The Expanse: Staffel 1

Es gibt Kombinationen, die klingen zwar so absurd wie eine US-Präsidentschaftskanditatur und Donald Drumpf und dennoch wissen diese Herzen im Sturm zu erobern: Spaghetti mit Nutella, Jägermeister in Red Bull, die Babys...
The-Expanse-Staffel-1-Review

Es gibt Kombinationen, die klingen zwar so absurd wie eine US-Präsidentschaftskanditatur und Donald Drumpf und dennoch wissen diese Herzen im Sturm zu erobern: Spaghetti mit Nutella, Jägermeister in Red Bull, die Babys und seriöser Journalismus. Nein, diese Kreuzungen sollte es nicht geben und dennoch funktionieren diese einfach ganz wunderbar. Ein ebenso abstruses Tête-à-Tête inszenieren nun auch die Macher von The Expanse und paaren Film Noir mit Space Opera, knallharten Crime-Thriller mit dem Suspense von Filmen wie Alien oder Sunshine. Und ja, auch diese Paarung ist nicht nur regelrecht töricht, sondern geradezu perfekt: das hier ist die uneheliche Tochter des schmierig-ekligen HR Giger-Aliens und Jacky aus Chinatown. Wo die Liebe eben hinfällt…

Dieses Kind der Liebe ist nicht nur der Tatsache geschuldet, dass Autor und Schöpfer des Originalstoffes James S.A. Corey („Leviathan erwacht„) ordentlich einen an der Waffel hat, sondern weil SyFy mit The Expanse eine Serie geschaffen hat, die so düster wie wahnwitzig episch ist:

Im 23. Jahrhundert befinden sich die übervölkerte Erde, die „unabhängigen Penner“ vom Mars  und ein paar arme Schweine allerlei ranziger Raumstationen im Clinch. Weil dieser Konflikt die Existenz letzterer in Leben und Fortbestand bedroht, frische Luft und Wasser sind zu einem kostbaren Gut geworden, hat sich eine militante Widerstandsgruppe namens Outer Planets Alliance gebildet, die gegen Erde und Mars zugleich wettern: Das uns bekannte Weltall steht kurz vor dem ersten Allkrieg – und gerade in diese schwierigen Zeiten verschwindet eine wichtige Frau spurlos und ein Minenschiff entdeckt in den Weiten des Alls ein Geheimnis, das die Zukunft der ganzen menschlichen Zivilisation für immer verändern wird… Denn, man sollte seine Rechnung nie ohne E.T. und Kameraden machen.

The Expanse Space

Fuck! Hier draussen hört dich wirklich niemand schreien…

Träumen Androiden von elektronischen Bügeleisen?

The Expanse ist eine Serie mit vielen Erzähl-Strängen und alles andere als leichte Kost. Auf der einen Seite gibt es eine typische Noir- Erzählung und auf der anderen eine Space Opera in Reinkultur: wir haben einen Cop, der eine vermisste Person finden muss und eine ahnungslose Raumschiffcrew, die einer Verschwörung auf die Schliche kommt.

Für Berieselung zur wochentlichen Bügeleinlage taugt The Expanse ganz und gar nicht. Für einen Mindfuck a la Blade Runner eignen sich die zehn Folgen der ersten Staffel schon besser.

Scotty, beam‘ dich weg, ey!

Hier stimmt einfach alles. Das Produktionsdesign steht großen Hollywoodproduktionen in nichts nach und die Geschichte wirkt zu Beginn zwar etwas schleppend, doch wenn sich die beiden großen Erzähl-Stränge gegen Mitte der Staffel begegnen, dann offenbart The Expanse einen TV-Genuss für alle, denen Star Trek immer zu läppisch und Firefly immer ein wenig zu seifenoperesk daherkam: das hier ist Science Fiction für Fans düsterer und kompromissloser Kost. Und der beste Beweis, dass ordentliche Science Fiction viel zu lange in der TV-Landschaft gefehlt hat!

Das ist auch wenig Hauptdarsteller Thomas Jane geschuldet, der es schafft seiner galaktischen Schnüffler-Rolle so etwas wie einen nostalgischen Stempel aufzudrücken. Auch wenn sich bei The Expanse alles um Politik, Intrigen und Verschwörungen inmitten von Planeten und Asteroiden dreht, Janes Charakter – Detective Josephus „Joe“ Miller – ist ein knallharter Knochenbrecher, der sich genauso gut in Brian DePalmas „Die Unbestechlichen“ gemacht hätte. Und erdet das Setting der Serie damit nicht nur, er macht es auch realistischer.

The Expanse Thomas Jane

Mach dich schick. Die Aliens schauen gleich vorbei.

Hört man Fürze im Weltraum?

Sowieso ist Stärke von The Expanse der realistische Aspekt: im 23. Jahrhundert gibt es futuristische Handys, aber die Displays springen noch immer, homosexuelle Beziehungen sind geduldet, aber nicht überall gewünscht und die Reichen werden immer reicher – während die Armen langsam vor die Hunde gehen.

Hier geht es nicht darum, dass Kirk oder Picard schillernde neue Welten entdecken, hier dreht sich alles um das pure Überleben. Und dieses Setting etablieren die Macher so kompromisslos wie keine andere SciFi-Serie zuvor: dreckig, menschenunwürdig und oft auch ziemlich brutal.

… Und dann wäre da natürlich das größere Ganze, dass über allem wie ein Schatten lauert. Und dieses ist alles andere als irdisch – oder sympathisch.

 

Schau das, Du Banause!

In seinen schwachen Momentan mag dieses Space-Opus oft verwirren, neben den beiden Handlungssträngen gibt es noch jede Menge politische Intrigen und natürlich auch die ein oder andere Romanze, in seinen stärksten jedoch zeigt The Expanse wozu dieses Genre fähig ist: nämlich ähnlich komplexe und mitreissende Storys zu erzählen, wie wir sie von Breaking Bad oder Homeland so lieben… Nur eben mit Raumschiffen, Raumstationen und raumfüllenden Egos.

Ganz große Fernsehunterhaltung!

Themen
KrimiScience Fiction

Dieser freundliche Bursche schreibt sehr schöne Artikel. Weil er selbst sehr schön ist. Und schöne Dinge sehr mag. Und dieses sehr schöne Mag betreibt... Zudem wäre er sehr gerne kein Einhorn, jedoch sehr wohl ein Musketier. Sehr Paul McCartney hat er auch schon Mal getroffen, kam aber sehr viel zu spät...Cocaine is eben a sehr hell of a drug... Sehr am Ende? Er fängt doch erst an, sehr geehrte Bitch. Schreib mir: flo@igittbaby.de
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Auch feini fein