Ein Priester wird von einem Wesen befallen, das halb Dämon und halb Engel ist und das macht diesen latent depressiven Pfaffen so unberechenbar wie ein sexuell frustriertes Hausmütterchen zum Frühjahrsputz… Freut euch auf die schönste Erfahrung, seitdem euch endlich bewusst ist, dass alle Religionen scheiße sind.

Jesse Custer (ein charismatischer Dominic Cooper) war ein richtiges Gaunerle. Dieses Leben hat der stille, aber stets in sich brodelnde Sohn eines Pfaffen jedoch abgestreift und verdingt sich sein tristes Leben nun ebenfalls als Priester in einer kleinen texanischen Gemeinde… Bis eines Tages ein körperloses Wesen namens Genesis auf den Plan tritt und Jesse als neuen Wirt erwählt. Und das macht den Pater nicht nur verdammt aggressiv und unberechenbar, dies ruft auch einen irischen Alki-Vampir mit Hang zu harten Drogen und schmutzigem Sex, einen hunderte Jahre alten Killer, die Engels-Polizei und jede Menge skurille Typen auf den Plan. Der Grund: Gott will den „Bastard“ Genesis aus dem Weg räumen… Und damit leider auch Jesse, der da nicht so wirklich Lust drauf hat.

Preacher ist keine Massenkost. Ich meine, einer der sympathischsten Charaktere ist ein Typ, der versucht hat sich mit einer Schrotflinte umzubringen und dessen Gesicht nun eine Narbe ziert, die wie ein überdimensionales Arschloch aussieht. Dies umschreibt zwar wunderbar, welchen Tonus dieser spirituelle Horrorwestern anschlägt, aber „Arseface“ ist in Sachen Skurrilität keineswegs das Highlight dieser Serie: Seth Rogens Comicadaption weiß immer noch einen draufzulegen – mit der vollen Schippe kreativer Einfälle.

Dem Arschgesicht stehen nämlich noch Jesses bester Freund Cassidy, ein irischer Vampir mit latentem Alkoholismus und emotionalen Problemen sowie „Der Heilige der Killer“ gegenüber, der schon im wilden Westen im Namens Gottes Köpfe jagte und den eine Stinkwut auf die Menschheit bis ans Ende aller Tage anzutreiben scheint.

Ein Sondereinsatzkommando des Himmels, ein „diabolischer“ Geschäftsmann, Jesses Ex – eine Diebin mit Herz und Wut – verkommen da fast schon zu Randfiguren… Mit denen andere ganze Serien füllen.

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Vampirwissen 500, bitte: Was sind Bratwurstfinger?

Gott, isch däs brudal!

Italo-Western, Kirchen-Thriller, Horrorfest, Familiendrama, Drogeninzestromanze – Preacher will alles sein und ist doch so viel mehr. Die staubigen und der Sonne gebleichten Bilder zeigen uns gebrochene Charaktere, die nicht nur innerlich zerrüttet sind, sondern oftmals auch deren Umfeld.

Die Stärke von Preacher sind ganz klar die wahnwitzigen Charaktere mit ihren Spleens und offensichtlichen Fehlern, die in einem Setting zwischen Spiel mir das Lied vom Tod und Oliver Stones Kultroadmovie U-Turn nicht unpassender sein könnten – und so doch eine Szenerie schaffen, in der man sich wohl fühlt… Trotz ständig brechender Knochen, religiös motivierten Massenmorden und einem heiligen Killer, der es liebt seine Opfer kopfüber zum Ausbluten an Bäume zu knöpfen.

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Was ist das für 1 Priester-Life?

Tu das mal gucken!

Über die Story sei nicht zu viel verraten, denn diese funktioniert tatsächlich am besten, wenn man ohne jegliches Vorwissen in die Welt von Jesse Custer abtaucht. Sowieso ist die Geschichte Custers viel zu komplex, um sie in kurze Worte fassen zu können. Und zu episch obendrein. Nur so viel sei verraten: Dieser Priester und Gott werden keine Freunde mehr – und das wird der alte Mann im Himmel auch zu „spüren“ bekommen.

Wer extreme Gewalt im Fernsehen mag, Kirchen maximal besucht, um mal kurz die Toilette zu benutzen oder einfach mal sehen möchte, wie sich Gott, Satan, Engel, Dämonen, ein Vampir, ein unsterblicher Killer und ein Priester wahrlich wortwörtlich die Fressen breiig hauen, der wird Preacher „vergöttern“!

Viele haben über Seth Rogen gelacht, als dieser ankündigte dieses als unverfilmbar geltende Kult-Comic verfilmen zu wollen. Und all dieser Lacher dürften nun verstummen: Diese Serie ist nämlich jetzt schon Kult. Und eine der besten der letzten Jahre.