Woodstock. Berlin Festival. Reeperbahn Festival. Wacken. Viele der ikonischsten Festivals sind nach den Städten, Kufkäffern oder Gegenden benannt, in denen sie Jahr um Jahr für ungewollte Schwangerschaften, Alkoholleichen und gesteigerte Dosenravioli-Umsätze sorgen. Jetzt hat auch Stuttgart endlich sein eigenes Festival. Es heißt, wie es eben heißen muss: Stuttgart Festival. Das mag nicht sonderlich erfinderisch klingen, ergibt aber dennoch Sinn. Ist schließlich das erste „richtige“ Open-Air-Festival in der Stadt. Hip-Hop-Open zählt nicht, das ist nur einen Tag. Für uns teilweise in der schönen Schwabenmetropole (Reiseführer-Slang) stationierten Babys ist das natürlich ein Großereignis, bei dem wir mitmischen, vor allem aber mittrinken und dann eventuell irgendwann auch mittanzen müssen. Möglichkeiten dazu gibt es genug: Irrsinn mit Bonaparte, schwoofen mit Claire, heulen mit Dillon, grooven mit Abby, Arme in die Luft bei FM Belfast – ein mehr als amtliches Programm, das man hier am 24. und 25. Juli 2015 auf die Beine gestellt hat. Das Ganze wird an der Stuttgarter Messe steigen, prima angebunden an den Nahverkehr also, und um einen riesigen Kunstbereich und viel zu viele DJs ergänzt. Wir haben uns mal mit dem duften Veranstalter Tobias Reisenhofer unterhalten und festgestellt, dass es doch nicht nur geldgeile Volldeppen unter den Festivalmachern gibt.

Was ist Deine früheste Open-Air-Erfahrung? Bierbong, Regenmatsch, undichtes Zelt oder die Süße vom Camp nebenan?

Klar, da gab es eine Menge tolle Erfahrungen auf Festivals wie dem Maifeld Derby, Dockville oder dem Berlin Festival, diese riesigen kommerziellen Events konnten mich noch nie zwingend begeistern. Außerdem bleiben mir da einige wilde Uni-Partys in Erinnerung, bei denen eine Menge Menschen ziemlich heftig unter freiem Himmel gefeiert haben. Richtig einprägsam wurde es für mich aber erst beim Marienplatzfest in Stuttgart, das ich mitveranstalte. Das Gefühl, all diese Menschen mit Musik zusammenzubringen, hat mich extrem geflasht.

 

Wie besuchst Du ein Festival? Mit striktem Zeitplan und der Agenda, jede Dir wichtige Band zu sehen? Oder lässt Du Dich doch eher treiben?

Natürlich will ich gewisse Bands sehen, wegen denen man ja vielleicht überhaupt erst auf ein Festival fährt. Ich lasse mich aber auch sehr gern überraschen und schaue mir Künstler an, die ich gar nicht kenne. Funktioniert manchmal, aber natürlich nicht immer. Das übertrage ich auch auf das Stuttgart Festival. Es soll ein Ort der Überraschungen sein. Wir wollen kein Rock am Ring werden, sondern ein Festival, das schlicht und ergreifend für gute Musik steht. Das den Besuchern die Möglichkeit gibt, neue Lieblingsbands zu entdecken.

 

Was ist eigentlich so toll daran, sein eigenes Festival zu haben? Den ganzen Tag warmes Dosenbier trinken kann man dann ja nicht mehr.

Die eigene Vision zu verwirklichen, das eigene Konzept tatsächlich auf ein Gelände zu bringen, ist großartig. Wenn man merkt, dass es den Menschen gefällt, dass sie die Zeit genießen, ist etwas ganz Besonderes – vor allem natürlich unter freiem Himmel. Diese Verbindung aus Musik, Freunden und Freiluft ist ein Ausbruch aus dem Alltag.

 

Und warum zum Teufel ist in Stuttgart dann niemand vor Euch auf diese Idee gekommen?

Weiß ich auch nicht. (lacht)

 

Den originellsten Namen trägt Dein Festival aber dennoch nicht…

Den Namen haben wir ganz bewusst gewählt. Es soll ein Festival für Stuttgart und die Region in Stuttgart sein – also nichts, das irgendwo weit außerhalb auf einer Wiese stattfindet.

 

Stuttgart-Festival

Na gut, Tacheles: Wie viel Arbeit ist es wirklich, so ein Festival auf die Beine zu stellen?

Verdammt viel. In den Anfangszeiten stand das Festival mehr als einmal kurz vor dem Aus. Ist ja auch nicht ganz billig, das Ganze. Da sah es immer mal wieder gut aus, allerdings gab es ebenso regelmäßig herbe Rückschläge. Entmutigt waren wir nie, weil wir von vornherein wussten, das es nicht leicht werden wird. Unser Traum ist aber, etwas zu schaffen, das sich wie andere Festivals etabliert. In 30 Jahren möchte ich in Rente gehen, und das Stuttgart Festival gibt es immer noch.

 

Wann ist das erste Stuttgart Festival ein Erfolg für Dich?

Wenn ich über das Gelände laufe und glückliche Besucher sehe.

 

Und so soll es in den nächsten Jahren auch weitergehen?

Das Stuttgart Festival wird weiterhin ein Spiegel unseres Musikgeschmacks sein, doch natürlich werden wir auch weiterhin ohne Scheuklappen planen. Wir veranstalten nichts, um Geld zu verdienen und anderen einen Gefallen zu tun. Uns macht all diese Arbeit nur dann Spaß, wenn wir dahinterstehen können.

 

Auf welche Band freust Du Dich am meisten?

Kann ich nicht sagen. Ich habe zu jeder einzelnen Band einen persönlichen Bezug. Deswegen weiß ich auch noch gar nicht, wie ich als Veranstalter mit diesen Bands umgehen soll. Wenn ich plötzlich vor dem Künstler stehe, den ich auf einem Roadtrip drei Wochen rauf und runter gehört habe, könnte das schon emotional werden.

 

[alert type=red ]

Stuttgart Festival 2015

Wann: 24. & 25. Juli 2015

Wo: Messe Stuttgart

Wie viel: 2-Tages-Ticket VVK 59 Euro / AK 79 Euro.

Was noch: www.stuttgartfestival.de

Abby, Balthazar, Bonaparte, Charity Children, Claire, Crystal Fighters, David Lemaitre, Dillon, Eau Rouge, Ezra Furman & The Boyfriends, FM Belfast, Jackson Dyer, James Vincent McMorrow, Jan Blomqvist, Kakkmaddafakka, LOT, Maribou State, Mount Kimbie DJ-Set, Mutelights, Natas Loves You, Ólafur Arnalds, Razz, Reptile Youth, Roosevelt, SBTRKT, Slow Magic, STWO, Talisco, The/Das, Zoot Woman und noch einige mehr.

[/alert]