Kim Kardashian im Metallica-Shirt? Angela Merkel im Coffeeshop? Parkway Drive im schlecht gelaunten Interview? Manche Welten scheinen einfach unvereinbar. Aber das lassen wir Babys nicht auf uns sitzen. Was nicht geht, wird gehend gemacht. Oder so. Und schon kommt die Sensation: Parkway Drive sind im wahren Leben nämlich voll am fiese Gedanken tun. Korruption, Bomben, Selbstmord, man, dieser Schreihals Winston McCall kennt Wörter. Richtig, der liebe Kerl, der euch auf Instagram mit sonnigen Surfbildern und stählernem Sixpack imponiert, hat ganz schön was in der Birne. Als Winston mit wackelnden Äuglein aber sagte „es macht mich traurig“, fühlten wir uns ganz schön schuldig. So sehr wollten wir den Strahlemann dann doch nicht als das entlarven, was er eigentlich ist – ein fast ausgestorbenes Relikt alter Hardcore-Tage. Emo *hust. Um aus der Nummer wieder rauszukommen, halfen nette Anekdötchen über Fürze, Kotze und Knallkörper.

 

Also, warum wir gerade euch Früchte der Sonne ins schlecht gelaunte Interview zerren, das habt ihr euch selbst eingebrockt. Immerhin heißt euer neues Album „Ire“ – also „Zorn“.

Wir sind sehr positive Menschen, ja, aber auch nicht blind und keine Idioten. Die Welt wie die Menschheit sind in schlechtem Zustand. All die Dinge, die die westliche Welt als gegeben ansehen – Freiheit, Rede- und Meinungsfreiheit, Demokratie – werden selbstgefällig hingenommen. So sehr, dass wir Korruption, Hass und schlicht Falsches aus Bequemlichkeit akzeptieren und uns zurücklehnen. Wir müssen wütend werden! Wir werden im Glauben gelassen, nichts tun zu können. Unser demokratisches System, von dem wir glauben, es wäre das beste, ist defekt. Wir lassen all diese schrecklichen Dinge zu, lassen die Welt leiden. Wir müssen wütend auf andere und uns selbst sein, deswegen heißt unser neues Album „Ire“. Genug ist genug.

 

 

Also meint „Ire“ im Prinzip nicht Zorn, sondern Zuversicht?

Yeah, genau. Was kann jeder tun? Uns wird so oft gesagt: „Reg dich nicht auf!“ Wir folgen, und die Dinge werden schlimmer. Wir gehen auf Festivals, haben einen Flachbildschirm zu Hause, aber auf der anderen Seite des Erdballs gibt es jemanden, der sich kein Essen leisten kann. Unser gesamtes Ökosystem wird ausgerottet, weil irgendeine Person einen Haufen Kohle macht. Das muss uns bewusst werden, um es zu ändern.

 

 

Raffen das eure Fans, wenn ihr als surfende Sonnyboys aus Australien auftretet?

Das ist der Unterschied. Weil wir so positive Menschen sind, fällt die Verbindung leichter. Negativität und Wut beschreiben uns nicht, wir können so fühlen, müssen deshalb aber keine schlechten Menschen sein.

 

 

Hast du von Donald Trump gehört, der eine Mauer zwischen den USA und Mexiko errichten will?

Ja, das ist alles so wahnwitzig. Aber all das kann eben passieren, weil manche Menschen Geld haben und uns gesagt wird: „Entweder du hast es oder nicht und du kannst nichts dagegen tun.“

 

 

„…alle Weltführenden.“

 

 

Gibt es noch jemanden außer Donald Trump, dem du gern in die Fresse treten würdest?

Haha, fast alle Weltführenden, um ehrlich zu sein. Jedem, der sich über eine andere Person stellt. Jedem, der seinen Beitrag zum Weltgeschehen als Berechtigung nimmt, andere zu unterdrücken. Eines der Dinge, die mich wirklich wütend machen, ist der Fakt: Menschen können nicht mal in ihren eigenen Raum fliehen, ohne von anderen terrorisiert zu werden. Kinder wachsen in einer Welt auf, in der Gewalt im Internet stattfindet. In seinem Schlafzimmer kann man sehen, wie Menschen enthauptet werden. Stell dir vor, du bist ein Kind, das in der Schule verdroschen wird, nach Hause kommt und selbst da nicht mit anderen kommunizieren kann, weil es online gemobbt wird. Was macht das mit unseren zukünftigen Generationen?

 

 

Du wirkst nicht wie ein typischer Online-Mensch.

Ich habe kein Facebook. Facebook schmiss mich raus, weil sie dachten, ich wäre fake. Ich habe aber Instagram und Twitter. Das Internet ist absolut unglaublich, das wundervollste Kommunikationsinstrument, das die Menschen je erfunden haben. Es nervt mich nur, wie diese wundervollen Medien genutzt werden. In den meisten Menschen bringen sie das Schlimmste hervor. Und dann die Phrase: „Es ist doch nur das Internet“. Sag das einem Kind, das sein gesamtes Leben misshandelt wurde, keine Fluchtmöglichkeit findet und sich dann das Leben nimmt. Es macht mich traurig, dass aller technischer Fortschritt bösartig genutzt wird. Menschen erfinden Flugzeuge und dann, wie man Bomben dran befestigt, um andere auf der Welt zu zerstören. Jeder will seinen Fetzen Ruhm.

