Panic! At The Disco – Death Of A Bachelor

„Death Of A Bachelor“ ist alles, nur nicht gelungen. Die Stilrichtungen sind wild vermischt, unentschlossen ausgewählt und dämlich dargeboten....
Panic_at_the_Disco_Death_of_a_Bachelor_Review

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Irgendwie waren sie ja schon mal witzig. Zirkusattitüde, schwingende Hüte und Emoanleihen, als Emosein noch Underground war. Das war 2005 zumindest noch der Fall. Panic! at the Disco sind ursprünglich damit bekannt geworden, ein gut verkaufbares Produkt aus Rock, Pop und Emo an den Mann oder die Frau zu bringen. Ihr Debüt war dabei noch einfallsreich mit Streichern und anderen nostalgisch anmutenden Klängen untermalt und mit bunten Videoprojekten gespickt.

 

Doch was zur Hölle sucht uns auf „Death Of A Bachelor“ heim? Während „Victorious“ aus den Kopfhörern ballert und dabei die wohl gruseligste Form eines Album-Openers offenbart, die ich jemals zu Gehör bekommen habe, graut es mir schon zu Beginn vor den noch ausstehenden zehn Tracks.

Huiiiii, bitte noch ne‘ Runde

Erst im vergangenen Jahr hat das Besetzungskarussel von Panic! At The Disco aufgehört, sich zu drehen. Was übrig blieb, war ein Duo und eine ungewisse Zukunft.

Die letzte Platte, die das mittlerweile fast alleinstehende Bandmastermind Brendon Urie fabriziert hat, ging jedem Freund von grauenhaft launischem Synthiepopgedudel runter wie Öl.

Jetzt gibt es für Liebhaber seelenlosen Popgewummers Nachilfestunden in Sachen unbedeutender Überproduktion mit vielfältigem Genreeinfluss.

„Don’t Threaten Me With A Good Time“ beginnt, ganz im Stil der Siebziger, fast schon dramatisch, lässt dann aber mit Knallerzeilen wie „Alright, alright, it’s a helluva feeling though […] champagne, cocaine, gasoline and most things in between“ die Nackenhaare nur so vor Grauen sprießen. Brrr. Da ändert auch das ebenfalls retrophile Gejammer in „Hallelujah“ nichts an der Tatsache, dass sich neu erfinden nicht immer gut für’s Musikerimage ist.

Songwriting

Brendon Urie geht beim Songwriting gerne neue Wege…

So, jetzt mal bitte alle blasen

„Emperor’s New Clothes“, der Titeltrack oder „Crazy=Genius“ wälzen sich anschließend einmal quer durch sämtliche Soul-, R’n’B- und Danceeinflüsse, die die Band in den letzten Jahren mit ständig wechselnder Besetzung aufgesaugt hat. „LA Devote“ ist einfach nur noch anstrengend – „Golden Days“ ist da schon fast ein Lichtblick in Gestalt eines spannend arrangierten Popstücks mit einem dezenten Hauch Bläsereinsatz.

Doch direkt im nächsten Track („The Good, The Bad And The Dirty“) geht es wieder bergab. Über „House Of Memories“ möchte ich aus Furcht vor meiner ausgeprägten Fantasie nicht sprechen.

Zum Glück gibt es noch „Impossible Year“, in dem Uries Stimme endlich aufgehört hat, Emo zu sein, sondern einfach nur im Stil eines anständigen Gentleman singt.

Versuchen

Naja, einen Versuch war’s wert…

Nix los im Berghain, dem Drecksladen!

Death Of A Bachelor“ ist alles, nur nicht gelungen. Die Stilrichtungen sind wild vermischt, unentschlossen ausgewählt und zu allem Überfluss auch noch ungeschickt dargeboten.

Das Songwriting ist schlichtweg billig („The cut of your love never hurts, baby, it’s a sweet butter knife“) und die Samples wurden stümperhaft und lieblos zwischen die Zeilen geklatscht.

Nur der Name macht jetzt endlich Sinn, denn nach diesem Feuerwerk der zusammengeschusterten Launen bleibt jede Disko trocken.

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    Auch feini fein