Es gibt nur wenige Straßen, die von sich behaupten können, dass zu ihren Ehren ein Buch geschrieben und ein Film gedreht wurde. Die Sonnenallee in Berlin kann genau das. Knapp fünf Kilometer lang, mitten im Herzen Neuköllns, ihr Name so schimmernd, ihr Antlitz hingegen verlebt und gräulich dahinsiechend. Zumindest für Außenstehende entsteht dieser Eindruck beim ersten Spaziergang entlang der Handyläden, Obstauslagen und Casino-Spelunken. Gibt man ihr aber ein Bier aus und hört ihr einfach nur zu, dann blitzen die verlebten Augen schlagartig auf. Und schon hat sie dich gepackt. Hier lebt man gemeinsam nebeneinander zusammen. Also fick dich, AFD. Und auch du, Pegida, fick dich genauso.

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„DENK AN DICH, DANN HILFST DU DIE REST“

– so steht’s ganz in der Nähe der S-Bahn-Station Sonnenallee in dicken roten Lettern an der Wand. Auf der ersten Blick nicht mehr als ein verzweifelter Schrei nach Orthografienachhilfe und ein neues Wording für „Nach mir die Sinnflut“. Aber eigentlich steckt hier die gesamte Essenz dessen drin, was diesen geteerten Bandwurm ausmacht: Schau erstmal, dass du dein Ding auf die Kette bekommst und dann lass uns mal schauen, was wir zusammen reißen können. Irgendwas geht immer.

Das sind defintiv nicht die derben Erfolgsstories der hippen Start-ups in Mitte.

Das sind nicht die maßgeschneiderten und leblos austauschbaren Instagram-Motive, mit denen sich Mom-Jeans tragende Influencer schmücken und von denen die frischgeschlüpften Abiturienten aus der Provinz feucht träumen.

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Steine legt dir hier jedenfalls keiner in den Weg. Hundehaufen dafür jede Menge. Und wenn du im Morgengrauen zerfeiert nach Hause schlurfst, dann gibt dir Mama Sonnenallee auch Liebe.

Friedlich, noch halb schlummernd legt sie den speckigen Arm um dich, schenkt dir ein Sterni vom Späti und kitzelt dir mit trotzigen Sonnenstrahlen die zerschnupfte Nase.

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Stichwort Späti. Jeder braucht seinen Haus- und Hofspäti. 24 Stunden am Tag für dich da, auf zehn Quadratmetern Ladenfläche findest du alles, was dein verkatertes Selbst zur standesgemäßen Regeneration braucht. Erst wenn du deinen Späti hast, kannst du als maskulin Zugezogener tatsächlich von dir behaupten, in Berlin angekommen zu sein.

Emrah, mein Mann vom Späti nebenan, lebt seit elf Jahren an der Sonnenallee. „Für mich ist die Sonnenallee Zuhause, ganz klar“, erzählt er. „In Kreuzberg fühl ich mich fremd, ohne Witz!“ Mehr Casinos als Dönerbuden gäbe es mittlerweile, aber so ist das halt. Immerhin musst du dir hier keinen Kopf um deinen Style machen, Emrah bestätigt: „Jogginghose geht immer, das ist Neukölln.“

Und das ist einfach nichts als die Wahrheit, Karl Lagerfeld was damn wrong: Es ist letztendlich so scheissegal, was du anhast. Hauptsache, du stehst dazu. Wortwörtlich. Hab ein bisschen Stolz. Auf das, was du bist. Und man merkt schnell, der Style kommt ganz von allein. Schwupdiwupp, das Igittbaby kann auch Fashion-Tutorial.

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Wer sich jetzt nicht glücklich schätzen kann, in der Sonnenallee leben zu dürfen, muss sich anderweitig seinen Style besorgen. Möglich ist das zum Beispiel mit dem neuen Nike Tuned Taxi Pack, den ihr euch beim Footlocker-Dealer eures Vertrauens abgreifen könnt. Das Ding lässt sich auch bestens mit Jogginghose kombinieren.

Dann grüßt euch der Kollege vom Späti bei der nächsten Neukölln-Safari garantiert mit Ghettofaust. Wort drauf. Also schießt euch ein Taxi und „Einmal die Sonnenallee runter, bitte!“.