Mal ehrlich: wenn Du Dich beim ersten Mal „Der Exorzist“ nicht ordentlich selbst eingestuhlt hast, dann stimmt etwas nicht mit Dir. Wohl kein Film vermochte es bis heute effektvoller, das Grauen vor dem Übernatürlichen besser in Bilder zu fassen, als Bill Friedkins „Coming of Age“-Drama, in dem Kotze eine wichtigere Rolle spielte, als der erste Freund seiner Protagonistin. In diese Bresche, die seit nunmehr 33 Jahren in der Welt der bewegten Bilder klafft, möchte nun das schwarz-graue Exorzismus-Drama „Outcast“ springen… Mit einem Helden so gebrochen wie am Ende – und einer Verschwörung, die in den tiefsten Tiefen der Hölle ihren Ursprung hat. Wo jedoch das mehrfach Oscar-prämierte Vorbild seine Zuschauer schockt, fesselt, anekelt und oftmals auch hinters Licht führt, sorgt der neuste Streich Robert Kirkmans lediglich für berechtigte Zweifel.

Kyle Barnes (ein ziemlich gebrochener Patrick Fugit) hat alles verloren: Frau, Kinder, Mutti, sein gutbürgerliches Leben in einem typisch amerikanischen Kuhkaff – und seinen Glauben. Schuld daran sind Dämonen die den stillen Mann nicht nur in seiner Jugend, sondern auch im Erwachsenenalter immer wieder heimsuchen und nicht nur ihn, sondern auch seine Liebsten in den Höllenschlund ziehen möchten.  Aus diesem Grund macht sich Barnes mit einem militanten Pfaffen (ein formidabler Philip Glenister) auf, sich dem Bösen zu stellen, das sich nur allzu sehr auf den Aufprall zu freuen scheint. Je weiter Barnes und sein gottesfürchtiger Begleiter nämlich die Stufen ins Dunkle hinabsteigen, desto klarer wird den beiden Gotteskämpfern: Barnes ist zu Höherem berufen. Zumindest nach Ansicht der Höllenbewohner.

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Ein richtiger Plot? Ich bin so glücklich, Robert Kirkman!

Der Kackstift ist nicht zum Schreiben da

Ist Outcast Horror? Ja, ohne Zweifel. Macht Outcast  auch Angst? Nein, ganz und gar nicht. Vielmehr versuchen Robert Kirkman und sein Team eine Klimax der ständigen Bedrohung aufzubauen – durch asymetrische Kamera-Bilder, gekonnte Lichtsetzung, trostlose Farben – und ein gemächliches Erzähltempo.

Wie auch schon in seinem TV-Schlager The Walking Dead lassen sich Kirkman und Co viel Zeit Barnes und seine Geschichte zu etablieren. Anders jedoch als im Verlaufe der Zombie-Serie geradezu einschläfernden Erzähl-Struktur, vermag es Outcast schon in den ersten Folgen die Spannungs-Schraube anzuziehen und einen Plot zu teasern, für den man sich auch wirklich interessieren kann.

Geschuldet ist das einem Mann, der so vertraut wie bedrohlich daherkommt: Brent Spinner (ja, Data aus Star Trek) ist der große Strippenzieher des Bösen und seine Figur Sidney so düster wie diabolisch. Insbesondere ab Folge vier, wenn dem Zuschauer langsam aber schmerzlich klar wird, dass Kyle Barnes‚ kindliche Erfahrungen mit dem Dämonischen alles andere als Zufall waren und die ständige Wiederkehr der körperlosen Bedrohung Teil eines großen Plans der Unterwelt ist, bekommt Spinners Auftreten eine Wucht, die an Serien-Antagonisten wie den rauchenden Mann aus den X-Files oder Ben Linus aus Lost erinnert.

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Scheiß Trekkies!

Willste auf die Fresse, Satan?

Mal abgesehen von einigen Klischees – Dämonen in Form schwarzer Materie oder Genre-typischer Jumpscares – ist Outcast alles andere als Stangenware. Robert Kirkman gelingt es in seiner Geschichte nämlich wunderbar verstaubte Exorzismus-Mythen und modernes Geschichtenerzählen miteinander zu verbinden und schickt somit zwei Protagonisten in den amerikanischen Kleinstadthorror, die nicht mit Kreuzen und Weihwasser gegen das Böse kämpfen, sondern wortwörtlich mit Fäusten: Outcast ist eine Kneipenschlägerei, bei der Rosemary und Pazuzu ungehemmt an der Bar flirten.

Wer beim Binge-Watching auf Lacher oder Sympathie verzichten kann und seine helle Freude mit Trostlosigkeit und Verzweiflung hat, wird Outcast lieben. Alle anderen sollten einen großen Bogen um dieses Horror-Bollwerk machen… Dieses Werk ist einfach nur kuntergrau!