„Taboo“ Review: Krasser Kannibalen-Killer

Nur, weil man gerne von der eigenen Spezies nascht ist man noch lange kein schlechter Mensch: Willkommen im verschrobenen Weltbild von Tom Hardys "Taboo"....
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Draußen in der Wildnis gibt es keinen McDrive. Daher muss man manchmal eben mehr als ein mal pro Woche Pilz-Pfanne köcheln, gerne mal knackige Insekten grillen… Oder eben auch mal der Begleitung knabbern. Und nur, weil man gerne mal von seiner eigenen Spezies nascht ist man ja auch noch lange kein schlechter Mensch. Manchmal sogar eine richtig coole Sau. Willkommen im verschrobenen Weltbild von Tom Hardys „Taboo“.

London im Jahr 1814: der seltsame James Delaney (ein überirdisch guter Tom Hardy) wurde lange für tot befunden, bis er eines Tages aus Afrika in die Heimat zurückkehrt, um das wieder aufzubauen, was vom Schiffs-Imperium seines Vaters noch übrig ist. Und als wäre es nicht schon schwer genug, ein Pleite-Geschäft wieder geschäftsföhig zu machen, lauern an allen Ecken auch noch Meuchelmörder, Intriganten und Neider. 

Hardys Darstellung ist wie ein kräftiger Schluck Ayahuasca-Tee: hypnotisierend, mysteriös und irgendwie auch anekelnd. Gekleidet mit seltsamer Hutpracht und imposantem Mantel ist Hardys James Delaney die Verkörperung des Mannes aus dem Dunkel. Niemals erhebt er seine Stimme, egal wie kurz die Situation vor einer Eskalation auch stehen mag, niemals wirkt Delaney als wäre er nicht vorbereitet, auf das was da auch kommen mag.

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„Uh, ich glaube mein Nachbar war nicht mehr ganz frisch…“

„Telefon! Für Dich! Es sind die Toten!“

Doch der Afrika-Rückkehrer ist nicht nur eine extrem coole Sau, Delaney wird auch von einem Geheimnis umgeben: ist er ein Killer, ist er ein Kannibale oder vielleicht sogar ein Hexer? In den zehn Jahren seiner Abstinenz haben sich natürlich allerlei Gerüchte selbstständig gemacht, über einen Mann, der in den Tiefen Afrikas verschollen war.

Und Delaneys seltsames Verhalten ist beim Ausräumen dieser Flüsterpost nicht gerade zuträglich: er weiß Dinge, die er nicht wissen kann und manchmal spricht er sogar mit den Toten. Zumindest versucht er diesen Eindruck zu vermitteln. Ob sie ihn verfolgen oder ihm bei seinem Vorhaben unterstützen bleibt für den Zuschauer aber verborgen.

 

„Ähm… Hä?“

Auch wenn Taboo aussschaut, wie die beste Serie der Welt, der Plot kann oftmals sehr frustrierend sein. Man nehme zum Beispiel die ersten beiden Episoden: da spaziert Delaney einfach nur durch das historische London und sieht cool dabei aus. Tut jedoch nichts, um die Story voranzutreiben. Viel mehr tut er Dinge, die den Zuschauer oftmals am Kopf kratzen lassen.

Wie kann es beispielsweise sein, dass Hardys Charakter weiß, wie das politische Intrigenspiel Londons gespielt wird, obwohl er zehn Jahre in Afrika verschollen war? Warum betet er manchmal einfach so vor sich hin und warum sollte es wichtig sein, dass Delaney eine Affäre mit seiner Stiefschwester hatte? Taboo wirft eigentlich mehr Mysterien auf, als bereits aufgeworfene aufzulösen. Hier muss Taboo sich definitiv steigern und einen nachvollziehbaren Plot nicht weiter für den Kunst-Gedanken opfern.

 

Machs nicht so kompliziert, Ridley!

Taboo ist derzeit die wohl am hochwertigsten produzierte Serie im Fernsehen: Kamera, Ausstattung, Kostüme und das Setting wirken wie aus einem Guss. Was leider weniger überzeugt ist das Ziel, dass diese Serie verfolgt. Denn für den Zuschauer ist dieses zu keinem Zeitpunkt sichtbar. Sprich: wenn Hardy und Ridley Scott ihre Zuschauer nicht vergraulen möchten, sollten sie Delaney und Co nicht weiter im Dunkeln tappen lassen.

Ich habe aber Hoffnung, das Taboo genau diese Kehrtwende im Laufe der kommenden Folgen vollziehen wird… Und dann hat Taboo sehr wohl das Potential große Serien wie Westworld als magnum opus ablösen.

 

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Türke, Pfälzer, Trinker, Gläubiger, Ankläger, Trottel und Playboy. Meine Muffins sind legendär und ich habe sehr schöne Füße. Bitte hör auf zu sabbern!
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    Auch feini fein