Quiet Company-Transgressor_Review

Blöde Türken, aber lecker Döner. Doofe Rumänen, aber geile Ischen. Der Deutsche ist schon eine seltsame Spezies. Eben eine, der verpassten Chancen. Würden wir uns doch nur mal einlassen, auf das Unbekannte, das Fremde, wir könnten so tolle Dinge entdecken. Und eine völlig neue Wahrnehmung von Kunst und Kultur. Wenn es nämlich um Offenheit im musikalischen Sinne geht, versagen wir Deutschen geradezu kläglich. Anstatt uns neue Welten zu erschließen, auditive Abenteuerländer zu bewandern und uns auf dieser Reise zu verlieren, kleben wir weiterhin an Altbewährtem, dem Berechenbaren, wie die Fliege am dampfenden Häufchen. Im Kuhkaff des 4/4-Takts, in den lyrischen Bauernscheunen zwischen Schunkelfaktor und Mitgröltauglichkeit fühlen wir uns eben wohl. Daher werden es Quiet Company bei uns sehr schwer haben. Und dabei hätte diese Band so viel mehr verdient. Zumindest einen Headlinerslot auf dem nächsten Richtfest bei Bauer Paluschke.

Irgendwo zwischen der Soziopathie von Brand New, der Heimeligkeit von Weezer und dem Smypathie von Say Anything bewegen sich Quiet Company und hauen ihren Vorbildern je nach Lust und Laune die musikalischen Ellenbogen in die Rippen. So richtig brechen wollen diese aber nicht. Wo man sich das ein oder andere Mal dann schon lieber die exzessive Kneipenschlägerei mit abgebrochenen Bierflaschenhälsen und Aschenbechern als Wurfgeschosse herbeiwünscht, laden Quiet Company ihren Opponenten einfach auf ein Schnäpschen ein und gehen jeglicher Fehde aus dem Weg.

Quiet Company hängen lieber an der Eichenholz-Theke und schwummern in einem Dunst aus Schweiß ehrlicher gemachter Musik und dem muffigen Geruch von altem Cord. Rock hat selten so konfrontationsscheu geklungen wie auf Transgressor.

Bier Merkel
Egal! War eh nicht nach deutschem Reinheitsgebot!

Gabi, bring’schd mir des Tagesgericht?

Das soll jetzt nicht heißen, dass es völlig absurd ist, immer wieder im „Gasthof zur Landkrone“ essen zu gehen, Samstag das Auto zu waschen und die Freunde zu einem netten „Monopoly“-Abend einzuladen. In Zeiten, wo alles hinterfragt werden sollte, Sicherheiten der Vergangenheit angehören, kommt ein wenig Beständigkeit, ein kleines bisschen Gutbürgerlichkeit mitnichten zum falschen Moment. Wer also abgeklärte, unaufgeregte Gitarrenmusik mag, kann zu Transgressor wunderbar das Kissen auf das Fenstersims legen, um den Kleinen auf der Straße beim Spielen zuzuschauen. Zu durchzechten Kneipennächten taugt das hier als Soundtrack eher weniger.

Sushi Zoidberg
Sushi ist roher, ähm, was?

Suschi? Das ist doch auch wieder ne‘ Erfindung von den Amis?

Transgressor ist ein klassisches Indie-Rock-Album. Von daher sollte das auch eigentlich passen, das mit uns und den Texanern. Wird es aber nicht. Denn Quiet Company bieten nicht genug Potential für Aufreger, Adrenalin und Empörung.

Und weil wir diese sympathischen Jungs noch nicht kennen, werden wir sie wohl auch nie kennenlernen. Denn was der Bauer nicht kennt, feiert er erst recht nicht. Ganz egal, ob das hier eine Freundschaft fürs Leben sein könnte.

Prost, auf uns.