Nothing im schlecht gelaunten Interview :(

Das schlecht gelaunte Interview? "Perfekt", begrüßt Nothing die Babys grinsend. Wussten wir's doch, Shoegaze ist eine verdammt brutale Lebenseinstellung......

Es gab erhebliche Missverständnisse, seien wir mal ehrlich. Ja, Interviews können manchmal echt schiefgehen. Erst weiß keiner, wann genau der Termin stattfindet. Dann folgen etliche unbeantwortete Skype-Anrufe. Wenn welche mal klappen, ist einer von beiden betrunken. Und am Ende erreichen die Babys Domenic Palermo, Sänger des Shoegaze-Wunders Nothing, mitten in einer dringend benötigten Auszeit in den Bergen von Pennsylvania. Sei’s drum, der Kerl mit der engelsgleichen Stimme hat eh schon einiges durchgemacht, da kommt’s auf so kleine Problemchen auch nicht mehr an. Mitte 2015 wurde Palermo auf Tour krankenhausreif geschlagen, durchlitt Schädelbrüche und ein schwindelerregendes Schädel-Hirn-Trauma. Durch dieses musste er ihre zweite Platte „Tired Of Tomorrow“ Blut kotzend einsingen. Unschön. Dann starb sein Vater. Überhaupt nicht zu begreifen. Und am Ende mussten Nothing kurz vor zu spät die Plattenfirma wechseln, weil Domenic herausgefunden hat, dass der arschlochige Pharma-Spaten Martin Shkreli ihrer Plattenfirma Collect Records finanziell unter die Arme griff. Mit seiner Firma Turing Pharmaceuticals erwarb Shkreli die Rechte am Medikament Daraprim, mit dem Infektionskrankheiten bekämpft werden können, die bei geschwächten Immunsystem – beispielsweise bei AIDS-Patienten – erheblichen Schaden nehmen könnten. Über Nacht hob Shkreli den Preis dafür von 13.50 US-Dollar auf 750 US-Dollar – pro Pille. Bittere Nummer, da staut sich was auf. So viel Frust fühlt sich an, als würde er zu einem Ungetüm ungeheurer Größe erwachen und durch schlafende Seelen wandern, nur um dort alle Schaltzentralen mit übelrriechender Säure zu überschütten. Ihr könnt euch vorstellen, wie Domenic drauf ist. „Das schlecht gelaunte Interview? Das ist perfekt!“, begrüßt Nicky die Babys grinsend. Wussten wir’s doch, Shoegaze ist eine verdammt brutale Lebenseinstellung. Keine Kompromisse, immer auf die Schnauze. So haben wir das gern!

 

Wann bist du das letzte Mal komplett ausgeflippt?

Alle fünf Minuten. Musikalisch gesehen als wir in London waren und ich fast einen Nervenzusammenbruch erlitt. Weil unser Zeitplan so voll war: Wir hatten eine Listening Party am Morgen, mussten einladen für den Soundcheck einer Akustik-Show im Rough Trade-Plattenladen. Danach sind wir rüber zum Klub gefahren, wo wir abends spielen sollten, machten da den Soundcheck und sind zurück zu Rough Trade für die Akustik-Show. Dann ging’s zurück zur Show in der Nacht. Da fühlten wir uns gefangen. Ich bekam einen Nervenzusammenbruch, weil die Security Leute nicht ohne Bändchen in den Green Room lassen wollte. Ich bin irgendwie auf die Typen losgegangen.

 

Was kann schon morgens deinen Tag versauen?

Prinzipiell im Internet zu lesen. Sobald ich mein Handy in die Hand nehme und anfange zu lesen, über was normale Menschen so reden, ist das die erste Sache, die mir meinen Tag versaut.

 

Was an der Menschheit macht dich krank?

Was nicht? Das war eine einfache Frage.

 

Wenn du jemandem ins Gesicht treten könntest, wer würde das sein?

Gute Frage, da gibt es viele Leute. Lass uns den Sänger von Deafheaven nehmen! Ich mag die Typen nicht. Wir waren mal echt eng befreundet. Aber dann habe ich ein Video gefunden, in dem sie Scheiße über uns erzählten. Fick auf sie!

 

Es wird also keine Shows von Nothing mit Deafheaven geben?

Nein nein. Die Chancen, dass so etwas je passieren wird, sind im Moment sehr gering.

 

Welche Art von Band pisst dich richtig an?

Die meisten. Ich kann die Bands nicht ausstehen, in denen sich die Leute zu ernst nehmen. Sie interagieren nicht mit den Fans auf Social Media oder bei ihren Shows. Sie versuchen, mysteriös zu wirken. Als wären sie total tiefsinnig und man dürfte nicht mit ihnen sprechen. Das macht mich so wütend.

 

Gibt es etwas, das du in der Shoegaze-Szene hasst?

Alles ist seltsam für uns. Wir haben Hardcore-, Punk-, Post Punk-, Indie Rock- und sogar Metal-Kids dabei. Eine typische Nothing-Show ist ziemlich zufällig mit allerlei Sorten von Menschen gefüllt. Ich denke, sie sind eh alle gleich.

 

Es gibt also nichts Spezielles, das dich fertig macht?

Nee, alles macht mich fertig.

 

Welche Sorte Fan nervt dich hart?

Die Typen, die es zu sehr versuchen. Sie überreizen es. Wir versuchen, zu jedem nett zu sein und mit jedem mal zu sprechen. Es gibt aber immer den Typen, der es auf die Spitze treibt, der dich für eine wirklich lange Zeit quält. Das passiert meistens in Deutschland haha. Nur ein Witz, irgendwie.

 

Was war die schlimmste Entscheidung, die du je bei einer Party getroffen hast?

Ich habe einmal eine Bong vom Tisch genommen und sie durchgezogen. Es war Salvia im Kopf – ich wurde bewusstlos und bin durch den Tisch gefallen. Das gibt dir ein echt intensives, kurzes High-Gefühl, das habe ich nicht kommen sehen und bin rückwärts durch den hölzernen Küchentisch gefallen.

 

Was war dein schlimmster Kater?

Da gibt es so viele… Der Schlimmste: Ich fuhr von Philly nach New York und musste an jeder Raststätte anhalten und mich übergeben. Ich kotze sonst nie von Katern, aber der dauerte statt einem drei Tage, das war richtig schlimm.

 

Was ist dein liebstes Schimpfwort?

Ich sage am meisten ‚fuck!‘.

 

Wie beschissen sind Interviews für dich?

Ich weiß nicht, es hat uns drei Tage gekostet, einen Anruf hinzubekommen, stimmt’s? Du merkst, ich bin ziemlich gut in solchen Sachen. Es ist echt hart, die europäischen Interviews zu machen, weil ihr der Zeit voraus seid. Es ist meistens 10 Uhr früh hier, wenn ich Interviews machen muss, das ist echt tough.

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Das schlecht gelaunte Interview

Es gibt Themen, Artikel und Meinungen, die müssen gebracht werden. Aber nicht im Namen des Autors, sondern in unserem...Aus dem einfachen Grund, weil es da draußen ziemlich viele Idioten gibt, die mit Meinungen ein ziemliches Problem haben.
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