PRINZ PI im schlecht gelaunten Interview :(

Prinz Pi kennt eine Menge Dinge, die ihm auf den Keks gehen. Dinge, Menschen, Zustände - alles mögliche eben. Am meisten hasst er aber Hipster!...
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Prinz Pi kennt eine Menge Dinge, die ihm auf den Keks gehen. Dinge, Menschen, Zustände, alles mögliche eben. Am meisten hasst er Hipster, obwohl er eigentlich weiß, dass auf der Welt viel schlimmeres vor sich geht als Negroni trinkende Vollspasten, die sein Berlin immer noch besetzt halten. Aber Prinz Pi ist eben auch nur ein Mensch. Und immerhin einer der angenehmen Sorte, die das auch zugeben. Auf seinem neuen Album „Im Westen nix Neues“ zeigt er, dass Rap auch clever, hintersinnig und mit Anstand geht. In unserem schlecht gelaunten Interview irgendwie auch. Lass es raus, Fritz.

 

Wer war das Arschloch 2015?

2015 war für mich das nervigste Jahr überhaupt. Es sind viele furchtbare Sachen in der Welt passiert, aber auch in meinem privaten Leben gab es mehr als genug Arschlöcher. Doch das Arschloch 2015 war, dass mein Hund gestorben ist.

 

Was aus 2015 soll sich 2016 keinesfalls wiederholen?

Letztes Jahr hat sich vieles zugespitzt. Der Ton wurde schärfer und die Fronten haben sich verhärtet. Ich würde mir wünschen, dass sich das wieder abmildert, aber ich sehe es nicht. Es sieht eher nach einer Eskalation aus.

 

Was kotzt dich an unserer Gesellschaft am meisten an?

Wir unterstellen einer Gesellschaft wie der unseren ja gern eine gewisse geistige Beweglichkeit und Schlauheit, doch gerade offenbart sich, dass sehr viele Leute auf dumme rechte Parolen reinfallen, die ganz einfache Antworten auf komplizierte Fragen anbieten. Diese Leute springen bereitwillig darauf an, als hätten sie jahrzehntelang genau darauf gewartet. Die Kontraste sind so hart geworden, dass ich die ganze Gesellschaft am liebsten an der Gurgel packen und ihr eine Geschichtsstunde geben würde.

 

„Kunst ist für die Ewigkeit“

 

Ist das deine Verantwortung als Künstler?

Kunst hat nichts mit Politik oder politischer Verantwortung zu tun. Ich könnte auch hedonistische Musik machen und lediglich die Schönheit des weiblichen Geschlechts abfeiern. Kunst ist für die Ewigkeit gemacht, soll auch in 200 Jahren noch Bestand haben. Das Panorama, vor dem ich meine Sujets aufziehe, ist dennoch zeitgeistig, aber nicht, weil ich es muss.

 

Was stört dich an dir selbst derzeit am meisten?

Viele Dinge. Einer der größten Fehler ist sicherlich, dass ich oft nicht genug auf mich höre, um es anderen recht zu machen – Eltern oder Lehrern beispielsweise. Das ist bei mir zwar schon besser geworden, aber es könnte natürlich noch besser sein.

 

Was versaut dir schon morgens so richtig den Tag?

Neulich wurden an meinem Auto sämtliche Scheinwerfer abgeschraubt. Das ist natürlich ein typisch bürgerliches und irgendwie auch deutsches Problem, dass man sich darüber aufregt, und eigentlich sollte man sich dafür auch schämen. Aber was soll ich machen? Das war eben tierisch nervig und unnötig. Ich bin sogar losgefahren und wurde irgendwann von den Cops angehalten. Naja, die bessere Antwort wäre hier wohl gewesen, das sich mich darüber aufrege, weil Menschen irgendwo Leid erfahren müssen. Aber diese Hiobsbotschaften prasseln ja jeden Tag auf uns ein.

