tausend-löwen-unter-feinden-machtwort-review

Kannst du es spüren? Kannst du es hören? Aus München, Deutschlands eitrigstem Pickel, der beim Post-Morgenlatte-Drücken süßen Senf auf deinen dreckigen Spiegel spritzt, weht ein infantiler Kopfnick-Wind, der in Sachen intellektueller Vollbeschäftigung an einen Wackeldackel erinnert. Denn Tausend Löwen unter Feinden nennt sich ein Gespann, das sich offensichtlich anschickt, ein Manifest der Grundregeln musikalischer Travestie des Genres Hardcore unters stumpf pumpende und debil grinsende Volk zu bringen. „Machtwort“ verkündet die kindliche Handschrift auf dem abgegriffenen Cover. Die beiden Rechtschreibfehler haben wir geflissentlich ignoriert. Doch die wichtigsten der süddeutschen Regeln handfester Hardcore-Satire haben wir für euch zusammengetragen.

 

Brechzeiten: Minute 1 – 29.

Alles beginnt natürlich mit einem guten Namen. Denn der muss dem Testosteron-Äffchen in der Schweißgrube des nächstbesten Jugendclubs möglichst einfach im Gedächtnis bleiben. Und das reicht bekanntlich meist nur von zwölf bis Mittag. Lecker, Mittagessen. Entscheide dich vielleicht für irgendein Tier. Die meisten von denen kennen die Luftpumpen da draußen. Schließlich wollen sie diese ja vom Nadelverbrecher ihres Vertrauens auf ihrem Bizeps verewigt haben.

Dann die Musik. Die darf natürlich nicht zu kompliziert werden. Denn vor Neuem hat der vor Nostalgie an 90er Hardcore überfressene Scheuklappenlose bekanntlich Angst.

Das Novum-Niveau soll sich laut unseren Experten im prozentualen Bereich der theoretischen Möglichkeit der graziösen Herrlichkeit deiner Freundin befinden. Also gen Null tendieren. Nein, nein, die Riffs und Breaks sollen so einfach sein, dass sie selbst ein Legastheniker mit Links-Rechts-Schwäche auf seinem Ibanez-Nachbau rekonstruieren kann. Stumpf ist Trump, min Fchoind.

Und solltest du an der nächsten Tanke noch eine Ische finden, die ihr Stimmchen für Pseudo-Emotionalität durch die Auto-Tune-Waschanlage jagen kann, dann bitte sehr.

Kotzen Regenbogen
Was habt Ihr unserem Michael Maria angetan, Tausend Löwen unter Feinden?

Nasenhaartrümmer.

Nach den anal einführenden Kapiteln geht es schließlich ans Eingemachte: Die Lyrics. In unserem Fall also an saure Spreewaldgurken, wie das Feinschmecker-Baby mit Kennerblick erkannt hat.

Hier muss der Hardcore-Halbseitenspastiker alle beiden Hirnzellen anstrengen. Denn die Trivialität verwandelt sich hier kurzzeitig in Pseudo-Intellektualität. Denn du willst schließlich so klingen als hättest du etwas zu sagen.

Also klappere erst mal schön die Themen ab, die so abgelutscht sind wie der Plastik-Verschluss deines Tetra-Pak-Weins: Der böse, böse, böse Konsum. Die sterbende Natur. Die Selbstbestimmung.

 

Aggrodisiakum.

Doch um einen Mythos à la Dan Brown um dich aufzubauen, ist hier noch nicht Schluss. Drum schwing’ deinen Arsch auf Wikipedia, tippe „Philosophie“ ein und kopier’ dir das ein oder andere Zitat, das du schließlich mit Gang-Rape-Shouts vergewaltigen kannst.

Eine Auswahl an Verwurstungen der musikalischen Metzgerei des vorliegenden Manifests gefällig?

„Deduktion, Induktion, Wir drehen uns im Kreis, doch in der Mitte liegt die Kraft.“,

„Brot und Spiele heißt jetzt Burger und TV“

oder

„Was du nicht willst, das man dir tut, das füge keinen (sic!) anderen zu“.

Wenn du dann noch ein paar Werbebotschaften wie „Come in and find out“ reinstreuen kannst, ist die Würze für deinen Einheitsbrei nach feinsten Verhöhnungs-Kriterien perfekt abgeschmackt.

 

Zuviel dazu.

Tausend Löwen unter Feinden haben mit „Machtwort“ zweifelsohne einen modernen Klassiker der deutschen Beatdown-Persiflage geschaffen. Und könnten damit gestandenen Stand-Up-Comedians wie Empowerment oder GWLT den ersten Rang in der ewigen Beststeller-Liste vollkommen belangloser Bands ablaufen.

Wir Babys verneigen uns vor dieser Leistung.