 

 

Was kann deinen Tag schon früh morgens versauen?

Von einem Furz aufzuwachen, haha. Wenn du mit 16 Leuten im Bus lebst, wachst du zweifellos mit diesem Geräusch und Gestank auf. Das ist das Schlimmste. Du denkst, das wird der beste Tag deines Lebens – und dann stinkt es nach Scheiße.

 

 

„Ich wachte bedeckt von Kotze auf“

 

Was war dein schlimmster Kater?

Ich habe nicht mehr getrunken, seit ich 19 Jahre alt war. Ich ging mal völlig betrunken zur Geburtstagsparty eines Freundes, weil ich dachte: „Yeah, Geburtstagsparty!“ Aber das bedeutete eigentlich ein Dinner im Haus seiner Freundin. Ich saß völlig voll vor diesem schönen Dinner, taumelte umher, jeder schaute mich an und schließlich kotzte ich. Ich nahm meine Hände hoch und die Kotze flog seitwärts dem Typen neben mir direkt ins Auge. Ich sagte, ich müsste gehen, kotzte das ganze Schlafzimmer voll, stolperte runter und fiel mit dem Gesicht zuerst in den Garten, wo ich einschlief. Ich habe mich kein Stück mehr bewegt, also haben sie mir eine Decke übergeschmissen. Ich wachte bedeckt von Kotze auf. Haha, es gibt einen Grund, warum ich nicht mehr trinke.

 

 

Stark, dann wird die nächste Frage sicher auch zünden: Was war die dümmste Entscheidung, die du bei einer Party getroffen hast?

Einen Böller in meiner Hand zu halten, während die Zündschnur brannte. Ich war betrunken an Silvester auf Hawaii. Jemand schmiss mir einen Knaller ins Auto, da dachte ich, es wäre wie in den Filmen – der Böller sprengt das Auto in die Luft! Ich griff nach unten, hatte ihn und BOOM! Meine ganze Hand schwoll an, die Haut löste sich ab, Blut sprudelte. Ich stammelte nur: „Es ist alles okay, ich kann nichts fühlen.“ Seitdem meide ich jedes Feuerwerk.

 

 

Was ist das Verrückteste, das ihr auf den Tour-Rider packt?

Socken. Kokoswasser, wenn das verrückt ist? Die anderen sind süchtig danach, ich hasse es. Du bist enttäuscht? Was hast du erwartet, Drachen?

 

 

„Der Selfie-Fan!“

 

 

Was ist dein Lieblingsschimpfwort?

Fuck. Ich weiß nicht, warum. Ich fluche auch gar nicht so viel, außer wenn ich vor Leuten auf der Bühne stehe. Meine Frau oder meine Eltern ermahnen mich dann immer, wie viel ich denn fluche. Ich kriege das nicht mal mit.

 

 

Welcher Typ Fan kotzt dich so richtig an?

Der Selfie-Fan. Die, die auf die Bühne klettern und versuchen, ein Selfie mit dir zu machen. Das ist DAS neue Ding. An sich finde ich Selfies okay, aber sich jemanden auf der Bühne zu greifen, der gerade versucht, zu performen, ist das Selbstsüchtigste, was man machen kann. Wie sieht das für den Rest aus? Außerdem ist es schwer, zu singen, wenn dich jemand festhält und dich herumschubst. Sie haben mir schon das Mikro aus der Hand gehauen und es mir voll auf den Zeh geschmissen. Sie versuchen nicht mal mehr, ins Mikro zu singen. Zehn Jahre früher ging es nur darum. Jetzt geht es nicht mehr um den Moment, sondern um Instagram. Es schert sie nicht, was abgeht, sondern die Likes, die sie später bekommen.

Wie scheiße findest du es, Interviews zu geben?

Sie sind okay. Es ist echt schön, wenn sich jemand so sehr für mich interessiert, dass er mit mir reden will, haha. Ich wäre sehr besorgt, wenn es keine Interviews gäbe. Es ist heute echt selten geworden, dass ich beschissene Interviews führen muss. Es ist viel einfacher, wie hier, persönlich zu reden, statt übers Telefon. Am Anfang von jedem Albumzyklus machen wir ein Interview wie das andere.

 

 

Warum heißt euer Album nochmal „Zorn“? Warum heißt ihr eigentlich Parkway Drive?

Haha, ja, genau. „Wie war es, mit Adam D aufzunehmen?“, „Was habt ihr bisher so getrieben?“, jedes Mal. Wenn ich das zwei Stunden lang mache, frage ich mich, warum ich nicht einfach die ersten Antworten aufgenommen habe und jetzt abspiele. Es ist ja nicht der Fehler der Interviewer, sondern dass man nicht persönlich miteinander spricht.