OK Kid – Zwei

Mit "Zwei" zeigen OK Kid einer Gesellschaft zwischen brauner Soße, einfältigem Alltag und “Gutmenschentum” den rot lackierten Mittelfinger. ...
OK-Kid-Zwei-Review

 

OK-Kid-Zwei-Review

In ihrem Debütalbum haben die einstigen Schoppe-Säufer  Kaffee warm gehalten und unter Wasser dreckig Liebe gemacht. Mit dem nach drei Jahren fertigen Zweitling zeigen OK Kid mit erhobenem Zeigefinger – respektive Mittelfinger – auf eine Gesellschaft zwischen brauner Soße, einfältigem Alltag und dem neuen, deutschem Chuzpe “Gutmenschentum”.

 

Große Wellen hat die erste Single „Gute Menschen“ direkt nach Veröffentlichung geschlagen. Ideal vor der Landtagswahl positioniert, monieren Jonas Schubert, Moritz Rech und Raffael Kühle eine Zeit des blinden Aufbruchs in die völlig falsche Richtung.

Dabei haben die Kids allzu verklärte Popidyllen abgerissen und widmen sich in treffsicherer Wortwahl, in und zwischen den Zeilen, politischen und zwischenmenschlichen Problemen.

 

Schweiß

Nene, dat is‘ alles Erkentnis!

Schatz, bringst Du Plastik-Slips mit?

Blüte dieser Zeit ist der wider jeder Erwartung sanfte Opener auf Zwei. Die flirrenden Samples tingeln sich dabei aber nur auf eine sonore Grundschwingung ein. Schubert scheint noch ein wenig zu resümieren, bevor das Album mit Ich kann alles in Richtung kalkulierter Höhenflug brettert.

„Und die Vögel singen immer noch das gleiche Lied. Ein zahmer singt von Freiheit, ein wilder Vogel fliegt. […] Ich kann alles, bis ich aufschlag‘ beweis ich, dass ich flieg.“

Und schon schüttelt es einen nicht nur klanglich: Der aufrührerische Beat gesellt sich hinter Zeilen, die einem eiskalt den buckeligen Rücken hinab laufen und langsam aber bestimmt eine Pfütze klebriger Erkenntnis formen.

„Sogar der Mettigel lacht in ihre Hackfresse. Luxus und Ruhm, ‚rumlutschen bis zum Schluss .“

Eine fast überraschende Brillanz hinsichtlich der Beobachtungsgabe waschen auch im Video diesem Pack den Kopf. Homophob? Och nö, lass ma‘ lieber, ne!? Es gibt ja genug Alternativen für Deutschland. Gute Menschen besitzt genug Message, um als bester Song der Kombo durchzugehen.

 

Bauern-Regeln für Hipster

Es Ist Wieder Februar“ hört sich im betreffenden Monat ganz gut. Ansonsten wirkt die zackig gestaltete Hymne an einen der grässlichsten Monate ein bisschen deplatziert – ey OK Kids, habt ihr mal aus dem Fenster geschaut?

Außer man treibt es ganz meta und bringt das Ganze in einen kantigen Beziehungskontext wie der inzwischen dritte Teil von „Kaffee warm“.

Nach dem interludigen „Bank“ lauert schon die erste Kollaboration mit derbsten Zeilen von Megaloh. Das „5. Rad Am Wagen“ rollt quer durch die Mechanismen der Szene aus der Sicht eines Rap-Newbies und bedient sich „vom Schluck in der Kurve bis zum Masterplan E“ sämtlichen Kraftfahrer-Anleihen.

Farmer

Was hast du gewählt? Wach ma‘ auf, ey!

Alk ist das Brot des kleinen Mannes

„Bombay Calling“ thematisiert im Anschluss die Freuden des Hobbyalkoholismus. Und zwar soweit, dass man sich um eine Monetarisierung des ganzen Gedanken machen muss, schließlich sitzen sie alle im untergehenden Tanker: „47er Gin“, „Morgan“, „Hendricks“ und „London trocken“.

Rings herum ist das Szenario nett gestaltet, aber erinnern doch viele Redewendungen an längst vergessene Facebookspruchbilder des Tages. Aber hey, „Wisch & weg“ bringt mit einem Synthie getränkten Schwamm drüber wieder alles ins Lot und geht direkt über in die nächste Kollabo-Runde im Hamburger-Schule-Style.

 

Kritik ist schmeckt richtig gutta

Bevor die Platte „euforisch“ zu Ende geht, kann man schon mal zwischenrechnen, dass diese „Zwei“, wie in „Erinnert“ gewünscht, definitiv Spuren hinterlassen wird, die nicht nur mit Hip-Hop oder der poppigen Variante, die sich OK Kid zu eigen machen, zu tun haben.

Den Zeitgeist vollends aufgesaugt, erheben die Drei detailgetreu Situationen des Alltags in zwischenmenschliche wie politische Sphären und lassen den Hörer ständig über sein eigenes Verständnis stolpern. Das tut nicht nur weh, sondern in Anbetracht verzwickten Zeitgeistes jedem noch so gesunden Geist mal gut.

Und das ausnahmsweise mal ganz ohne Sarkasmus.

Themen
PopRap

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    Auch feini fein