 

„…alles in mich reingefressen“

 

Was machst du, wenn du so richtig scheißwütend bist?

Mittlerweile lasse ich das alles im Boxring aus. Früher habe ich alles in mich reingefressen, das war nix.

 

Was an Berlin bringt dich regelmäßig zum ausrasten?

Der Verkehr! Außerdem gibt es in Berlin irgendwie auch einige nervige Menschen…

 

Auf welchen Typ Fan könntest du gut verzichten?

Die, die mir sagen wollen, was meine Musik eigentlich zu bedeuten hat. Für sie gibt es nur diese eine Wahrheit, von der sich auch nicht abrücken wollen.

 

„Ich höre eigentlich kein Hip-Hop“

 

Auf welchen Typ Interviewer könntest du gut verzichten?

Es gibt einen Satz, den ich nicht mag: „Ich höre ja eigentlich kein Hip-Hop, aber deine Platte finde ich eigentlich voll gut.“ Das kann ich nicht leiden. Hip-Hop gibt es seit den Achtzigern, ist ein unfassbar wichtiges Kulturgut und die weltweit erfolgreichste Musik. Zu sagen, man hört keinen Hip-Hop, ist gleichbedeutend damit, zu sagen, man interessiere sich nicht für moderne Musik. Ein Autotester kann doch auch nicht sagen, dass er eigentlich keinen Diesel fährt, aber dennoch mal ne Review darüber schreibt.

 

… Und auf welchen Typ Rapper?

Die, die sich und ihr ganzes Ding zu ernst nehmen. Für mich war Musik immer ein Ausweg in eine Welt, in der ich mich wohlfühle. Mit Musik kann man Brücken bauen, kann Leuten helfen. Das verbindet, auch über Sprachgrenzen hinweg. Musik nur dafür zu benutzen, sich gegenseitig zu beleidigen und Hass zu verbreiten, ist doch Irrsinn. Als gäbe es nicht genug Hass auf der Welt.

 

Was ist dein Lieblingsschimpfwort?

Knalltüte. Habe sogar schon mal eine Anzeige dafür kassiert, weil ich das schon mal zu einem Polizisten gesagt habe.

 

Klasse 9 bis 13″

 

Das Schlimmste am Erfolg ist…?

…dass alle Leute denken, man hat etwas geschenkt bekommen. Die sehen den Erfolg eines Albums, aber nicht die zehn Jahre, die man daraufhin gearbeitet hat.

 

Was war das Schlimmste an deiner Schulzeit auf dem Gymnasium Steglitz?

Klasse 9 bis 13.

 

Welches Klischee oder Vorurteil über dich macht dich richtig wütend?

Dass man mich als Hipster sieht. Dabei sind das all die anderen, die meinen Bezirk hier in Berlin besetzt halten und sich als Aggressoren all das abgeschaut haben, was ich immer schon so gemacht habe. Jetzt bezichtigt zu werden, meine eigene Fälschung zu sein, ist das Letzte!

 

Ne, mit Hipstern wollen wir natürlich auch nix zu tun haben… Ähäm… Guter Mann, der kleine Prinz!

Themen
Das schlecht gelaunte Interview

Nein, er wird deine lausige Band nicht in einem der zahlreichen Metal- und Rockmagazine unterbringen, für die er schreibt. Nein, du musst gar nicht erst auf die Idee kommen, ihm auf einem "Festival-Konzert-Besäufnis" ein mies produziertes Demo deiner ekelhaften Kellerkombo in die Hand zu drücken. Fliegt eh' gleich auf den Müll oder wird von einer befreundeten (natürlich erfolgreichen) Band dazu benutzt, ein paar Lines vor dem Gig zu legen. Nein, er wird niemals aufhören, Röhrenjeans zu tragen. Und wenn es nur deswegen ist, weil er in ihnen viel besser aussieht als Du. Liebe.
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    Auch feini fein