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Der König ist tot, lang lebe der Prinz – mit „Im Westen Nix Neues“ meldet sich der vermeintliche Thronfolger nach seiner Irrfahrt mit einem beschädigten Kompass zurück. Frei nach dem Motto: Wenn Jack Sparrow mit einem schrottreifen Navigationsinstrument einen Schatz finden kann, kann ein Royal das schon lange. Wer beim Titel des Albums schon vor einer tiefschürfenden Geschichtsstunde, oder einer heiß geführten Diskussion über den East- und West-Coast Konflikt Angst hat kommt mit dem Schrecken davon.

 

Im Gegensatz zum einschlägig bekannten Film mit dem selben Namen – nur korrekt hochdeutsch geschrieben – übt der neueste musikalische Langspieler aus der Feder des Berliners keine Kritik an den Schrecken des ersten Weltkrieges, sondern mosert an der verschwenderischen und unreflektierten Lebensweise der westlichen Welt herum.

Auf 16 Tracks verteilt geht Prinz Pi – der mit bürgerlichem Namen Friedrich Kautz heißt – mit der scheuklappentragenden Kultur der Big Player des Abendlandes ins Gericht.  Nach seiner langwierigen musikalischen Findungsphase scheint er mittlerweile seinen Sound gefunden zu haben.

Viele akustische Instrumente und komplexe, teils verkopft wirkende Beatwürmer – diese Biester, die sich selbst ohne Kopf noch Winden und Zucken – begleiten den Rundumschlag gegen Kritiker, Hipster, Nicht-Hipster, Konformisten, das Musik Business und die Generation Berghain.

Merkel
„Ist die neu? Dann möchte ich die hier nicht haben!“

Zu viele Porno-Prinzen hat das Land

Während mittlerweile gefühlt jeder zweite abgehalfterte Hobby-Lude einen Adelstitel sein Eigenen nennen darf, geht der ehemalige Zögling des Schmuddelfilms den umgekehrten Weg.

Nach und nach vollzieht sich die Abkehr von dem „Wer provoziert gewinnt“-Mantra und vollendet seine Metamorphose in einem ausgewachsenen Gesellschaftskritiker mit Hornbrille, Vollbart und Karohemd.

Die Vorliebe für das Royale scheint allerdings weiterhin zu bestehen, woraus sich die Frage ergibt, ob diese Dauerkritik eines Blaublüters würdig ist. Schließlich war es doch die Queen, die einst den Satz prägte: „Never explain, never complain.“ Allerdings ist die Monarchie auch schon seit Jahrzehnten entmann, entmachtet und von seinen einst so überdimensionierten Testikeln befreit.

Hitler Schön machen
„Das Prinzchen hat Recht… Der Papa bereitet sein Comeback vor…“

Einmal das Anti-Schnitzel vom Phrasenschwein zum Mitnehmen, bitte!

Wieso verdammt noch mal ist es so schwer, durchaus angebrachte Kritik an den Werten der heutigen Gesellschaft zum Ausdruck zu bringen, ohne dabei wie ein meckernder Stammtisch-Leierkasten zu klingen? Leider bleibt auch der „unbeliebte Junge mit der Kackfrisur“ die Antwort auf diese Frage schuldig.

Für die Zeile „Die besten Sachen im Leben sind keine Sachen“ würde ihn selbst Waldemar Hartmann mit gezücktem Weißbierglas zwingen, 50 Euro in die Hohle-Phrasen-Sammelbüchse zu werfen.

Sobald die Strafzahlung in kühlen Gerstensaft reinvestiert wurde würde man sich dann rührselig in die Arme fallen und feststellen, dass aus dem unbeliebten Jungen mit der Kackfrisur doch so viel hätte werden können.

Ist es aber leider nicht – und somit Im Westen Nix Neues. Gar nix.