Tokio-Hotel-Kings-Of-Suburbia-Review

Gina Lisa geht mit Zombieboy auf DJ-Tour, Lena Gercke schnackselt einen Fussball-Weltmeister und Angela Merkel zieht sich kurzerhand ein neues Halskettchen um. Was Bill von Tokio Hotel mit diesen Damen gemeinsam hat? Alles Diven, alle am Ende und alle mussten sie sich neu erfinden. Im Falle von Tokio Hotel bedeutet dies: Adieu Kiddierock, grüß Gottle Pornopop.

Und dabei ist dieser neue, erotische Aspekt der nichtssagenden Dudelei a la Kaulitz-Brüder – und der anderen Zwei – noch das Beste, was „Kings of Suburbia“ unter seinem neon-bunten Morgenmantel zu bieten hat. Ist die neue „Männlichkeit“ erstmal offenbart, wird nämlich schnell klar, dass da nichts als heisse Luft bei raus kommen kann.

Müddi, wo ist meine Bontempi?

Ich meine, vier ehemalige Teeniestars, deren einziger Unique Selling Point es schon immer war, für übergwichtige Pickelgesichter Onaniervorlage zu mimen – was will man da künstlerisch schon erwarten? Inbesondere wenn diese Pubertätsartefakte dann noch proklamieren, man wäre jetzt reifer und an einem neuen Punkt angelangt. Je nach Perspektive ist letzteres sogar korrekt.

„Kings of Suburbia“ ist ein Sammelsurium verschiedenster 30-Euro-Effekte von Thomann sowie diesen kleinen roten Plastikkeyboards vom Spielzeug-Ramschlädchen an der Ecke, mit denen man so lustige Robotergeräusche machen kann. Für einen echten Synthie hat es den ostdeutschen Ballermannrockern wohl nicht gereicht – trotz „Solidaritätszuschlag“ der Fans. Und da wundert man sich noch über die Mauer im Kopf?

David Hasselhoof Animated Gif
Wie meinst Du das, Mauer in den Köpfen!?

Tokio Hotel klingen 2014 wie Hot Chip auf Meskalin. Wie Empire of the Sun mit einem Dildo im Arsch. Durchgenudelt, auditiv mißhandelt und wie von Sinnen. Ein bisschen, ja ein bisschen wirken Bill und Co wie David Hasselhoff zur Maueröffnung. Wir erinnern uns: der Typ mit der „Keyboard“-Krawatte, der tatsächlich glaubt, dass er mit seinem Hit „Looking for Freedom“ zur Wiedervereinigung eines gespaltenen Landes beigetragen hätte.

Was bei „The Hoff“ die Karriere mit einem ordentlichen Suff und peinlichen Cheesburger-Videos aus einer Suite in Las Vegas beendete, prophezeie ich den Kaulitzes bierbäuchig am Boden eines Zimmers des 1-Sterne-Bunkers „Lausitzer Jagdstübchen“, während sie sich ein fettiges Bulettenbrötchen reinschaufeln. Irgendein doofer Fan wird bestimmt mit Handykamera in der Nähe sein.

 

Zweite Liga, ole ole

Klar, nach solch einer Vergangenheit wie der von Tokio Hotel muss man neue Wege gehen. Man muss es allen beweisen. Auf alles scheissen. Doch dieses Album beweist im Endeffekt doch nur das, was wir eh schon alle vermutet haben: Tokio Hotel sind schlicht und ergreifend zweitklassige Songwriter. Geschweige denn kreative. Und da hilft dann auch kein renomiertes Produzenten-Team mehr.

„Kings of Suburbia“ ist wie der Lagarfljót-Wurm. Noch jahrelang werden Kritiker und Fans rätseln, ob die Erscheinung von Tokio Hotel im Jahr 2014 wirklich echt war, nur um später mit einer Wahrheit konfrontiert zu werden, die einen regelrecht umhaut: Ja, das ist echt!…Scheisse.

P.S. Schlechter gehts kaum!