Prinz-Porno-ppmc2-Review

[dropcap size=big]W[/dropcap]as wäre die Welt nur ohne Pornos? Vielleicht keine blauschimmernde Kugel des Lebens, sondern einfach nur ein alter, haariger Dauersack. In Flüssen schwämmen keine Forellen, sondern Spermien, das heilige Symbol der katholischen Kirche wäre wohl kein Zeichen der christlichen Aufopferung, sondern vielmehr das Sinnbild des unsteuerbaren männlichen Triebes in Form einer prächtig-adrigen Morgenlatte und die größte aller olympischen Disziplinen wäre nicht mehr der Zehnkampf, sondern schlicht und ergreifend der Deepthroat. Gott – oder besser Porno – sei Dank ist das ja nun nicht so. Wobei, das ist schon etwas schade. Den es gäbe da bereits einen Prinzen dieser neuen, besseren Weltordnung – und sein Werk pp=mc2 würde sich gut als spritzfidele Nackedei-Propaganda seiner herrlich versauten Herrschaft machen. Da würde es diese Schlampe von einer Musikindustrie ordentlich mit der Faust besorgt bekommen, die Rap-Szene bekäme nicht nur endlich den lang verdienten Plug in den Poppes, sondern auch den roten Ball in das lose Mundwerk und all die Hater würde man gezielt mit einem warmen Cum-Schüsschen zum Schweigen bringen. Und da der Pornoprinz von jeher noch nie einer war, der sich gerne berechnen ließ, könnte man am Ende dieses hautfarbenen Regenbogens von einer Fantasie sogar noch einen gut bestückten Liliputaner finden, der es einer dickbusigen Einhorn-Milf ordentlich mit einer Zuckerstange besorgt. Ich bin mir sicher, unter seiner Regentschaft wäre all das möglich.

 

Prinz Porno ist mit pp=mc2 ein klitzekleiner Paukenschlag gelungen. Fast wirkt die neue Scheibe des Berliners wie die erste Episode des allseits beliebten Milfhunter. Eben genau so, als wenn dieser ein wenig unbeholfen und auch ein kleines bisschen lächerlich „versucht“, fürsorgliche Busenwunder in sein spärlich eingerichtetes Apartment zu zerren. Dann hat das zwar keinerlei erotischen Schauwert, aber ein wenig fickelig wird man von seinen versauten Zwanzigminütern dennoch. Ein Hoch auf das billige Reinrausspiel. Und auch Prinz Porno beherrscht die Regeln dieses Games und weiß, dass er genau so seine alten Anhänger rundum verwöhnt: mit selbstbewusster Ironie, professioneller Amateurhaftigkeit und einem mächtig dicken Pimmel.

 

Der neue und der alte Prinz vereint?

 

Nein Schatz, Teebeuteln heisst nicht, dass Du Wasser heiß machen sollst!

Und nein, das hat überhaupt nichts damit zu tun, dass das hier klassischer Battle ist, sondern mit der Produktion dieser Scheibe. Schon im Opener „Für meine Feinde“ lässt Pis schlecht gelaunter Zwillingsbruder ordentlich die dicken Eier baumeln. Nicht nur, weil der Berliner Lines zückt, die einen regelrecht zusammenzucken lassen, sondern auch weil pp=mc2 nicht so klingt wie eine Platte heute klingen sollte. Gemutete Wurlitzer, klassische Samples und blecherne Beats machen diese Platte zu einem modernen Retro-Klassiker. Oder mit anderen Worten: Deutschrap hat das „Teebeuteln“ wiederentdeckt.

Ja, Du hast richtig gehört: Pi treibt es nicht mehr mit Mainstream-Liebesliedern und sprechgesungenen Schlagerhymnen, sondern legt verbal whacke MCs übers Knie und penetriert die Gesellschaft mit unverschämt obszönen Verschwörungstheorien und Weltansichten. Ein Held zurück im Untergrund. Und auch wenn man es nicht glauben mag: auch nach mehr als acht Jahren hat der Porno Prinz immer noch genug Druck auf der Lunte, um die Szene mal kräftig durchzunehmen.

 

Liebe Szene, einmal bücken bitte

Also, Kollege Porno kann’s noch und nimmt damit den einen oder anderen Rapper hart und von hinten. Aber mal ehrlich: bitter nötig war eine Platte wie pp=mc2 schon lange. Und eben nach dieser Erkenntnis darf man nun ruhig mal Neopunk zitieren, auch wenn so manch einer eben diese Scheibe als ersten Schritt zum Abstieg eines großen Talents empfunden hat: „It’s still bigger than Hip-Hop.“ Und daran lässt sich auch nach fast einem Jahrzehnt nichts rütteln. Prinz Pi aka Porno hat einfach einen der Größten.