Ich zitiere einen Charakter aus Sonys Comic-Epos „Powers“, dessen Aussage diese Serie nicht besser beschreiben könnte: „Ich vergesse manchmal, dass ich von Arschlöchern umringt bin.“ Und das trifft nicht nur auf die wahrlich unsympathischen Charaktere dieses TV-Wirrwarrs zu, sondern auch auf die Schreiber, Producer und das Special-Effects-Team dieser Serie. Powers ist die verfilmte Arroganz.

Police-Officer Walker (Sharlto Copley) und seine noch frische Kollegin Pilgrim (Susan Heyward) jagen Menschen mit Superfähigkeiten. In einer Welt, in der Superfähigkeiten nichts besonderes sind. Besonders Walker ist sehr gut in seiner Aufgabe, war er doch selbst mal kostümierter Superheld namens Diamond, der nach Verlust seiner Kräfte ins Morddezernat des normalmenschlichen Pöbels wechselte. Und darüber ist Walker alles andere als happy.

 

Sympathisch wie ein Zahnarzt

Selten gab es eine Serie in der seine Hauptprotagonisten unsympathischer daherkamen als in Staffel 1 von Sony Online-Serie. Um ehrlich zu sein, war es insbesondere Copleys Darstellung seines gefallenen Superhelden, die es einem schlichtweg unmöglich machte dieses ambitionierte Projekt zu „mögen“. Viel zu grimmig und streckenweise asozial prügelte, schrie und miesepeterte sich Walker durch mal mehr und mal weniger interessante Superhelden-Krimigeschichten. Das Problem: auch seine Partnerin Pilgrim, die, bei gesunder Schreibarbeit, dieses Ungewicht der Antipathie eigentlich ausgleichen sollte, ließ regelmäßig eher die Faust ballen als das Herz aufgehen. Die erste Staffel Powers war ungefähr genauso schön anzusehen wie Lehrvideos von Wurzelbehandlungen.

Für Staffel 2 sollte alles besser werden, versprachen die Macher. Bessere Charakterentwicklung und eine Story, die stringent und nachvollziehbar ist – auch für Nichtkenner der Comicvorlage. Dies ist leider jedoch nur bedingt gelungen.

Powers Sharlto Copley
Aaaaah, sympathisch muss man also wirken, um gemocht zu werden…

 

Ja, Atombombe und weiter?

Mal abgesehen von den schlechtesten visuellen Effekten im Fernsehen (überhaupt!), einer Storyline, die keine ist – einen richtigen Antagonisten gibt es nicht und der Held hat keinerlei Motive oder Antriebe außer Selbsthass – und erzwungener Sozialkritik in Form von Fragen wie „Was passiert, wenn Superhelden sowas wie Superstars wären“, ist es das Auslassen großer Chancen interessanter Thematiken: wenn beispielsweise die große „Heldin“ Retro Girl aus Staffel 1 ermordet wird, muss die Gesellschaft das erste Mal erfahren, wie es ist ohne einen „Superman/Girl“ zu leben.

Ein wahnsinnig emotionaler Knall in der Welt von Powers, der in dem verwaschenen Storytelling lediglich angerissen wird. Schade ist das und in Staffel 2 nicht viel besser. Obwohl sich alles um diesen schweren Schicksalsschlag und die Aufklärung dessen drehen sollte, verliert sich Powers immer wieder in einbahnstrassigen Seitenplots oder folgt Charakteren, die einfach nichts voranbringen.

 

 

Gut kopiert ist gut gemacht

Powers muss dringend von seinem hohen Ross steigen – Sony kündigte die Serie als nächstes großes Ding an – und sich darauf konzentrieren was Netflix‘ Comicverfilmungen so stark gemacht hat: Fokussierung auf die Entwicklung der Charaktere – und ein größeres Ganzes.

Klar, in Staffel 2 ist die Geschichte der Superhelden-Cops nicht mehr ganz so verwirrend, aber dennoch: diese Serie fühlt sich an, als hätte ein halbglatziger  Mathematiklehrer verloren im Selbsthass versucht eine coole Serie zu schreiben. Und mal ehrlich: die mochte damals auch niemand… Staffel, ohne mich.