Penny Dreadful – Staffel 3

Indianer, Werwölfe und ein komischer Typ namens Dracula: Penny Dreadful ist auch in Staffel 3 ein Angriff auf die Schmerzgrenze der Kitsch-Toleranz....
Penny-Dreadful-Staffel-3-Review

Ohne jegliche Übertreibung: die erste Staffel Penny Dreadfuls gehört wohl zu dem Besten, was Fernsehen in den letzten 10 Jahren hervorgebracht hat. Eine Story so grimmig wie finster, Charaktere, die füreinander heulen, bluten und abschlachten und eine Hauptdarstellerin, die es verdient für jede einzelne Szene einen Emmy (vielleicht auch schon Bambi für ihr Lebenswerk) zu gewinnen. Penny Dreadful war die Offenbarung für jeden Horror-Liebhaber fernab von Kinder-Unterhaltung a la Supernatural oder Vampire Diaries. Bis die zweite Staffel kam und die Geschichte um ein Besessene, einen Werwolf, Dr. Frankenstein und Dorian Gray immer mehr in den Suspense-Kitsch abrutschte. Staffel 3 bildet da keine Ausnahme.

 

Penny Dreadful knüpft in seiner dritten Ausgabe nahtlos an die Ereignisse aus Staffel 2 an: Die Borderline-Hexen von London haben ausgeritzt, Teufelsliebchen Vanessa Ives (Eva Green) ist depri, weil es nichts mehr zu tun gibt und ihr Revolverheld-Romeo und Schoß-Werwölfchen Ethan Chandler (Josh Hartnett) ist auf dem Weg nach Hause in den „Wilden Westen“ Amerikas. Die Anti-Dämonen-Einheit hat sich also zerschlagen. Was jedoch nicht bedeutet, dass Vanessa und Co nun ihren Lebensabend mit Portwein und Bridge verbringen können, sucht nach der von den letzten Ereignissen stark gezeichneten Vanessa ein mysteriöser Mann… Und dieser trägt den exotischen Namen „Dracula“.

Dreadful-Frankenstein

Die Produzenten sagen: „Latsch durch die Arktis“… Also latsch ich durch die Arktis!

Afrika oder Amerika? Hauptsache Italien!

Penny Dreadfuls Stärke war es bislang nicht nur historische Horrorfiguren mit Leben zu füllen, sondern dieses auch so unerträglich wie möglich zu gestalten: Vanessa Ives Exorzismus in Staffel 1, das Liebesmartyrium von Frankensteins Schöpfung oder Sir Malcolm Murrays (Timothy Dalton) Ringen mit dem Teufel um die Seele seiner Tochter, waren nicht nur äußerst spannend, sondern taten dem Zuschauer auch oftmals richtig weh – visuell, wie auch erzählerisch.

Nun scheint es jedoch, als hätten die Macher hinter der Horrorserie ein wenig den Faden verloren. Ja fast schon wirkt es ein wenig, als wollten John Logan und James Bond-Regisseur Sam Mendes die Serie auf einen kleinen Neustart vorbereiten. Glänzte die Serie in seinen ersten Episoden noch durch düstere Klaustrophobie im Mikrokosmos von Londons viktorianischen Straßen, verliert Penny Dreadful mit Ausdehnen des Plots nach Amerika, Afrika und in die Arktis nun auch stark an seiner mitreißenden Beklemmung – und verbreitet so ein völlig neues, fast schon abenteuerliches Flaire.

Mr. Hyde als Lianen-schwingender Schatzräuber im Stile von „Uncharted“ oder Frankensteins Monster als Peitschen-schwingende Ablöse für Harrisson Ford; Uns schwant da übles…

 

30 Shades of Ugly

Auch Eva Greens Charakter ist von diesem erzählerischen Wandel nicht unberührt. Von der undurchsichtigen, aber sexuell äußerst reizvollen Teufelshure, ist Vanessa zu einer selbstmitleidigen Satanswitwe mutiert, die trockenes Brot vom Boden ihrer verwahrlosten Bude knabbert, wie David „Schlucke“ Hasselhoff in seinen schönsten Vollsuff-Burger-Videos. Das soll schocken – nach zwei Staffeln intensivster Kämpfe gegen das Böse – lässt den Zuschauer jedoch nur gähnen.

Da hilft es auch nicht mit Dracula einen neuen Antagonisten auf die einstmals schöne Vanessa Ives loszulassen, der einen wahrlich perfiden Plan verfolgt. Insbesondere nicht, wenn sich dieser schon in Folge 2 als jener zu erkennen gibt. Suspense und Thrill funktionierten bei Penny Dreadful schon schon besser.

Eva Green

Ja, ich bin auch latent verwirrt.

Nicht wirr, nur nicht nicht wirr

Das größte Problem, dass dieses Horrorepos jedoch haben dürfte, ist das Einführen mehrer Handlungsstränge und Personen, die in Staffel 1 noch wunderbar verknüpft wahren, nun aber komplett von der Leine gelassen werden… Und dem Zuschauer so einiges abverlangen.

Das Finale dieser dritten Staffel haben wir noch nicht gesehen, aber wir halten es auch in dieser Ausgabe für äußerst fragwürdig eine Antwort auf Frankensteins Liebe zu seiner Ms. Monster zu erhalten, warum Ethan Chandler ein texanischer Werwolfsindianer ist und was Dorian Gray überhaupt in dieser Serie verloren hat – mal davon abgesehen, dass er und seine Zombiegeliebte irgendeine Armee aufbauen wollen, um alles und jeden leiden zu lassen.

… Und mit DraculaDr. Jekyll, einer Hypnose-Psychaterin, einem Schamanen aus Chandlers Vergangenheit, Draculas Anhängern, allerlei Cowboys und einer Ritze-Hexe, die Staffel 2 überlebt hat, sind nun auch noch weitere Charaktere in den Fokus gerückt, deren Motive natürlich erst Mal im Verborgenen bleiben – und sich nur viel zu schleppend dem größeren Ganzen offenbaren.

Da verliert man schnell den Überblick und neue Handlungsorte wie Chandlers Reise nach Amerika oder die Suche von Frankensteins Monster nach seiner Familie besiegeln da nur noch die endgültige Verwirrung… Oder mit anderen Worten: „Was soll das… Alles?“

 

Nur mit einem Ganzkörperkondom!

Auch in Staffel 3 behält Penny Dreadful seinen Weg bei: Oscar-reife Darstellungen der meisten Beteiligten, ein tiefschwarzes, blutrünstiges Story-Setting und leider auch eine weitere Stufe in den Sumpf der televisionären Verschwurbeltheit.

Man könnte fast meinen, dass die Macher hier selbst versuchen ihre Zuschauer zu verhexen… Mit wirren Erzählsträngen und einer Eva Green, wie sie unbumsbarer nicht sein könnte.

Bitte gebt ihr doch wenigstens den Kajal zurück… Und Josh Hartnett einen Nassrasierer!? Wir wissen doch, dass ihr es könnt.

Themen
Horror

Dieser freundliche Bursche schreibt sehr schöne Artikel. Weil er selbst sehr schön ist. Und schöne Dinge sehr mag. Und dieses sehr schöne Mag betreibt... Zudem wäre er sehr gerne kein Einhorn, jedoch sehr wohl ein Musketier. Sehr Paul McCartney hat er auch schon Mal getroffen, kam aber sehr viel zu spät...Cocaine is eben a sehr hell of a drug... Sehr am Ende? Er fängt doch erst an, sehr geehrte Bitch. Schreib mir: flo@igittbaby.de
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Auch feini fein