SSIO-Nullkommaneun-Review

Ist das eine krumme Nummer, mit der uns SSIO hier hinters Licht führen will? Möchte er uns übers Ohr hauen, mit seinem wunderschön gelockten Brusthaar einen Strick drehen und uns daran durchs Rotlichtviertel zerren? Vielleicht ja, vielleicht nein. Aber ein unvergessliches Erlebnis wird es so oder so. Auch nullkommaneun Gramm versprechen einen angemessenen Rausch und der FKK-Stempel auf dem Handrücken lässt uns am Tag drauf gleichzeitig erschaudern und verzückend quiecken. Scheiss auf die Abzocke, man lebt schließlich nur einmal.

SSIOs lyrische Ergüsse (pun intended!) passen auch beim zweiten Album nicht nur formidabelst auf die westköstlichen und –küstlichen Beats, sondern würden sich auch den Poesiealbumsseiten zartbesaiteter Romantiker sanft anschmiegen und so lange Liebe mit ihnen machen, bis sie zum regenbogenfarbenen Einhorn auf diamantbesetztem Skateboard verschmelzen.

Zweitere Behauptung ist natürlich absoluter Blödsinn. Aber was soll‘s: Der Mann mit der großen Nase und einem nach eigenen Aussagen noch größeren Gemächt unterhält auf den 14 Anspielstationen von Nullkommaneun wiedermal hervorragend, erzählt zweifellos flunkernd die purste Wahrheit über sein tägliches Tun. Daran nehmen wir uns gern ein Beispiel und tischen genauso derbe auf. Apropos 14 Anspielstationen.

Ein paar Songs weniger hätten es auch getan, in kompakterem Format wären seine Penetrationssalven noch ein Quäntchen mehr on point gewesen. So kommt es leider vor, dass der ein oder andere Song inhaltlich in annährend identischem Fahrwasser dahin gleitet und nicht viel Überraschendes zu bieten hat. Schade drum, aber das ist noch lange kein Penisbruch.

Nutte
Wat, wie hat mich SSIO genannt?

Der Batman des schlechten Geschmacks

Denn was SSIO hier Gramm für Gramm zelebriert, ist so dermaßen comichaft überzeichnet, dass man eines unumwunden feststellen muss: Endlich mal ein Album, bei dem das Artwork seinen Inhalt tatsächlich ehrlich widerspiegelt. Gibt’s nicht mehr so oft, meist begrüßt einen entweder eine hässlich gephotoshoppte Hackfresse oder „Kunst“, bei der man nur drei Worte verlieren muss: Das kann weg. Wer hier aber die übereilige Schlussfolgerung zieht, der Bonner Rapper sei nur eine Karikatur, hat dessen Hip Hop nicht verstanden.

Humor ist sicherlich sein stärkstes Pferd im Stall, aber da wiehert noch so einiges mehr: Rappen kann er zum Beispiel weiterhin hervorragend. Technisch nicht der Derbste im Land, verscheuert er stattdessen Punchlines, als ob er im Flatratepuff ne Runde schmeißt.

Und wer thematische Abwechslung vermissen sollte, darf in die Ecke und schweigen, denn gleich im Opener stellt er klar, worum es sich drehen wird: „Nutte, ich bin der erste Rapper mit Inhalt und Message. Es geht um Drogen, Huren und immer um Mecces.“ So wunderschön, wie er hier alle selbsternannten und vor allem nichtssagenden Message-Rapper in nullkommanix bloßstellt.

Apropos Nutte, beziehungsweise Nuttöööö. Das Trademark, das ihm im Intro nicht so recht einfallen will. Hach, haben wir da gezittert.

Stripperin
0,9 ist so gut, ich raste aaaaaaaauuuus

Und? Schwul?

Generell ist SSIO ein wahrer Gott, wenn es um das Betonen einzelner Wörter geht, die normal ausgesprochen in völliger Belanglosigkeit ihr Dasein fristen. Haut er aber ein Unikat wie „Pissstrahlen“ raus, dann spürt man die Golden Shower förmlich im Gehörgang. Mit Baba Haft an seiner Seite zeigt er deutlich auf, dass die Connection Bonn Offenbach um einiges härter und sexier ist, als sie zunächst klingen mag.

Hätte man das den Realkeepern und Rucksackträgern Mitte der 90er erzählt, wäre man mit Joghurtbechern beworfen worden.  Die weiteren Features mit Kalim und Schwesta Ewa sind nicht wirklich überraschend, aber das steht auch nicht zur Debatte.

Solide Parts springen dabei raus, homogen binden sie sich ins Gesamtbild ein. Auch wenn SSIO sich aufgrund seiner bärgleichen Männlichkeit wohl wünschen würde, der diesen Effekt beschreibende Begriff wäre heterogen.

Und wie in jeder Lebenssituation passt auch hier ein wundervolles K.I.Z. Zitat, um diesen Ausflug in SSIOs Kosmos abzuschließen: „Ich steh auf Frauen, ich steh auf Frauen, ich steh auf Frauen, ich weiß es.“