Tanis – Staffel 2: „Mutter Natur, Du Schlampe“

Tanis ist ein Ort, den selbst Satan, der olle Draufgänger meiden würde. Denn hier entpuppt sich Mutter Natur als regelrechtes Miststück....
Tanis-Staffel-2-Review

Drogen, Alkohol, Zucker, Berlin Tag und Nacht… Es gibt viele Gründe, warum manche Menschen verspult sind. Nun gesellen sich auch noch zu viele Stunden in der freien Natur in die Ahnenreihe bewusstseinsverändernder Einflüsse, denn da wartet das Grauen in Formen und Farben, bei denen sich selbst Edgar Allan Poe eingestuhlt hätte.

Auch in Staffel 2 dreht sich bei Tanis wieder alles um die Frage: Was ist Tanis? Ist es ein Ort, ist es ein Wesen, ist es Himmel oder vielleicht sogar die Hölle. Und Protagonist Nic Silver kommt dem Geheimnis aller Geheimnisse nun immer näher. 

Tanis macht süchtig. Ganz einfach, weil man einfach nicht kapiert, was Tanis für 1 Podcast ist. Die Mockumentary ist weder Horror, noch ist sie Drama. Sie hat keine Geschichte und eigentlich auch keine Höhepunkte. Aber gerade dies macht den Reiz dieser verschwurbelten Suche nach „Tanis“ aus.

 

King Wurm, Du alte Pottsau

Was ist Tanis? Ein Ort, eine Zeit, ein Wesen oder ganz einfach ein Gott? Diese Frage macht nicht nur Erzähler Nic Silver langsam kirre, sondern auch den Hörer. Gekonnt werden immer wieder neue Hinweise gestreut, neue mystische Rätsel aufgeworfen: mittelalterliche Sternenkarten, die kein uns bekanntes Sternensystem beinhalten, ein wissenschaftliches Camp inmitten eines Waldes, wo die Zeit stillzustehen scheint, ein bösartiges Wesen namens Eld Fen oder King Wurm, das Tanis entweder bewacht oder dieses zerstören möchte, ein Typ namens „The Navigator“ – der als einziger Mensch den Weg nach Tanis zu kennen scheint – und eine Blockhütte im Wald, die in ihrem inneren eine eigene düstere Welt zu verstecken scheint.

Ja, Tanis ist stark von David Lynchs Twin Peaks beeinflusst und schafft es dennoch seine eigene Mythologie zu schaffen – alleine schon durch die starke Verwebung ganz alltäglicher Orte und Situationen in die Geschichte. Oder mit anderen Worten: Nach Tanis sieht man den normalen Wald vor der Haustüre mit völlig anderen Augen.

 

Agent Mulder, ich hab Angst

Wie bei Akte X dürfen wir Silver in Form dieser herrlich authentisch produzierten Mockumentary auf dem Weg ins Ungewisse folgen: Anrufmitschnitte, Interviewfetzen, Audiotagebücher und ein fantastisch düsterer Soundtrack lassen den Zuhörer nicht nur immer wieder daran zweifeln, ob das hier nicht doch ein fantastisches Stück Alternativ-Journalismus sein könnte, sondern erzeugen auch eine ständige Atmosphäre des Fürchtens.

Hinzu kommt der für Tanis typische Aspekt der Natur: Berge, Täler und Felder haben ja sowie schon etwas einschüchterndes, wenn die Sonne langsam am Firmament verschwindet, Nic Silver erfährt jedoch wahren Horror in so alltäglichen Situationen wie Spaziergängen durch den Wald. Das erdet die Story nicht nur immens, es macht sie für den normalen Hörer auch spürbar.

 

„Ich will aber nicht über Los ziehen“

Auch in Staffel 2 dreht sich also alles wieder um dieses eine Geheimnis, das es zu entschlüsseln gilt: Was ist Tanis, wie gelangt man dorthin und was wird passieren, wenn man dort ankommt. Und ohne zu viel zu verraten, einige Enigmen werden endlich entschlüsselt und manche Brotkrumen führen tatsächlich an ein Ziel… Wenn auch anders, als gedacht.

Eigentlich kann man sich nur wünschen, dass Nic Silver nie nach Tanis gelangen wird, denn die Suche nach diesem größten Rätsel der Menschheit macht so viel Spaß, dass es fast schon schade wäre, wenn es wirklich jemand lösen würde…

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Ich bin sowas wie der Bassist unter den Schriftstellern: Weil das mit der Gitarre nichts wurde, habe ich statt der Saitenzahl einfach die Ansprüche runtergeschraubt und mache jetzt ohne Expertise alle fertig, die etwas mehr Erfolg hatten. Musik interessiert mich nicht. Ich habe besseres zu tun, als Platten von A auf B zu drehen und Festivals-Lineups bestehen bei mir aus Bierdosen. Also bevor ihr euch wieder beschwert, wie schlecht recherchiert und sowieso "keine Ahnung" das ist: Ich muss keine Ahnung haben, so ist das im Internet.
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    Auch feini fein