem Wissen tat, einen gewissen Teil der Menschheit etwas wahrhaft Gutes getan zu haben. Einem Teil der Menschheit, natürlich, der in Sachen Dummheit und schlechtem (beziehungsweise gar nicht vorhandenen) Musikgeschmack in die Geschichtsbücher eingehen wird – als selten dumme Beispiele unserer Rasse, die zur Schande der Gorillas und Schimpansen ebenfalls Menschenaffen genannt werden. Und auch wenn Hitler sich im Grab herumdrehen wird: Auch sie werden „No Fixed Address“ kaufen wie Heuschrecken, die über ein Feld herfallen, und dabei nicht merken, dass die Rock-Musik hier zu etwas geworden ist, mit dem man Hausfrauen über ihre Seelenleere hinwegtrösten kann. Tja, Hitler, dieser Plan ging mal wieder nach hinten los!

 

These 2: „Biblischer Einfluss“

Chad Kroeger ist der barmherzige Jesus, der wieder auf die Welt gekommen ist, um den Menschen zu zeigen, dass man auch hässlich und untalentiert Erfolg haben kann.

!Dies ist ein satirischer Beitrag!