„The Strain“ Staffel 3 Review: Verödete Vampir-Venen

"Finde den Meister". Auf dieser cineastischen Floskel baut Guillermo Del Toro eine ganze Serie auf und könnte in The Strain Staffel 3 damit scheitern....
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Hillary gegen Trump, Bildungsschicht gegen AfD, Großbritannien gegen eine sichere Zukunft… Ja, unsere Welt ist aus den Fugen geraten, verrückt geworden, total gaga. Da ist eigentlich fast schon ein ironischer Paukenschlag, dass eine halbherzig geschriebene „Event“-Serie wie The Strain derzeit wohl die schönste Parabel auf die langsam aber stetig verdummende Gesellschaft zeichnet. Und eine wichtige Frage aufwirft: wer willst Du sein? Dummer Mensch oder fremdbestimmter Blutsauger. Die Antwort ist alles andere als leicht. 

Der Meister treibt noch immer sein Unwesen in New York und hat die mächtigste Stadt der Welt in einen Bürgerkrieg-ähnlichen Ausnahmezustand gedrängt: Tagsüber suchen Überlebende nach Wasser, Nahrung und Medikamenten. Nachts treiben die halbtoten Blutsauger ihre menschliche Beute durch die verwahrlosten Gassen. Dem entgegen stehen immer noch Dr. Ephraim „Eph“ Goodweather ( ein immer noch gnadenlos überschätzter Corey Stoll), der erfahrene Vampir-Jäger Professor Abraham Setrakian (Ensemble-stärkster David Bradley) und Kammerjäger Vasiliy Fet (wie immer überzeugend, Kevin Durand)… Nur leider immer noch ohne einen richtigen Plan.

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#hübschmachen #fürstaffel3

Na gut, dann opfern wir uns halt

Finde den Meister. Auf dieser cineastischen Floskel baut Producer Guillermo Del Toro eine ganze Serie auf und könnte in Staffel 3 damit nun scheitern.

Während in den ersten Staffeln die Jagd nach dem sexuell unattraktivsten Vampir der TV-Geschichte noch in Spannung, Thrill und Suspense gipfelte – und im Finale von Staffel 2 sogar einen echten Höhepunkt mit dem Auffinden des Lumen feierte – plätschert dieses  Unterfangen in Staffel 3 dickflüssig, wie das Blut aus der frischen Wunde eines Strigoi-Opfers, nur noch so dahin. Immer auf die gleiche Stelle. Bis man als Zuschauer völlig durchdreht und sich am liebsten selbst die Pulsadern aufreißen möchte. John Carpenter (Vampires) soll großer Fan der Serie sein.

Vielleicht ist dies aber auch Ziel von Del Toro, könnte der Mexikaner selbst nur ein eine Art Vampir sein, der zwar auf die Survival-Epik von The 100 oder Lost schielt, sich aber im Schreiber-Dschungel von Terra Nova verläuft. Einer spitzfindiger Spitz-Zahn eben, der die Freude an seiner eigenen Serie aus den Zuschauern saugen möchte. Aber: Für solch einen perfiden Plan wählte der bärige Pan’s Labyrinth-Schöpfer das falsche Mittel. Staffel 3 fehlt es nämlich nicht nur an Biss.

 

Dumpfkacheln vs. uns alle

The Strain und Del Toro machen keinerlei Anstalten das Tempo anzuziehen: Noch immer sind „Der Prof der guten Laune“ Setrakian und Sympathie-Blutsauger Quinlan im Besitz des Lumen. Noch immer wuselt „Doktor Internet-Examen“ irgendwo in New York umher, um seinen Sohn aus den Klauen seiner Blut naschenden Ekel-Ex zu befreien.

Manchmal kommen der Alte und der Tote des Entschlüsselung des Rätsels näher, gelegentlich hat der Dumme so etwas wie einen Rettungsplan, eigentlich immer wünscht man sich ein rasches Ende für den Kleinen und die Dumpfkachel… Nur leider führen jegliche Anstrengungen stets in eine Sackgasse. Für die Figuren. Die Story. Und am Ende natürlich auch für den Zuschauer. Die Gelackmeierten.

 

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Haben Sie das Drehbuch verfasst?

Sozialkritik, ick hör dir tapsen

Hätte Mastermind Del Toro nicht seine Hände im Spiel, The Strain würde in Staffel 3 zu einem telegenen Witz verkommen. Mit clever gesetzten Szenen schafft es der Pacific Rim-Macher aber zumindest gelegentlich zu überraschen: Fast schon dokumentarisch anmutende Navy Seal-Einsätze unter Tage oder das anatomische Herumgeschnippele an lebenden Strigoi-Brustkörben, die auch Akte X nicht besser in Szene gesetzt hätte, wissen zu überraschen und sind wohl portionierte Spitzen in einer sonst blutleeren Storyline, in der maximal Rückblicke in Setrakians Vergangenheit oder die Auftritte von Hämoglobin-Nazi Thomas Eichhorst (der stetig in seiner Rolle wachsende Richard Sammel) zu überzeugen wissen.

Was The Strain jedoch wunderbar gelingt ist tatsächlich einen völlig absurden Plot mit sozialkritischen Untertönen zu spicken, wie sie zeitgemäßer nicht sein könnten:  Halbtote ohne eigenen Willen folgen einem übermächtigen Führer, dessen einziger Antrieb es ist, die Welt brennen zu sehen.

Klar, nicht alle AfD-Wähler sind halbtot. Recht dumm sind sie dennoch. Und natürlich ist Donald Trump nicht übermächtig. Seine Anhänger wollen dennoch auf der frischen Glut verteidigungswürdiger Werte tanzen und feiern… Und wer sich ausmalen möchte, was Großbritannien nach dem EU-Ausstieg wirklich blühen könnte, sollte sich einfach mal genauer ansehen, wie hoffnungslos The Strain das New York seiner fiktiven Zukunft in Szene setzt.

The Strain muss jetzt Gas geben und dem Zuschauer ein Ziel weisen. Auch, wenn dieses in naher Zukunft und bei diesem Erzähltempo vielleicht nicht erreicht werden wird. Aber: ein Grund um einzuschalten, ist immer noch der beste Grund um wieder einzuschalten…

Themen
Horror

Dieser freundliche Bursche schreibt sehr schöne Artikel. Weil er selbst sehr schön ist. Und schöne Dinge sehr mag. Und dieses sehr schöne Mag betreibt... Zudem wäre er sehr gerne kein Einhorn, jedoch sehr wohl ein Musketier. Sehr Paul McCartney hat er auch schon Mal getroffen, kam aber sehr viel zu spät...Cocaine is eben a sehr hell of a drug... Sehr am Ende? Er fängt doch erst an, sehr geehrte Bitch. Schreib mir: flo@igittbaby.de
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Auch feini fein